© Foto by Peter Knechtli, OnlineReports.ch
"Regierungen haben sich aus der Verantwortung gestohlen": Slums in Chicago

Die Stadt von morgen – Leben im Horror

Buch: Immer mehr Menschen leben in Slums, die sich zu exterritorialen und "No Go"-Gebieten entwickeln


Von Aurel Schmidt


Die Menschheit sei an einem Wendepunkt angekommen, stellt der amerikanische Urbanist Mike Davis kritisch fest. In absehbarer Zeit oder sogar schon heute leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Aber von Städten zu sprechen ist ein Euphemismus. Es sind die Slums, die sich immer weiter ausbreiten, zu unübersehbaren Ballungsgebieten entwickeln und den Planeten wie ein Krebsgeschwür zerfressen.

In seinem Buch "Planet Slums" liefert Davis Zahlen und Hintergründe dazu. Die Horrorvision, die er entwirft, stimmt mit anderen ähnlichen Feststellungen überein wie etwa dem im Film "Darwin's Nightmare" von Hubert Sauper. Die Städte, sagt er, sind zum "Müllabladeplatz für eine überschüssige Bevölkerung" geworden. Er spricht dabei von einer "informellen Urbanisierung", die im krassen Gegensatz steht zu den glanzvollen Ansichtskarten-Vorstellungen von glitzernden Metropolen mit futuristischen Architekturen und eleganten Luxusgeschäften. Wir nehmen nur die gesponserten schönen Seiten der Welt zur Kenntnis.
 
Die Realität sieht anders aus. Die Megastädte sind Armutskonzentrationen in höchstem Mass. Wer sich davon nur eine blasse Vorstellung machen will, weil es hier schliesslich um einen kategorischen Imperativ geht, wird das Buch wie eine Science Fiction lesen, nur dass sie einen realen Hintergrund hat. Zwar macht sich Davis keinerlei Illusionen. Es wird keine Linderung geben, sagt er ernüchtert. Aber sich damit abfinden will er trotzdem nicht. Deshalb zerstört er radikal den schönen beziehungsweise falschen Schein und führt allen, die es wissen wollen, die nackten Tatsachen vor Augen. Und dann gibt es irgendwo auch noch eine Grenze des Anstands, die man nicht leichtfertig überschreiten kann.

"Die Menschen in den Slums müssen
Schmier- und Bestechungsgelder zahlen."




Das Leben auf den Strassen in den Slums ist nicht umsonst. Die "Pflasterbewohner" müssen Schmier- und Bestechungsgelder bezahlen an Verbrecherorganisationen und korrupte Polizisten. Unter dem Druck des Überlebenskampfes herrschen Kriminalität und Entsolidarisierung. "Statt nach oben führt die Treppe der sozialen Mobilität nur weiter nach unten." Studien der OECD, auf die sich Davis unter anderem beruft, gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 höchstens noch ein Viertel der Arbeitskräfte in Westafrika im formellen Wirtschaftssektor tätig sein wird. Die Regierungen stehen dem Problem ohnmächtig gegenüber und haben sich längst aus der Verantwortung gestohlen.

Davis macht die neoliberale Wirtschaftsideologie für die Entwicklung verantwortlich und begründet seine Behauptung plausibel. Strukturanpassungen im Sinn des  "Konsens von Washington" und des Diktats von IWF und Weltbank haben katastrophale Folgen.

So nimmt er zum Beispiel die Verhältnisse in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo (Zaire), als Exempel, um den Mechanismus von Verschuldung und auferlegter Sparpolitk aufzuzeigen. Das Land, das früher von Diktator Mobutu ausgebeutet wurde, wird jetzt von den bekannten Heuschrecken überfallen und geplündert. Die sogenannte Modernisierung der Landwirtschaft ist genau genommen eine Vertreibung der bäuerlichen Bevölkerung von ihrem Land in die Städte und gehört in den gleichen Ursachenzusammenhang.


"Es entstehen neue Formen
der Abhängigkeit und der Ausbeutung."




Die Folgen davon sind neben Korruption und Kriminalität vielfältiger Art: Frauenausbeutung, Prostitution, Kinderarbeit, Kindersterblichkeit, Gesundheitsschäden, ökologisches Desaster. Namentlich geht Davis auch auf den Organhandel ein sowie auf die Ausbreitung von religiösen Sekten in den Elendsvierteln, die nur vordergründig einen Ersatz für die Misere anbieten. In Wirklichkeit werden nur neue Formen von Abhängigkeit und Ausbeutung hervorgebracht.

Inzwischen beobachten Geheimdienste und zum Beispiel der deutsche Bundesnachrichtendienst die Situation und machen darauf aufmerksam, dass immer grössere Teile der urbanen Zentren sich in den Händen von kriminellen Banden befinden und diese das staatliche Gewaltmonopol übernommen haben. Es entstehen exterritoriale Zonen. Verwunderlich ist das nicht.
 
Sich der Lektüre des Buchs zu unterziehen ist eine harte Übung. Einfacher ist es, die Augen zu verschliessen. Die neoliberalen Verteidiger der Entwicklung werden sowieso abstreiten, dass sie die Welt in Unordnung und Elend stürzen, aber Davis widerlegt diese fadenscheinige Unschuldsbeteuerung einleuchtend. Denn die Realität ist allzu unerbittlich geworden.

Mike Davis: Planet der Slums. Aus dem Englischen von Ingrid Scherf. Verlag Assoziation A. 36.50 Franken.

11. April 2008


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Personenwagen entfernt sich nach Kollision mit Velo von der Unfallstelle"

Polizei Basel-Landschaft
Titel einer Medienmitteilung
vom 28. Mai 2019
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

In solchen Fällen schalten die PWs den Flucht-Autopiloten ein.

RückSpiegel


Die Basler Zeitung bezog sich in ihren Artikel über den Baselbieter Fremdsprachen-Streit auf OnlineReports.

In ihrem Bericht über die BVB-Tramblockade an der "Bankverein"-Kreuzung nahm die BZ Basel auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung und das SRF-Regionaljournal bezogen sich in ihren Berichten über das Urteil gegen den Rheinufer-Todesschläger auf OnlineReports. 

Die Basler Zeitung äusserte sich in einer Gerichtsberichterstattung über einen "Sexverbrecher" (so die BaZ) kritisch über OnlineReports.

Telebasel und die Basler Zeitung bezogen sich in ihren Berichten über das Bordell in der Schillerstrasse auf einen OnlineReports-Bericht.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung, 20 Minuten, die Nachrichtenagentur SDA, das SRF-Regionaljournal und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über den Unfall an der Parking-Baustelle beim Kunstmuseum auf.

Die OnlineReports-Recherche über die Zukunft des Basler "Viertel-Kreis" wurde von der Gundeldinger Zeitung aufgenommen.

Die Nachrichtenagentur SDA nahm die OnlineReports-News über die Berufung im Fall des pädophilen Sekundarlehrers auf.

Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.