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"Völlig uneinsichtig": Jung-Rechtsradikaler Philippe Eglin nach Urteilsverkündung

Seine Rassendiskriminierung hat Holocaust-Ignorant Eglin eingeholt

Der ehemalige Basler Sektionspräsident der "Partei national orientierter Schweizer" (PNOS) mimte vor Gericht den Wortkargen


Von Ruedi Suter


Der bekennende Rechtsradikale Philippe Eglin (22) wurde wegen Rassendiskriminierung zu einer unbedingten Geldstrafe von 10'800 Franken verurteilt. Das Strafgericht Basel-Stadt taxierte seinen bis heute nicht gelöschten Internetartikel "Die Lügen um Anne Frank" als schweres Verschulden. Der Verurteilte hingegen zeigte keine Einsicht und geisselte "die fehlende Meinungsfreiheit" in der Schweiz.


Ein flotter Kurzhaarschnitt, ein kurzärmliges weisses Hemd, Bluejeans, Sportschuhe – und ein anständiges Benehmen. Der junge Mann auf dem Stuhl vor dem Gericht verteidigte sich selbst und stellte gleich zu Beginn höflich klar, die Aussage verweigern zu können. Ja, bestätigte Richterin Liselotte Henz. Und so sagte der angeklagte Logistikassistent Philippe Eglin, 1988 in Basel geboren, während der Verhandlung fast immer, er sage nichts.

Dafür hatte er geschrieben, damals, als Präsident der rechtsradikalen "Partei national orientierter Schweizer" (PNOS) der Sektion Basel. Am 11. Juni 2009 veröffentlichte Eglin auf der parteieigenen Internetseite einen für sein Alter schon verdächtig "vielwissenden" Kommentar. Titel: "Die Lügen um Anne Frank". Die beiden ersten Sätze: "In Birsfelden gibt es nun einen 'Anne-Frank-Platz', schön und gut für Birsfelden. Doch basiert das Tagebuch von ihr auf einem Lügengebilde."

"Tagebuch – eine geschichtliche Lüge"

Weshalb dem so sei, begründet der 22-Jährige mit Fragestellungen und Erklärungen, die vor allem etwas beweisen sollten: Was von Zeugen und Historikern nach den Nazigreueln und dem Holocaust recherchiert, rapportiert und belegt wurde, ist Müll, Hirnwäsche, Fälschung. Das "traurige Schicksal" des Mädchens, welches im Versteck seine Nöte und Ängste vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten auf Papier fliessen liess, eigne sich "wie kein zweites zur Holocaust-Indoktrination junger, unbedarfter Kinder", hackte Eglin damals in die Tastatur.

Und ebenso überzeugt schloss er seinen Artikel: "Genauso wie andere Lügen über Deutschland in der Zeit von 1933 – 1945, ist auch das Tagebuch der Anne Frank eine geschichtliche Lüge!" Seine hartnäckige Sicht der Dinge hat Philippe Eglin im November letzten Jahres die Stelle bei Novartis gekostet. Doch der Text über das "Machwerk" Frank-Tagebuch steht heute noch auf der Homepage.

"Nur Zitate verwendet"


Diesen Behauptungen einen Riegel zu schieben, beschlossen der Anne Frank-Fonds und Franks Verwandter Buddy Elias. Hierauf formulierten der Basler Advokat Peter Mosimann und der Berner Rechtsanwalt Daniel Kettiger eine Strafanzeige wegen Rassendiskriminierung. So fanden sich heute vergleichsweise viele Medienleute im Gerichtssaal des Strafgerichtes ein. Man war gespannt, hatte doch der Angeklagte bislang immer bestritten, den Text geschrieben zu haben.

Die Bemühungen von Richterin Henz, ein wenig die Motivation ihres in geordneten Verhältnissen aufgewachsenen Gegenübers zu erspüren, stiessen meistens ins Leere. Immerhin konnte sie ihm entlocken, dass er Franks Tagebuch in der Schule gelesen habe und dass seine Behauptungen nur Zitate aus Medien wie den "Spiegel" wiedergäben, weshalb er ja auch "unschuldig" sei. Dass die Echtheit des Tagebuchs, wie Henz in Erinnerung rief, vom deutschen Bundeskriminalamt zweifelsfrei bestätigt wurde, beeindruckte den Angeklagten nicht.

