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"Wir wissen noch nicht genug": Fettabstossende Pommes-Tüte von McDonalds

Die Fett-Barriere lässt Risiken durch

Mit perfluorierten Substanzen behandelte, fettundurchlässige Verpackungen sind angenehm, aber nicht risikolos


Von Martin Forter


Verpackungen und Pappteller sind Hightech-Produkte: Sie verhindern zum Beispiel dank fett- und wasserabstossenden Substanzen, dass die Finger beim Pommes-frites-Schmaus fettig werden. Aber diese Stoffe können die Gesundheit gefährden, wenn sie regelmässig über die Nahrungsmittel in den Körper gelangen.


Für Kundinnen und Kunden äusserlich angenehm: Das Papier, mit dem Cervelat oder Pommes frites in der Fast-Food-Filiale eingepckt werden, wird von vielen Herstellern mit perfluorierten Substanzen hehandelt. Dank dieser Chemie-Barriere dringt das Öl von Wurst oder Hamburger nicht mehr in die Verpackung ein, sondern perlt innerlich an ihr ab.

Fettabweiser geraten in Verruf

Doch solche Fettabweiser geraten immer stärker in Verruf, wie der amerikanische Chemiekonzern 3M, einer der grössten Hersteller solcher Fettbarrieren für Karton und Papier, erfahren musste: Im Jahre 2000 stellte er die Produktion von Fluorchemikalien ein. Grund: Im Blut, in der Leber sowie in der Gallenblase von Menschen und Tieren aus allen Weltgegenden hatten Forscher die 3M-Fluorchemikalie der Marke "Scotchban" gefunden – genauso wie in der Umwelt. "Festgestellt wurden die gleichen Konzentrationen wie damals beim DDT", sagt Michael Oehme, Umweltanalytiker am Institut für Organische Chemie der Universität Basel. Das Insektizid DDT war vor dreissig Jahren verboten worden, weil Wissenschaftler den Insektenkiller in Muttermilch sowie im Fett von Mensch und Tier nachgewiesen hatten.

Die "Scotchban"-Substanzen und ihre Abbauprodukten reichern sich - ähnlich wie DDT - über die Nahrungskette im Körper von Mensch und Tier an. Über die Giftwirkung dieser Fluorchemikalien ist wenig bekannt. In Tierexperimenten wurden zum Teil Vergrösserungen der Leber, Veränderungen der Blutzusammensetzung, Zellschädigungen oder gar der Tod festgestellt. Oehme: "Ich bin besorgt".

Die Konkurrenz sprang in die 3M-Lücke

Andere sind es nicht, wie ein Schreiben eines Herstellers von Lebensmittelverpackungen zeigt, das OnlineReports vorliegt: Danach belieferten Verpackungshersteller noch eineinhalb Jahre nach dem Produktionsstopp von "Scotchban" in der Schweiz Fast-Food-Ketten und Detailhändler mit Pappgeschirr, das mit der gefährlichen Substanz behandelt worden war. Wie weit heute noch mit "Scotchban" imprägnierte Lebensmittelverpackungen im Umlauf sind, ist unklar. Doch gelöst ist das Problem noch nicht. Nach dem Rückzug von "Scotchban" drängte nämlich die Konkurrenz mit ebenfalls umstrittenen Fluorchemikalien in jene Lücke, die 3M hinterliess.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, perfluorierte Chemikalien herzustellen:

• 3M verwendete ein sogenanntes Elektrolyse-Verfahren,
• die Basler Spezialitätenchemiekonzerne Ciba und Clariant sowie der US-amerikanische Multi Dupont und der deutsche Bayer-Konzern setzen auf das Telomer-Verfahren.

Nach dem Rückzug von 3M aus dem Fettbarrierengeschäft auf Lebensmittelverpackungen sahen die Telomer-Hersteller für ihre Fluorchemikalien eine Chance: Besonders aggressiv tritt die kriselnde Clariant auf. Sie preist ihre perfluorierten Substanzen in den USA ausdrücklich als "benutzerfreundliche Alternative" für das zurückgezogene "Scotchban" an. Auch gegenüber OnlineReports vertraten Bayer, Ciba und Clariant die Ansicht, ihre Fluorchemikalien seien "sicher" und mit "Scotchban" nicht vergleichbar, weil ein anderes Produktionsverfahren zum Einsatz komme. Fraglich ist nur, weshalb einige Telomer-Hersteller seit kurzem in den USA grosse Forschungsarbeiten finanzieren, die genau dies abklären sollen.

