© Foto by OnlineReports.ch
"Relativ viel": Chlormequat in verführerisch leuchtendem Gemüse

Wachstums-Präparate in Peperonis

Auch Bio-Produkte enthalten Rückstände von den illegalen Regulatoren


Von Martin Forter


Knackig frisch und farbig leuchtend machen sie uns in den Verkaufsregalen an. Aber die Chance ist gross, dass sie mit Stoffen belastet sind, die nicht hinein gehören: Auf vier von zehn Peperoni fand OnlineReports einen illegalen Wachstumsregulator. Pikant: Auch Bio-Produkte sind betroffen.


Verlockend sahen sie aus, die roten, grünen und gelben Peperoni. Zehn Stück dieses Vitamin C reichen Gemüses hat das Konsumentenmagazin "Saldo" gekauft und im Laboratorium Eurofins auf Rückstände des verbotenen Wachstumsregulators Chlormequat untersuchen lassen. "Wir würden 40 Prozent der Peperoni-Proben beanstanden. Das ist relativ viel", kommentiert Markus Zehringer vom Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt die Analyseergebnisse.

Bisher kontrollierten die Kantonalen Laboratorien nicht, ob das Chlormequat-Verbot eingehalten wird: Der Stoff ist zwar seit 1972 auf dem Markt. Die Bundesbehörden aber legten erst vor wenigen Wochen den Toleranzwert von 0,05 Milligramm pro Kilogramm Gemüse fest. Offizielle Untersuchunnsergebnisse gibt es deshalb noch keine.

OnlineReports sprang ist in die Lücke: Das beauftragte Laboratorium fand in zwei konventionell angebauten Peperoni sieben bis acht Mal höhere Konzentrationen des Wachstumsregulators. Delikat: Auch in den zwei untersuchten Bio-Peperoni aus Italien kamen Spuren des verbotenen Stoffs zum Vorschein, was nach Ansicht der Kantonalen Laboratorien von Basel-Stadt und Zürich gegen die Bioverordnung verstösst. OnlineReports hatte die Bio-Peperoni bei Coop in Lugano und bei Höheners in Basel gekauft.

Unbelastet bzw. gesetzeskonform waren dagegen die vier Peperoni aus konventioneller Zucht, die wir in drei Migros-Läden gekauft haben.

Coop: 60 Prozent belastet

Bei Coop dagegen verletzten drei von fünf Proben die Regeln: "Das ist zu hoch" räumt Karl Weisskopf von Coop ein. Der Grossverteiler werde deshalb seine Kontrollen intensivieren. Coop vermutet, dass die belasteten, konventionell angebauten Peperoni nicht mit Chlormequat gespritzt, sondern damit verschmutzt worden sind. Dem widerspricht ein Experte aus der Industrie, der nicht genannt werden möchte: "Die konventionellen Peperoni aus Holland und Spanien sind illegal mit Chlormequat gespritzt worden. Nur so lassen sich die hohen Rückstandswerte erklären." Alleine gefährden diese zwar die Gesundheit kaum. Wie sie aber zusammen mit den Rückständen von anderen Pflanzenschutzmitteln wirken, die z.B. Puls-Tipp im März auf konventionellen Peperoni gefunden hat, "ist wenig bekannt", sagt Andreas Schürmann von Kantonalen Laboratorium Zürich.

Verunreinigte Bio-Produkte selten

Zur spurenweise Belastung der beiden Bio-Peperoni, die OnlineReports untersuchen liess, meint Lucius Tamm vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) in Frick: "Bei einer gezielten Anwendung von Chlormequat wären 10-20 fach höhere Rückstandswerte zu erwarten". Deshalb glaubt Tamm, dass der verbotene Wachstumsregulator durch "die Verwendung kontaminierter Gebinde, von kontaminiertem Stroh als Mulchmaterial aus konventionellem Anbau oder von konventionellen Setzlingen" zur geringen Belastung der Bioprodukte führte. Ähnlich sieht es Bio Suisse.

Dass in konventionellen Peperoni-Setzlingen der Grund für die Belastung der Bioprodukte liegen könnte, vermutet auch der befragte Industrieexperte. An verschmutzte Gebinde bzw. Stroh glaubt er nicht: "Das müsste schon sehr stark kontaminiert gewesen sein".

Finden die Lebensmittelkontrolleure oft mit Pestiziden belastete Bio-Produkte? Die staatlichen Prüfer winken ab: "Normalerweise ist in Bio-Produkten nichts drin", sagt etwa Markus Zehringer vom Basler Laboratorium. Sein Zürcher Kollege Georg Schäppi: "Wir haben selten solche Fälle."

16. Juni 2002


Chlormequat

MFo. Welchen Vorteil bringt der illegale Einsatz von Chlormequat bei Peperoni? "Wir können ihnen zur Wirkung des Produktes bei illegaler Anwendung in nicht zugelassenen Kulturen leider keine Angaben machen", liess der deutsche Hersteller BASF wissen.
OnlineReports hat’s trotzdem herausgefunden: Chlormequat soll
• das Wurzelwachstum bei Setzlingen fördern, um das Umpflanzen zu erleichtern
• die Blätter der Pflanze länger grün halten, was durch verstärkte Photosynthese einen Mehrertrag ergibt
• Alle Triebe gleichzeitig zum Blühen bringen, damit später die Früchte gleichzeitig reif sind und maschinell geerntet werden können.
Ob Chlormequat im Gemüsebau tatsächlich diese Wirkungen hat, ist allerdings umstritten.


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Wer nicht begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

Basler Zeitung
vom 2. Oktober 2019
über ein Manser-Zitat
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wer richtig gelesen und korrekt geschrieben hätte, hätte das authentische Zitat dokumentiert: "Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

RückSpiegel


Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.

Die SP Baselland empfahl an ihrer Delegiertenversammlung vom 22. Oktober, im zweiten Ständerats-Wahlgang die grüne Maya Graf zu wählen.

Die Grünen Liestal und Umgebung haben Marie-Theres Beeler an der Mitgliederversammlung vom 22. Oktober für die Legislatur 2020-2024 für den Stadtrat nominiert.

Am 9. August 2019 hat Eva Meuli dem Landrat ihren Rücktritt als Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungs-Recht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft per 31. März 2020 erklärt.

Am 14. Oktober, lediglich drei Wochen nach Ausschreibung der Publikumsöffnung der ADEV Ökowärme AG, waren alle 3000 neu ausgegebenen Namenaktien gezeichnet.

Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.