"Pseudowissenschaftliche Scheinargumente"

Dann ergriff Staatsanwältin Eva Eichenberger das Wort. Das Wichtigste packte sie gleich in den ersten langen Satz: "Mit diesem Artikel verbreitet der Angeklagte zum einen öffentlich eine Ideologie, die auf die systematische Herbsetzung oder Verleumdung der Juden gerichtet ist, indem er der Jüdin Anne Frank unter Nennung pseudowissenschaftlicher Scheinargumente, wie sie in der Holocaustleugner- und Revisionistenszene in diesem Zusammenhang häufig herangezogen werden, unterstellt, ihr Tagebuch basiere auf einer Lüge."

Eichenberger liess in ihrer Begründung keine Zweifel offen: Eglin verneine die historisch belegte Tatsache, dass die nationalsozialistischen Machthaber via den Staatsapparat die "Massenvernichtung von Millionen Juden" im deutschen Einflussbereich angeordnet und planmässig durchgeführt hatten. Der Angeklagte leugne den Holocaust, und er versuche "systematisch" die Juden herabzusetzen. Es sei "äusserst verwerflich", Opfer zu Tätern zu machen, sagte Eichenberger. Schliesslich kritisierte sie Eglin, dass er keine "Handbreite" von seinen Auffassungen abweiche und "völlig uneinsichtig" sei. Seine leitenden Aktivitäten in der PNOS und die weitere Veröffentlichung seines Textes auf der Internetseite, liessen keine Hoffnung keimen, dass er sich in Zukunft an die historischen Tatsachen halten werde. Ganz klar, der Tatbestand der Rassendiskriminierung sei erfüllt. So forderte Eva Eichenberger eine unbedingte Geldstrafe von 60 Tagen à 120 Franken.

Letztes Kapitel ist noch offen


Doch Richterin Liselotte Henz verschärfte die Strafe um 30 Tage, wie sie bei der Urteilsbegründung kundgab. Hingegen verzichtete sie auf den Vollzug einer bedingten, nicht verjährten Vorstrafe, die sich Eglin 2007 wegen einfacher Körperverletzung eingebrockt hatte, und verlängerte für dieses Delikt die Probezeit um ein Jahr. Ansonsten folgte Henz den Ausführungen der Staatsanwältin. Die Richterin kritisierte ebenfalls unmissverständlich das Verhalten des Angeklagten: Kein Verständnis für die Nazi-Opfer, keine Einsicht, keine Reue, rein gar nichts, das auch nur auf den kleinsten Gesinnungswandel hingewiesen hätte.

Zu diesem Bild passe auch, dass der rassistische Text immer noch auf der PNOS-Homepage gelesen werden kann. Deren Provider sei in den USA und könne deswegen nicht gesperrt werden. Zum Schluss liess Richterin Henz keine Zweifel offen, dass der Text vom Netz genommen werden müsse. Sonst würden die Strafverfolgungsbehörden "nicht müde", gegen die Seite und ihre Betreiber neue Verfahren anzustrengen. Dies dürfte dann auch den Eglin-Nachfolger und jetzigen PNOS-Sektionspräsidenten Michael Herrmann in die Pflicht nehmen.

"Kapitalismus ist ein Verbrechen"


Der junge Mann mit dem blütenweissen Hemd stand nach der Urteilsbegründung scheinbar ungerührt auf, um später vor dem Gerichtsgebäude auf die Fragen der Medienleute ein paar weitere Einblicke in seine Gedankenwelt preiszugeben. Das Urteil beweise doch, dass es in der Schweiz keine Meinungsfreiheit gebe, sagte Philippe Eglin. Hier herrsche die nackte "Plutokratie", eine Herrschaft der Reichen.

"Kapitalismus ist keine Wirtschaftsform, sondern ein Verbrechen", will der junge Rechtsradikale ebenfalls schon erkannt haben. Auch dies hat er ins Internet gesetzt. Ob er den Text über das Tagebuch von Anne Frank löschen werde, versuchten die Medienleute noch vom Davoneilenden zu erfahren. Das, tönte Eglin nebulös an, werde noch zu überlegen sein.

