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"Eine ganz spezielle Kultur": Konkurrenten Fritz Gerber und Daniel Vasella

Vasella legt Schlinge um die Roche-Erben

Trotz erhöhter Beteiligung von 32,7 Prozent kann Novartis eine Fusion mit Roche nicht erzwingen


Von Peter Knechtli


Mit der Bekanntgabe einer Beteiligung von 32,7 Prozent an Roche lenkte Novartis-Boss Daniel Vasella geschickt von der Diskussion um sein 20-Millionen-Jahresgehalt ab. Doch das heimlich aufgestockte Aktienpaket bringt den Schweizer Top-Verdiener nicht wesentlich näher an sein Ziel einer neuen Basler Pharma-Fusion.


Seinen Lebenstraum hat Novartis-Konzernchef Daniel Vasella bis ins Detail durchgerechnet. Nach einer Fusion mit dem Platz-Konkurrenten Hoffmann-La Roche entstünde der zweitgrösste Pharmakonzern der Welt, schwärmte er am Donnerstag mit glänzenden Augen. Zudem brächten Roche mit den äusserst attraktiven Diagnostica und Novartis mit Generika zwei starke komplementäre Geschäfte in die neue Firma ein. Vasella hätte dann geschichtsträchtig weitergeführt, was der Onkel seiner Frau, der frühere Sandoz-Präsident Marc Moret, mit der Fusion von Sandoz und Ciba zu Novartis schon arrangierte.

Auf Goodwill des "Daig" kann Vasella nicht zählen

Dieses Fern- und Kernziel steuert Vasella mit listiger Doppelzüngigkeit an. Noch vor einem Jahr, das von Martin Ebner zum Preis von 4,8 Milliarden Franken übernommene 20-Prozent-Rochepaket im Sack, markierte er ungeduldig beschränktes Interesse ("Wir wollen nicht warten auf Godot"). Wenn Roche nicht kooperativ sei, so Vasella damals gegenüber dem deutschen "Handelsblatt", läge eine "Gewinn bringende Desinvestition" auf der Hand. In Wahrheit kaufte Novartis für weitere 3,2 Milliarden Franken heimlich zu und hält jetzt 32,7 Prozent der Aktien.

Damit zog Vasella den Belagerungsring um den Platzkonkurrenten auf der rechten Rhein-Seite, der stets auf Autonomie bedacht war und ist, bedrohlich eng. Doch ob ihm mit seinem mässig riskanten 8-Milliarden-Investment gelingen soll, woran Ebner mit seinem Putschversuch scheiterte, ist keineswegs sicher. Zwar hat Vasella als Herrscher über einen in seinen Wurzeln baslerischen Konzern bei den Roche-Erben Oeri und Hoffmann, die zusammen mit 50,01 Prozent die Stimmrechtsmehrheit halten, die besseren Karten als der wertfixierte Zürcher Financier. Doch emotional steht der an amerikanischen Lohn- und Leistungsmustern orientierte Vasella dem Basler "Daig" (wie die lokale Bourgeoisie genannt wird) genauso fern, auch wenn er sich in jüngerer Zeit gern "patriotisch" gibt. Als er vor wenigen Jahren seinen Wohnsitz aus einer Basler Vorortsgemeinde ins steuergünstige Risch am Zugersee verschob, schrieben ihn viele Basler bitter ab, auch wenn er einen Teil seines Einkommens immer noch am Rheinknie versteuern soll.

Roche hat eine durchaus lokalchauvinistische Note

Vasella spekuliert darauf, dass nach dem Tod des Familienoberhaupts Paul Sacher im Jahr 1999 die Bastion der Roche-Erben erodiert. Die der Firmengründerfamilie entstammende und Basel eng verbundene Vera Oeri, Tochter von Emanuel Hoffmann und Maja Sacher-Stehlin, geht gegen die achtzig. Auch ihr Bruder Luc Hoffmann, der 80-jährige engagierte Umweltschützer, hat im Verwaltungsrat seinem Sohn André Platz gemacht. Die nachfolgende Generation, so heisst es möglicherweise zu Unrecht, sei "am Pulver" deutlich stärker interessiert als die sich an einer Tradition des Mäzenatentums und sozialen Wohlergehens der Stadt leitenden Vorfahren.

