Werbung

© Fotos ZVG
"In einem zweigeteilten Körper": Patrick Moser.

Hungrig nach Leben: Patrick Moser hatte mit 47 einen Hirnschlag

In einem Buch verarbeitet der Baselbieter Lehrer und frühere Journalist diesen Einschnitt in sein Leben – mit viel Humor.


Von Andrea Mašek


Man sieht Patrick Moser den Schlaganfall nicht an. Er sei halt in seiner Bewegungskapazität eingeschränkt und esse wohl zu viel Süsses, deshalb habe er seither zugenommen. Sagt er und kippt drei Löffel Zucker in den Tee.

"Dem Tod von der Schippe Gesprungene bringen einen unversiegbaren Heisshunger zurück aus der Zwischenwelt mit ins Diesseits. Am schlimmsten sind diejenigen, die einen Hirnschlag hatten, weil die Regeneration des Proteinklumpens in unserem Kopf unglaublich viel Energie absorbiert." Das schreibt Moser in seinem Buch "Absturz auf den Wallenberg". Darin berichtet er über seinen Schlaganfall und den Aufenthalt im Spital und in der Reha.

Moser ist einer von 26'000 Menschen in der Schweiz, die jedes Jahr eine Hirnverletzung erleiden. Die häufigsten Ursachen sind wie bei Moser Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumor und andere Erkrankungen.

130'000 Personen im Land müssen mit den Folgen leben. Diese zeigen sich bei den einen als Körperbehinderung, Sinnesbeeinträchtigung oder Sprachverlust. Andere sind hingegen in ihrem kognitiven Leistungsvermögen eingeschränkt oder haben eine Lernschwäche. Es können auch psychische Leiden auftreten.

 

Lockere Reportage

 

"Absturz auf den Wallenberg" liest sich wie eine extensive Reportage. Moser, früher Journalist, beschreibt akribisch, was mit ihm medizinisch passiert ist. Er musste nichts nachrecherchieren, denn als Patient hat er das medizinische und therapeutische Personal hartnäckig ausgefragt. Und in einem Blog vieles festgehalten.

Mosers Geschichte macht betroffen. Er war erst 47, als es passierte. Trotzdem erwischt sich die Leserin oft beim Schmunzeln. Der Humor des Autors tritt deutlich zu Tage; in den Kapitel-Titeln, oder wenn er sich über sich selbst lustig macht. Über sein Essverhalten – er habe fast die ganze Spitalkarte rauf und runter bestellt und alle verfügbaren Gänge genommen –, seine "Zombie-Schritte". Oder wie er den Moment des Transports vom Spital in die Reha mit einem Selfie festhalten wollte, weil er sich, im Rollstuhl und mit Corona-Schutzmaske im Gesicht, wie der Serienkiller Hannibal Lecter vorkam.

 

Trotz allem den Humor nicht verloren: Patrick Moser.

 

Manchmal steckt der Humor zwischen den Zeilen, insbesondere wenn er das Personal, die Mitpatienten oder den Klinikalltag beschreibt. Auch der lockere Stil macht das Buch sehr unterhaltsam. Er habe kein literarisches Werk vollbringen wollen, sagt Moser.

 

Stimme zurückerobert

 

Doch war er wirklich so positiv drauf? "Es ist offenbar eine meiner Stärken, mich gut in neuen Situationen zurechtzufinden", erklärt Moser. Er versuche, stets das Beste herauszuholen. Humor sei dabei eine wichtige Kraft-Ressource. Genau wie seine Frau und seine vier Söhne.

Auch wenn man es ihm eben nicht ansieht – Moser ist nicht mehr der Alte. Er sagt, "es ist komisch, in einem zweigeteilten Körper zu leben". Seine rechte Körperhälfte ist schmerz- und temperaturunempfindlich – eines von mehreren Symptomen, die der Schlaganfall hinterlassen hat.

Zu schaffen macht ihm vor allem aber die Erschöpfung. Nach dem Gespräch wird er sich hinlegen müssen. Wie auch nach jedem Schulvormittag. Moser arbeitet zu 40 Prozent als Primarlehrer, zu 60 Prozent wird er IV beziehen müssen.

Nach wie vor geht er zur Logopädin. Denn vor dem Hirnschlag war Singen "mein wichtigstes Hobby". Er war die Stimme des Folk-Duos Lion Minds. Heute, nach langem und hartem Training, schafft er es wieder, rund eine halbe Stunde lang zu singen.

 

Ziel erreicht

 

Vor dem Schlaganfall machte Moser nicht nur Musik, sondern zeichnete, fotografierte, schrieb Kolumnen. Heute fehlt ihm dazu die Energie. Er wollte aber wieder kreativ sein. Also kam der Entschluss, ein Buch zu schreiben. Als Journalist hatte er ab und zu mit dieser Idee gespielt, doch in seinem "früheren" Leben war kein Platz dafür.

Nun hatte er Zeit. Als die Glücksgefühle, nach zwei Monaten Spital und Klinik wieder daheim in Anwil zu sein und arbeiten zu können, etwas nachliessen, begann eine Frage an ihm zu nagen: "Was war eigentlich mit mir geschehen?"

Er entschied, dies aufzuschreiben. Einerseits wäre das gut für die Psychohygiene, andererseits würde es ihm aufzeigen, wie es im Leben weitergehe, dachte er. Im Vorwort nennt er noch mehr Gründe: Unter anderem schrieb er das Buch für Familie und Freunde.

 

Anders leben

 

Wie ist es aber mit diesem Wallenberg, der in abgeänderten Bergsteiger-Zitaten ganz am Schluss des Buchs doch noch massiv vor ihm aufragt? "Ich muss mit ihm leben, hoffe aber, er verliert mit der Zeit an Macht und Höhe", sagt Moser.

Der Namensgeber für das Wallenberg-Syndrom ist allerdings kein Berg, sondern ein Arzt. Ganz der Journalist, erklärt Moser dies im "Intermezzo" im hinteren Teil des Buchs.

Dort hat Moser auch seinen Lebenslauf beschrieben. Eigentlich unnötig. Denn als Leserin hat man schon längst den Eindruck, ihn gut zu kennen. Man spürt seine Gabe, Leute in schwierigen Situationen aufzumuntern.

Moser sagt, die Krankheit habe ihn verändert: "Vorher war ich ein sehr ungeduldiger Mensch. Alles musste immer schnell gehen. Jetzt stoppe ich vermehrt und schaue genau hin." Er versuche, anders zu leben, für seine Mitmenschen mehr Verständnis aufzubringen und toleranter zu sein.

Ein nächstes Buch würde sich aber nicht um ihn drehen. Ganz gerne würde Moser einen Roman schreiben und darin seine Fantasie ausleben.

 

Das Buch (28 Franken exkl. Porto/Verpackung) kann direkt beim Autor bezogen werden: wallenberggmx.ch

4. April 2024


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Weitere aktuelle News

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Er soll mehrere Gedichtbänder veröffentlicht haben."

bz
am 16. Mai 2024
über den Attentäter
in der Slowakei
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das kann man auch nicht mit Schweizer-Hochdeutsch erklären.

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel








In einem Satz


Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.