Sarah Bühler: "Und übrigens ..."

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Hochdeutsch – und dann der berühmte Blick

"Lass mich doch dein Fahrrad stossen!", bot ich neulich einer Mitarbeiterin an der Universität in Tübingen an, die in ihren Händen eine Tasse mit heissem Kaffee und mindestens zehn Bücher jonglierte – und erntete diesen berühmten Blick. Den Blick, der (im besten Fall) ungefähr folgendes meint: Was meint sie wohl? Ich verstehe das nicht genau. Stimmt, sie ist ja Schweizerin und hat sicher etwas verwechselt! Wie komisch, seltsam, lustig und niedlich.

Diesen Blick ernte ich auch nach einem Jahr in Deutschland noch relativ häufig. Das kann frustrierend sein, vor allem, wenn man sich extra Mühe gibt (ich habe Fahrrad statt Velo gesagt). Inzwischen frage ich jeweils sofort, was ich falsch gemacht habe. Es heisst schieben, nicht stossen. Aha! Ja, klar.

Mögliche Fehler lauern überall: Statt Ferien zu nehmen beantrage ich jetzt Urlaub, ich gehe nicht mehr ins Spital, sondern ins Krankenhaus und dort liege ich nicht mehr ab, sondern lege mich nieder. Randen ist Rote Beete, Nüsslisalat Rapunzel und Peperoni heisst Paprika. Das ist alles ziemlich kompliziert, und obwohl ich lernfähig bin, gehen häufig Chruut und Rüebe (Karotten) durenand.

Kein Wunder werde ich in Deutschland oft auf das Schweizerdeutsche angesprochen. Grösste Schwierigkeit bereitet mir dann zu erklären, was es eigentlich ist: Ein deutscher Dialekt (wovon es auch in Deutschland viele gibt)? Oder doch eine eigenständige Sprache? Mit anderen Worten: Ist "Hochdeutsch" für uns Deutschschweizer eine Mutter- oder Fremdsprache?

Peter von Matt hat darauf eine pointierte Antwort: "Der verbreitete Wahn, nur der Dialekt sei die Muttersprache der Deutschschweizer, beruht auf einer Mischung von Denkschwäche, Sentimentalität und Borniertheit." Er macht eine Arroganz der Schweizer aus und beklagt – wohl zu Recht – eine gefühlsmässige Abwertung der Sprache, in der Gottfried Keller und Robert Walser, Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt geschrieben haben.


"Am mündlichen Deutsch wurde nicht
geschliffen. Das rächt sich heute."



A
ber die Sache ist nicht so einfach. Umfragen zeigen immer wieder, dass nur wenige Deutschschweizer Hochdeutsch als ihre Muttersprache bezeichnen. Sie fühlen sich vor allem beim Sprechen unsicher, haben kaum Gelegenheit zum Üben, müssen mühsam "im Kopf übersetzen" und regeln vor allem emotionale Angelegenheiten viel lieber in Mundart. Unsicherheit statt Borniertheit?

Ein neuer, interessanter Forschungsansatz zeigt, dass die Frage "Fremdsprache oder nicht?" schlicht falsch gestellt ist. Statt mit den emotional aufgeladenen Kategorien Muttersprache und Fremdsprache zu argumentieren, sollten wir von Primär- respektive Sekundärsprache sprechen.

Zuerst erlernen wir demnach eine Primärsprache, zum Beispiel Baseldytsch. Die Sekundärsprache, Hochdeutsch, eignen wir uns en passant beim Fernsehen aber auch in der Schule an. Diese ist uns hingegen vertrauter als eine Fremdsprache wie beispielsweise Arabisch. Die Sekundärsprache wird nicht so häufig gesprochen, gehört aber – anders als eine Fremdsprache – durchaus zum Alltag. Während man in einer Sekundärsprache mehr Personen erreichen kann (wir können uns auf Hochdeutsch auch mit Norddeutschen problemlos verständigen), verfügen wir in der Primärsprache über mehr Sicherheit im Ausdruck, fühlen Wärme, Nähe und regionale oder gar nationale Verbundenheit.  

