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"Ich spürte so viel Neues": Vosseler, Morin, Staatsempfang

Staatsempfang für Planet-Botschafter Martin Vosseler

Der Basler Regierungspräsident Guy Morin ehrte den unbequemen Bürger, der zu Fuss die USA durchwanderte


Von Peter Knechtli


Ehre für den Basler Umwelt-Botschafter Martin Vosseler (60): Heute Donnerstagnachmittag wurde er von Regierungspräsident Guy Morin und Staatsschreiber Robert Heuss empfangen. Vosseler war in siebeneinhalb Monaten 5'600 Kilometer zu Fuss durch die USA gewandert.


Gut zwei Dutzend Freundinnen und Freunde, Ausrüster und Begleitende, darunter auch FDP-Nationalrat Peter Malama, waren heute Donnerstagnachmittag ins Literatenzimmer am Sitz des Basler Justizdepartements gekommen, um dem Empfang des Energie- und Umweltaktivisten Martin Vosseler durch den Basler Justizdirektor und Regierungspräsidenten Guy Morin beizuwohnen. Vosseler war zu Jahresbeginn in Los Angeles gestartet und auf einer Länge von 5'600 Kilometern durch die USA bis Boston gewandert, bis er Mitte August die Ostküste erreichte. Seine Botschaft: Die Rettung des Planeten durch den breiten Einsatz erneuerbarer Energien.

Ein Zeitgenosse, "der Mut macht"

In seiner kurzen Ansprache würdigte Morin seinen ökologischen Gesinnungsfreund als eine "Identifikationsfigur": Wie Tennisstar Roger Feder in Basel als Sport-Botschafter willkommen geheissen werde, sei Vosseler ein Umwelt-Botschafter, der "auch wenn er manchmal unbequem ist", die Politikerinnen und Politiker im Tagesgeschäft an existenzielle Fragen erinnere. Mit seinem Glauben an die neue Werte-Welt sei Martin Vosseler ein Zeitgenosse, "der Mut macht".

Vosseler liess es sich nicht nehmen, einige launige Reminiszenzen seines Gewaltsmarsches mit Tagesleistungen bis zu 60 Kilometern zum Besten zu geben. Unzählige Male hätte ihn Automobilisten ein Stück weit mitnehmen wollen, was er aber immer kategorisch ablehnte, weil er vor sich selbst ein "Gelübde" abgelegt habe, den ganzen "Sun walk" (offizielle Bezeichnung), den einrädrigen Gepäckträger "James" an den Händen, zu Fuss hinter sich zu legen. Und so habe er denn eine "ununterbrochene Spur von Los Angeles bis Boston gelegt".

Aufmerksamkeit des Wanderers in der Auto-Nation

Die USA, so Vosseler weiter, hätten sich für seine umweltpolitische Pilgerreise zu Fuss bestens geeignet: Im Land des Automobils falle auf, wenn plötzlich Reisender per pedes auftauche. Von den Passanten habe er spontan viel  Freundschaft und Zuneigung erfahren; sie boten ihm auf seinem Weg durch Wüsten, Städte und Steppen Nahrung und Getränke, aber auch ein Dach über dem Kopf und gar Eis an, um kühlen Kopf zu bewahren: "Ich spürte viel Neues von den Leuten, das nicht Eigennutz war", erzählte ein körperlich sichtlich ausgezehrter, aber gewohnt begeisterter, wenn nicht euphorischer Martin Vosseler.

Allerdings hat er auf seiner Reise trotz zahlreichen Medienauftritten auch erkannt, dass noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist, bis die Werte-Wende Wirklichkeit ist: "Die planetare neue Ethik ist noch nicht da", stellte er ernüchtert, aber nicht pessimistisch fest. Nachdem er schon von Basel nach Bethlehem gepilgert war und jetzt die USA durchschritten hatte, "wäre noch Asien zu machen", fügte er augenzwinkernd, aber in einer Verbindlichkeit an, die wenig Zeifel an weiteren spektakulären Pilgerreisen offen lässt.

25. September 2008



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