Nachtrag vom 22. Juli 2010: Der diskriminierende Artikel auf der PNOS-Internetseite wurde ersatzlos entfernt.

21. Juli 2010

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
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"Da lehnen Sie sich weit heraus, Herr Heuberger"

Herr Bruno Heuberger, ich habe die Sache, wie erwähnt, mit eigenen Augen und Ohren verfolgt und weiss somit, wovon ich rede. Sie hingegen scheinen die Fakten nur aus den Medien und vom Hörensagen zu kennen. Da lehnen Sie sich meines Erachtens mit Ihren Einschätzungen schon ein wenig arg aus dem Fenster, sowohl was das Urteil als auch was meine Person betrifft.

 

Immerhin, in einem Punkt kann ich Ihnen recht geben. Ich wäre in der Tat in der ersten Reihe der Ausrufer, wenn ein Krimineller mit Samthandschuhen angefasst wird – egal ob Linker, Rechter, Ausländer oder Schweizer.


Abdul R. Furrer, Basel



"Antirassismusgesetz wurde hingebogen"

Was hat denn das P. Eglin vorgeworfene Delikt mit "Rassendiskriminierung" zu tun? Waren denn die in jenem Buch von Anne Frank vorkommenden Juden Angehörige einer fremden Rasse? Da scheint mir das Antirassismusgesetz einmal mehr hingebogen worden zu sein, um einen unbequemen Besserwisser aufgrund tendenziöser Unterstellungen mit der Rassismuskeule aus dem Weg zu räumen.


Heinz Mattmüller, Pratteln



"Wo ist Ihr Beitrag, Herr Furrer?"

Herr Abdul R. Furrer, anstatt sich über das berechtigte und auch in der Höhe angepasste Urteil zu mokieren, sollten sie lieber einen Beitrag dazu leisten, wie solche notorisch verwirrte Geschichts-Verfälscher zur Einsicht gebracht werden. So müssen Sie sich den Vorwurf gefallen lassen, solches "Gedankengut" zu unterstützen. Sie wären wohl der Erste, der ausruft, wenn umgekehrt ein so genannter Linker mit Samthandschuhen angefasst würde.


Bruno Heuberger, Oberwil



"Skandalöses Urteil"

Ich habe die Verhandlung vor Ort verfolgt und im Vorfeld dazu den Artikel “Die Lügen um Anne Frank“ mehrmals sorgfältig gelesen. Was die Frau Staatsanwältin in ihrem Plädoyer da alles in diesen Text hinein interpretiert hat, ist – um es höflich zu sagen – sehr an den Haaren herbei gezogen.

Nüchtern betrachtet bleibt nämlich, ausser der kategorischen Bezeichnung des Tagebuchs als "Geschichtliche Lüge", rein gar nichts an strafrechtlich relevanten Aussagen.

 

Dies und die Tatsache, dass das Gericht in seinem Urteil das Strafmass gegenüber dem Antrag der Staatsanwältin um 50 Prozent erhöht hat, lässt darauf schliessen, dass man hier ein Exempel statuiert hat, dass man es "den Rechten" einmal zeigen wollte. Ein skandalöses Urteil!


Abdul R. Furrer, Basel



"Hervorragend"

Artikel hervorragend! Ich finde Ihre Online-News grundsätzlich sehr gut und informativ.


Judie Melzl, Münchenstein



"Da geht eine Saat auf"

Da müssen sich rechtsgerichtete "Kapitalisten" wie ein Herr Blocher schon Gedanken machen, was für eine Saat da aufgegangen ist, die sie jahrelang gesät haben! Oder ist es so, dass man solche verwirrte Typen wie dieser Eglin in Sachen Geschichtsfälschung die Drecksarbeit für die sich im Hintergrund haltende Promis machen lässt? Bis heute hörte man nie eine Distanzierung.


Bruno Heuberger, Oberwil


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"Zeichen deuten auf grosse Kualition"

BZ Basel online
Titel vom
25. November 2017
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Kühe aller Fraktionen vereinigt euch!

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
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In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Promeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

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Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.