Fritz Gerber, 74, langjähriger Roche-Patron und heute Sprecher des Familienpools, lässt indes keine Zweifel daran, dass auch künftig die junge Erben-Generation "dieser Bindung zu Basel" in verschiedensten kulturellen und sozialen Formen Ausdruck verleiht: "Wir haben eine ganz spezielle Kultur bei Roche." Zudem sind alle Familienmitglieder in einen Aktionärsbindungsvertrag geschlossen, der für einen Verkauf einzelner Pakete – und somit die Preisgabe der Mehrheit – Einstimmigkeit verlangt. Dieser Vertrag gilt bis ins Jahr 2009 und könne, so Gerber, "ohne weiteres verlängert" werden.

"Die Familie hat ganz klar keine Verkaufsabsicht und die Mehrheit kann nicht verschoben werden. Roche ist stark genug, sich selbstständig zu entwickeln", bekräftigte Gerber gegenüber OnlineReports, was im September schon Roche-Präsident Franz Humer ("Das Thema Novartis ist vom Tisch") festhielt. Doch die Autonomie ist nicht mehr uneingeschränkt intakt: Vasella könnte mit Hilfe befreundeter Aktionäre eine Sperrminorität gegen wichtige Beschlüsse der Generalversammlung errichten, die laut Statuten "zwei Drittel der vertretenen Stimmen" erfordern. Dazu gehören die Kapitalerhöhung, die Einführung von Stimmrechtsaktien oder die Sitz-Verlegung.

Akquisitionen werden im Verwaltungsrat beschlossen

Dieser neu gewonnene Einflussspielraum von Novartis ist für die Familie laut Gerber "kein Grund zu Zittern": "Ich sehe derzeit keine Entscheide am Horizont, die eine Zweidrittelsmehrheit erfordern." Laut Firmensprecher Daniel Piller kam das Zweidrittelsquorum 1989 bei der Gründung der Roche-Holding letztmals zur Anwendung. Die strategisch zentralen Entscheide wie die Weltführerschaft von Diagnostica durch den Kauf von Boehringer Mannheim für rund 16 in Cash bezahlte Milliarden Franken, des US-Biotech-Konzerns Genentech oder der Pharmakonzerne Syntec (USA) und Chugai (Japan) wurden im Wesentlichen nicht durch die Generalversammlung entschieden, sondern durch den Verwaltungsrat. So war es auch beim Verkauf des Vitamingeschäfts oder beim Givaudan-Spinoff.

Anders als Ebner wird Novartis vorläufig keinen Sitz im Roche-Verwaltungsrat einfordern: Abgesehen von der schieren Unmöglichkeit, einem Konkurrenten Einblick in die sensibelsten strategischen und finanziellen Daten geben zu müssen, wären absehbare Antitrust-Probleme zu riskant. Roche-Insider sind denn auch überzeugt, dass Novartis eine "hervorragend geführte Firma" ist, die nicht aus emotionalen Gründen Entscheide blockiere, sondern als Investorin "nur ein Interesse haben kann - dass es Roche gut geht". Unrealistisch ist eine Erhöhung der Novartis-Beteiligung auf über 33,3 Prozent: Dann müsste Vasella den übrigen Aktionären eine öffentliche Übernahmeofferte machen, die nicht finanzierbar wäre.

Verunsicherung in beiden Firmen

"Im Moment nicht sehr realistisch" beurteilt GBI-Gewerkschaftssekretär Jost Arnet die Möglichkeit einer Elefantenhochzeit. Doch Ruhe lässt im die Perspektive nicht. "Es käme zu einem brutalen Stellenabbau, der Pharma-Arbeitsmarkt würde ausser Kraft gesetzt." Schon heute ortet Arnet "Angst um den Arbeitsplatz in beiden Betrieben". Schon wird ausgerechnet, wer bei Doppelbesetzungen den Kürzeren ziehen könnte.

Als sicher gilt: In einem Super-Pharmakonzern dürfte Novartis (aktueller Börsenwert 140 Milliarden Franken) und nicht Roche (97 Milliarden Franken) die erste Geige spielen. Und Dirigent wäre der Schweizer Spitzenverdiener: Daniel Vasella.

27. Januar 2003


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