Was für Vorteile bringt eine solche Einschätzung des Schweizerdeutschen? Zunächst könnten Lehrpläne danach ausgerichtet werden. Denn: Eine Sekundärsprache muss in der Schule durchaus systematisch erlernt werden – vor allem auch mündlich. In meinem Unterricht wurde an der französischen und englischen Aussprache geschliffen, um etwas Übung im hochdeutschen Ausdruck scherte sich (fast) niemand. Das rächt sich heute – sicher nicht nur bei mir!

Die Vertreter der Primär- und Sekundärsprachen-Theorie gehen ausserdem davon aus, dass die Übergänge fliessend sind und sich die beiden Sprachen andauernd gegenseitig beeinflussen. So wird die Illusion entlarvt, dass es "reine" Dialekte gäbe. Gleichzeitig wird deutlich, dass es kein "richtiges" oder "falsches" Hochdeutsch gibt.

Das werde ich in Zukunft berücksichtigen und – konfrontiert mit dem Blick – nicht mehr fragen, was ich falsch, sondern was ich anders als in Deutschland üblich formuliert habe. Dann kann ich mich anpassen – oder auch nicht. Friedrich Dürrenmatt hat einmal geschrieben, dass er sein Deutsch "immer wieder finden" müsse. Grund genug, auf der Suche zu bleiben.

23. Mai 2016
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Sarah Bühler, geboren 1988, studierte Geschichte an der Universität Basel, an der sie bis August 2016 einen Lehrauftrag innehatte. Sie schreibt derzeit ihre Dissertation zum Ende des Römischen Reiches an der Universität Tübingen. Aufgewachsen in Gelterkinden präsidierte sie bis 2015 die lokale Sektion der Grünen Baselland. Sarah Bühler lebt inzwischen in Tübingen und Strassburg. Seither beschränkt sich ihre politische Aktivität auf die Beobachtung der gesellschaftlichen Entwicklung der Schweiz.

sarah.buehler@unibas.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Herzlichen Dank"

Liebe Sarah, super! Herzlichen Dank für den guten Artikel!


Sibylle Benz, Germanistin, Historikerin, Basel



"Den schlimmsten Beitrag liefert SRF"

Sarah Bühler gehört mein Dankeschön für diese treffende Kolumne. Leider haben in den letzten Jahrzehnten bei uns viele Nachlässig- und Oberflächlichkeiten in bezug auf unsere Sekundärsprache Einzug gehalten. Dabei gibt es viele Berufsfelder, in denen eine präzise, völlig korrekte Vermittlung von Information wichtig – manchmal sogar lebenswichtig – sein kann. Wenn das dann noch ein einem Umfeld der Fall ist, in dem Leute aus sehr unterschiedlichen Sprachherkünften arbeiten, wird es ganz schwierig.

Die allgemeine Dialektwelle wird unglücklicherweise auch noch durch die Schulen gefördert. Den schlimmsten Beitrag liefert allerdings SRF, sowohl im Radio wie im Fernsehen. Hier ist es dringend, dass unserer Sekundärsprache, die für so viele Lebenszusammenhänge sehr wichtig ist und bleibt, wieder der gebührende Stellenwert zugemessen wird. Es sind zwei Realitäten, die bei SRF sehr störend sind. Zum einen ist es die viel zu grosse Anzahl Sendungen, die in Mundart laufen; zum andern ist die Sprechqualität in der Hochsprache oft ein Graus.
 
Nebenbei,  es ist auch eine ausgesuchte Unhöflichkeit gegenüber unseren Mitschweizerinnen und Mitschweizern, deren Muttersprache Französisch oder Italienisch ist. Und es ist eine ausgesuchte Unhöflichkeit gegenüber allen Einwohnerinnen und Einwohner sowie gegenüber allen touristischen Gästen, die aus einer andern Sprache herkommen. Aber das interessiert die Leute bei SRF nicht – nein noch schlimmer, die merken das gar nicht.


