Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | (...) | 152 ] >>

Theater Basel
Kleine Bühne

"Medea"

Schauspiel von Kate Mulvany und Anne-Louise Sarks nach Euripides

Deutschsprachige Erstaufführung

Regie: Anne-Louise Sarks
Bühne und Kostüme: Mel Page
Dramaturgie: Almut Wagner
Theaterpädagogik: Martin Frank
Musik: Stefan Gegory
Licht: Stefan Erny

Mit Jacob Baumann, Barbara Horvath, Nils Treuer


Todgeweihte im Kinderzimmer

Erst der Schattenwurf des Abseitigen erzeugt die dramatische Bühnenfigur. Wenn dazu, wie bei Medea, leidenschaftliche und naive Liebe, tiefe Verletztheit und eine überaus kraftvolle Persönlichkeit kommen, entsteht ein Mysterium, zu dem wir seit zweieinhalb tausend Jahren Erklärungen produzieren, die bruchstückhaft sind, Annäherungen bleiben müssen: Wir stecken nicht in Medeas Haut.

Euripides, der der Königstochter Medea den Mord an den eigenen Kindern andichtete, gibt eine ganze Reihe von Hinweisen und unterhält so den Sog. Da ist zunächst mal ihr Mann, der kühl denkende Grieche Jason, der sie aus Karrierekalkül betrügt und Glauke, die Tochter des Machthabers, heiraten will. Und dies nachdem Medea ihm aus dem Kaukasus (Kolchis) folgte, die eigene Familie verriet, ihren Bruder tötete, als Zauberin das Heiligtum des goldenen Vlieses für die Griechen raubte.

Sie hat alles aufgegeben, ihre Heimat örtlich, sozial und religiös verloren. Die Korinther grenzen sie als "Wilde" aus. So muss ihr Verhältnis zu den beiden Kindern, die sie mit Jason hat, ein Ambivalentes sein, müssen diese Teil der Welt sein, die zusammengebrochen ist.

Auf Bezüge und Hintergründe müssen wir jedoch in der Dramenversion von Kate Mulvany und Anne-Louise Sarks weitgehend verzichten. Sarks befindet im Programmheft, keine Medea-Adaption, die sie gelesen habe, zeige Mitgefühl mit der Hauptfigur. Auch nicht die von Euripides. Das ist mindestens eine kühne Behauptung.

Weniger kühn ist Sarks Alternative. Da ist nichts weiter als eine liebe "Mama" der Jetztzeit, offenbar im Ehe-Clinch mit ihrem Mann (der nicht auftritt). Barbara Horvath hat nur drei kurze Auftritte zur Verfügung. Innerlich schwer belastet, soviel macht die Schauspielerin deutlich, kämpft ihre Medea darum, die Erregung gegenüber ihren beiden Jungens zu verbergen. Aber was macht diese Frau zur Mörderin ihrer Liebsten?

Keines ihrer Worte schafft ein besonderes persönliches Profil, etabliert ausser ein paar kurzen Aussagen ihre dramatische Lage. Dass sie ihren Bruder getötet hat, wird absichtlich unterschlagen, um sie nicht als Mörderin zu stigmatisieren (Programmheft).

Man habe nachvollziehbar machen wollen, "wie eine Liebende, der das Herz gebrochen wurde, an diesen extremen Punkt kommen kann". Ein Anspruch, an dem das Stück konzeptionell scheitert. Die Liebe wird nicht dramatisch aufgelöst (wie bei Euripides), sie wird behauptet. Wenn Medea den Kindern den Giftbecher überreicht hat und sich mit ihnen ins Bett legt, ergeht sie sich in Liebeserklärungen wie dieser: "Ich liebe eure Füsse. Ich liebe es, wenn euer Bauch rumort, wenn ihr Hunger habt. Ich liebe es, wie ihr eure Strohhalme kaut. Etc." Das ist rührend, aber auch sentimental und allzu nett.

Zu fragen wäre, warum das Stück nicht "Leon und Jasper" heisst. So nennen die australischen Autorinnen die Knaben, denen sie weitgehend das Feld überlassen, und aus deren Blickwinkel das Drama erzählt wird. Die Todgeweihten sind eingesperrt im Kinderzimmer, necken und zanken sich, reden über die Eltern und "Papas Freundin", beschiessen sich gegenseitig mit Schaumgummipistolen.

Hier zeigt das Stück jedoch eine besondere Stärke: Wie die Buben ahnungslos das Unsagbare, das ihnen bevorsteht, wie in Kreisen immer wieder im Spielen berühren, macht Kinderseelen fühlbar, die noch nicht in von Verstand und Logik verhärtet sind. Sie spielen etwa dramatische Tode, überbieten sich im tödlichen Getroffensein, werfen schüttelnd ihre Leiber zu Boden.

In den arglosen Spielszenen und Bubenritualen besteht das grösste Vergnügen der gut einstündigen Kinderzimmer-Tragödie. Sie erzeugen einen Gegensatz zur Beklemmung, die über die Aufführung nie aussetzt. Andererseits haben Jacob Baumann (14) und Nils Treuer (11) mit Sätzen zu kämpfen, die ihnen wohl kaum selber einfallen. Beispiel: "Ich schwebe zwischen Raum und Zeit". Das ist nicht altkluger Kindermund, so werden Kinder als kleine Erwachsene vorgestellt. Das Stück erfordert zudem eine spielerische Reife, wie sie von Kindern dieses Alters kaum zu bewältigen ist.

Das Kabinettstück der Aufführung zeigt Horvath, während sie dem Jüngeren die Schuhe bindet. Die Buben haben den tödlichen Trank bereits intus, spielen das Tiernamenspiel. Immer wieder fragen sie "Mama". Etwa: "Stimmt das, dass Salamander mit 'A' aufhört?" Horvath sagt geistesabwesend immer nur: "Ja. Ja. Ja." Das ist magisch. Aber insgesamt ist Medea die schwächste Überarbeitung eines antiken Stoffes, die Intendant Andreas Beck im Rahmen der "Basler Dramaturgie" realisieren liess.

22. April 2018
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"In den meisten Gemeinden des Kantons Basel erhalten Sie die Basler Zeitung bis 6.30 Uhr per Frühzustellung durch einen Verträger."

Basler Zeitung
Abo-Dienst aus Zürich
in seinen "Antworten
auf häufig gestellte Fragen"
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Die BaZ scheint entweder 186 Jahre hinten drein oder einige Jahre voraus zu sein.

RückSpiegel


Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Krichgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.

Beat Tschudin (48), seit rund zwölf Jahren den Fachbereich Fahrzeugbewirtschaftung der Baselbieter Polizei, übernimmt ab Dezember die Leitung des Fahrzeugwesens der Bau- und Umweltschutzdirektion als Nachfolger von Christian Oberhausser, der Ende August in vorzeitige Pension geht.

• Das Basler Gesundheits-Departement hat den Umzug von der St. Alban-Vorstadt an seinen neuen Hauptstandort an der Malzgasse 30 in Basel abgeschlossen.

Tom Ryhiner und Balz Stückelberger wurden an einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der St. Clara AG und damit gleichzeitig in den Verwaltungsrat des Claraspitals gewählt.

• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).