Dass sich "Scotchban" so grundlegend von den perfluorierten Chemikalien der anderen Hersteller unterscheidet, bezweifelt zumindest der Basler Umweltchemiker Oehme: "Es ist zwar noch nicht bewiesen, aber die meisten Forscher gehen davon aus, dass ein Abbauprodukt, das in Organismen gefunden wurde, von perfluorierten Substanzen aus dem Telomer-Verfahren stammt". Mit anderen Worten: Es besteht die Gefahr, dass sich auch diese Fluorchemikalien im Körper des Menschen anreichern können, wenn sie von der Verpackung auf die Lebensmittel gelangen und mit der Nahrung aufgenommen werden.

Unklar, ob Telomer-Produkte harmlos sind

Auch Pim de Voogt, Autor einer Studie über perfluorierte Chemikalien an der Universität Amsterdam, relativiert die von der Industrie propagierte Unbedenklichkeit: "Wir wissen noch nicht genug, um wissen zu können, ob die Telomer-Produkte harmlos sind oder nicht." Trotz der offensichtlich grossen Wissenlücken sorgt heute eine Fluorchemikalie von Ciba dafür, dass das Fett der Pommes frites von McDonalds nicht durch die Papiertüte dringt.

Ciba beruft sich auf "umfangreiche Tests", die im Rahmen der Zulassung von Lebensmittelverpackungs-Materialien nötig sind und die "die Unbedenklichkeit solcher Materialien belegen". Ciba-Sprecher Thomas Gerlach: "Die Ergebnisse dieser Tests wurden von diversen Behörden eingehend geprüft. Das Ergebnis dieser Prüfungen war, dass unsere Produkte die besonders hohen Anforderungen für die Zulassung für Anwendungen in Lebensmittelverpackungs-Materialien erfüllen." Bisher indes hat Ciba diese Prüfungen nicht offen gelegt; ebenso wenig sind sie öffentlich zugänglich und überprüfbar.

"Scotchban" durch andere Fluorchemikalien zu ersetzen und damit vielleicht vom Regen in die Traufe zu gelangen, schliessen andere Firmen aus: "Das von Nestlé Schweiz verwendete Verpackungsmaterial enthält keine perfluorierten Substanzen", liess der Lebensmittelkonzern OnlineReports wissen. Er beliefert unter anderem Bell mit Papptellern – zumindest dort liegt die Wurst auf einer problemlosen Kunststoffbeschichtung.

7. Mai 2003


Breit verwendet, aber nicht deklariert

Die umstrittenen Fluorchemikalien lassen nicht nur Öl und Fett von Fasern abperlen, sondern auch Wasser und andere Flüssigkeiten. Dieser Effekt ist besonders auf Verpackungen für Lebensmittel willkommen. Fluorchemikalien finden sich ausserdem oft in Imprägnierungsmittel, in Bodenwachs, auf Papier, Teppichen, Textilien und Lederwaren, aber auch in Feuerwehrschäumen. Die KonsumentInnen können in der Regel nicht erkennen, ob ein Produkt Fluorchemikalien enthält. Sie sind höchst selten deklariert.

BAG: "Wir kennen keine solchen Studien"

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat sich mit dem Verpackungsmaterial aus perfluorierten Stoffen noch nicht auseinandergesetzt: "Perfluorierte Substanzen, die auf Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden, sind nicht zulassungspflichtig", erklärte ein BAG-Sprecher. Dem Bundesamt sei deshalb "die Anzahl" der im Lebensmittelbereich eingesetzten Fluorchemikalien "nicht bekannt". Auch die Frage, wie stark Verpackungen die eingewickelten Lebensmittel mit Fluorchemikalien verschmutzen, kann die Gesundheitsbehörde nicht beantworten: "Solche Studien sind uns nicht bekannt."

Die Migros nimmt das Problem ernster und hat begonnen, bei Lebensmittelverpackungen den Gehalt an Fluorchemikalien abzuklären. Der Grossverteiler glaubte zwar zuerst, dass heute die meisten Fettabweiser auf papiernen Lebensmittelverpackungen fluorfrei sind. Nach längeren betriebsinternen Recherchen, ob Fluorchemikalien in den Verpackungen für Lebensmittel noch vorkommen, kam der Grossverteiler zu einer ernüchternden Erkenntnis: "Im gegenwärtigen Zeitpunkt haben wir nicht genügend verlässliche Informationen, um die aktuelle Situation bei Lebensmittelverpackungen mit Fettbarieren zu beurteilen."


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Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

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In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

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Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

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"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
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Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.