Rudolf Mohler, Oberwil



"Was meint wohl ein Bayer?"

Es wäre sicher interessant zu wissen, was zum Beispiel ein Bayer als seine Muttersprache bezeichnet. Ob er wohl auch von Primär- und Sekundärsprache spricht?


Hanspeter Berger, Basel



"Was haben die Studenten gelacht"

Ich habe über dreissig Jahren an einer einer grossen deutschen Universität unterrichtet und kann daher die Ausführungen von Frau Bühler vollauf bestätigen. Was haben die Studenten gelacht, als ich angfangs von einem von einem Kreislein statt einem Kreis-chen gesprochen oder das Wort Reihe mit einer langen ersten Silbe betont habe.

Und dann die Schwierigkeiten beim Einkaufen, wenn ich mich nach einem Bücherschaft statt nach einem Bücherregal erkundigt habe.

Schliesslich in Basel, wenn die sich für durchaus gebildet haltenden Leute fast entrüstent meinten, da müsse ich ja die ganze Zeit Deutsch reden. Und der Anwalt (nicht: Advokat!), der einem deutschen Kollegen schon allein wegen der Sprache unterlegen sei.

Hier noch ein paar Beispiele: Nüsslisalat – Feldsalat, Mais – Miasgriess, Identitätskarte – Personalausweis, Kittel – Jacke, Chemie ausgesprochen als Schemie und so weiter ...


François Fricker, Basel


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"Mit Grippe in den Notfall"

Basler Zeitung
Front-Schlagzeile
vom 8. August 2017
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Ob der Notfall die Station gefunden hat?

RückSpiegel


Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung berief sich in ihrem Bericht über die "Maulwurfjagd gegen Mitarbeiter der Basler Verkehrs-Betriebe" auf einen OnlineReports-Artikel.

Im Artikel über die Versetzung eines Kadermanns im Basler Jusitz- und Sicherheitsdepartement nimmt die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

In den BaZ-Standpunkten des Schweizer Fernsehens nennt NZZ-Medienredaktor Rainer Stadler OnlineReports als Element der Basler Medienvielfalt.

Die Basler Zeitung und die Volksstimme zogen die OnlineReports-Nachricht über den Massen-Exodus aus der Parteileitung der FDP Baselland nach.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über die Wahl von Beatriz Greuter zur neuen "Birshof"-Direktorin auf.

Barfi
nahm im Bericht über Waschbären in der Stadt Bezug auf eine OnlineReports-Reportage über Waschbären, die Toronto bevölkern.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Erstmeldung über den Tod des früheren FDP BL-Präsidenten und Untersuchungsrichters Ernst Heimann auf.

Barfi und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Schliessung des Nobel-Restaurants "Schifferhaus" auf.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrer Nachricht über die Absage von Saskia Schenker als FDP BL-Präsidentin auf OnlineReports.

Die NZZ nennt Pionier OnlineReports in ihrem Beitrag über die Finanzierung von Online-Medien.

Die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung berichteten unter Bezugnahme auf OnlineReports über die Trennung der BVB von zwei Kaderleuten.

Das OnlineReports-Interview mit dem designierten FCB-Besitzer Bernhard Burgener nahmen die Fussball-Plattform 4-4-2.com, die Basellandschaftliche Zeitung und die Schweiz am Wochenende auf.

Telebasel berief sich in seinem Bericht über die Interpellation von "Basta"-Grossrat Beat Leuthardt über den designierten FCB-Präsidenten Bernhard Burgener auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung berief sich in ihrer Meldung über Betriebs-Wegweiser-Posse auf OnlineReports.

Die Schweiz am Wochenende nahm eine OnlineReports-Story über den Gang der BVB ans Bundesgericht wegen einer Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf.

In ihrem Bericht über den Streit um die schmale Treppe im neuen Gelterkinder Hallenbad bezogen sich die Basler Zeitung und die Volksstimme auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung griff die OnlineReports-Recherche über markante bauliche Veränderungen im Nord-Teil des Basler "Dreispitz"-Areals auf.

Der schweizerbauer.ch nahm die OnlineReports-Meldung über das auf der Strasse erlegte Rind in Gelterkinden auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Gemeinderäte der direkt betroffenen Gemeinden des Leimentals – von Binningen bis Burg – befürworten übereinstimmend den Bau der Tramlinie 17 über den Margarethenstich, da diese einen "klaren Mehrwert" darstelle.

Monique Juillerat, bisher als Mitglied der Geschäftsleitung von "familea" für die externe und interne Kommunikation verantwortlich, wird ab 1. September neue Kommunikations-Verantwortliche der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion.

• Der Kanton Baselland verkauft das "Chuenimatt-Areal" der Bricks Group AG zur Realisierung des Konzeptes "Tri-innova", das eine schrittweise Entwicklung von unterschiedlich grossen Flächen für Dienstleistungs-, Labor-, Produktionsnutzungen sowie Co-working vorsieht.

Spitex Muttenz schliesst die Pflegewohnung Seminarstrasse per 30. November dieses Jahres.

• Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) verkaufen ihren Anteil an der Rheinhafen-Gesellschaft Weil am Rhein an die Stadt Weil am Rhein.

• Das Rote Kreuz Basel eröffnet am 11. August einen neuen Secondhand-Kleiderladen im Kleinbasel, konkret: am Claraplatz.

• Der 47-jährige Ökonom Michael Harr, verheiratet und Vater zweier Kinder, übernimmt ab 1. August die Geschäftsleitung der Pro Senectute beider Basel.

• Die Basler Regierung legte die Abgeltung der Staatsgarantie durch die Basler Kantonalbank (BKB) für die Jahre 2017 bis 2020 auf jährlich 8,8 Millionen Franken fest.

• Mit Datum vom 1. Juli wird die Kunstkommission für das Kunstmuseum Basel vom Rechts-Professor Felix Uhlmann präsidiert, der den langjährigen Vorsitzenden Peter Mosimann ablöst.

• Die Basler Regierung hat der Bau- und Finanzgesellschaft Zum Greifen AG den Zuschlag für Bau und den Betrieb eines neuen Quartierparkings unter dem Landhof-Areal erteilt.

• Die von der UNICEF erst kürzlich rezertifizierte "kinderfreundliche Gemeinde" Riehen gibt ihr Wissen an 40 Bürgermeister aus Südkorea weiter, die die Basler Landgemeinde besuchen.

• Da der Vereinszweck erfüllt sei, hat die Generalversammlung den "Verein Kunschti Eglisee" am 16. Juni mit 30 zu 4 Stimmen aufgelöst.

• Nationalrat Christoph Eymann, der ehemalige Vorsteher des Basler Erziehungsdepartements, wurde als neues Mitglied in den Verwaltungsrat des Karger Verlags gewählt.

• Der Kanton Basel-Stadt führt eine neue, zusammenhängende Fussgängerorientierung ein, mit der sich ortsunkundige Gäste, aber auch Einheimische in Basel künftig durch neue Stadtpläne auf Stelen besser zurechtfinden sollen.

• Die kantonale Volksinitiative "Recht auf Wohnen" wurde mit bisher 3'188 gültigen Stimmen der Basler Staatskanzlei überreicht.

• Der Therwiler Gemeindepräsident Reto Wolf löst kommenden September Elisabeth Schneider-Schneiter im Präsidium der "Starken Region Basel/Nordwestschweiz" ab.

Dominik Prétôt, der frühere CEO von Telebasel, wird per 1. Januar 2018 mit einem 50 Prozent-Pensum neuer Informations-Beauftragter der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland.