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"Kunstförderer mehrdimensional": Basler Galerist Ernst Beyeler

Nobles Urwaldtreffen im Beyeler Museum

Galerist Ernst Beyelers andere Seite – als Artenschützer für die Sache des WWF


Von Ruedi Suter


In nobler Stille und ohne Medienrummel führte Kunst- und Naturfreund Ernst Beyeler im Rahmen seiner Ausstellung "Magie der Bäume" Top-Leute des WWF und viele vermögende Bekannte aus der Basler Oberschicht zusammen. Mit der Absicht, den Damen und Herren die Bedrohung des Amazonas näherzubringen und sie reflexartig zu Checkbuch und Goldfeder greifen zu lassen, um selber mitzuhelfen, das grösste Artenschutzparadies der Erde zu retten.


"Werden die Wälder nicht geschützt, sehe ich schwarz", warnte Claude Martin, der Generaldirektor des WWF International, am Donnerstag, 11. März, nach Sonnenuntergang vor einem besonderen Publikum. Dieses setzte sich allerdings nicht aus umweltbewegten Pullover-Trägern des links-grünen Lagers zusammen. Und auch der Versammlungsort war kein Alternativ-Lokal: Claude Martin hielt seine Rede in einem Saal der Fondation Beyeler in Riehen - sinnigerweise vor Picassos Bild "Die Rettung".

Seine Zuhörerinnen und Zuhörer waren an die 100 handverlesene Personen mit bekannten Namen, vornehmlich aus der betuchten Basler Gesellschaft. Damit ist der WWF auch in der Rheinstadt endgültig salonfähig geworden. Medien waren – von OnlineReports abgesehen – keine zugegen, hingegen prominente WWF-Mitglieder wie die neue Präsidentin des Schweizer Zweigs, die ehemalige Managerin der Schweizer Rück, Carol Franklin.

Umweltanliegen mit der Kunst verbinden

Geladen hatte Ernst Beyeler. Der Kunsthändler und Museumsgründer eröffnete den Benefiz-Abend zugunsten der WWF-Projekte im Amazonas mit der Feststellung, es versuche mit dem neuen Museum bewusst "ernste Anliegen mit der Kunst zu verbinden". Deshalb der kürzliche Benefiz-Anlass zugunsten von Greenpeace und nun dieser für den WWF - immer gekoppelt mit der Sonderausstellung "Magie der Bäume".

Beyeler outete sich auch diesmal wieder als ein Mensch, dem die weltweite Zerstörung der Lebensgrundlagen so beschäftigt, dass er etwas dagegen tun muss. Der Lawinenwinter 1999 habe deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Wälder nur schon als Schutz seien, leitete Basels zurzeit aktivster Baumretter zum Amazonas über.

"Es sollte mehr Beyelers und Luc Hoffmanns geben"

"Ernst Beyelers Ideen schienen uns vom WWF vor über zehn Jahren schon radikal", erinnerte sich Claude Martin und dankte ihm für "das ganz wichtige Engagement". Und: "Es sollte mehr solche Beyelers oder Luc Hoffmanns geben. Ohne solche Leute wäre der WWF heute nirgends."

Dann beschrieb der WWF-Generaldirektor die Bedrohung der Tropenwälder, die eigentlich erst seit 1976 ernsthaft genommen werde. Zur Tropenwald-Rettung habe der WWF das grösste Waldschutzprogramm der Welt aufgebaut. Täglich nehme der Druck auf die Wälder insbesondere durch die Holzwirtschaft zu, die nach wie vor eine zentrale "Auslöserrolle" spiele: Wo im Amazonas die Holzfäller Schneisen in den Wald hauen, rücken Siedler nach.

Wenn Feuchtwälder brennen

Zudem hätten die Klimaveränderungen mit den längeren Trockenperioden einen direkten Einfluss auf die Zerstörung der Tropenwälder. Die Ausbreitung grosser Feuer in Feuchtwäldern sei ein neues Phänomen. Derartigen Einflüssen könnten keine Umweltorganisationen entgegenwirken. Martin kritisierte Boykottaktionen und sprach sich für die genaue Ortung der destruktiven Kräfte aus. Zudem müssten Verhandlungen mit Regierungen und Konzessionären geführt werden, müsse die ortsansässige Bevölkerung eingebunden und zum Widerstand gegen das illegale Abholzen motiviert werden.

Das Ziel des WWF ist eine nachhaltige Tropenwaldnutzung. Das Bemühen um direkte Kontakte zu Regierungschefs sei wider Erwarten von Erfolg gekrönt gewesen, freute sich Claude Martin. Zwölf Regierungen hätten sich unterdessen die WWF-Ziele zu eigen gemacht. Ebenso die Weltbank, die vor zehn Jahren noch ein erbitterter Gegner gewesen sei. Damit hätten sich "ungeahnte Möglichkeiten" aufgetan.

Verhandeln statt protestieren

Die Taktik des Verhandelns anstelle des Protestierens hat sich laut Martin auch in Brasilien bezahlt gemacht: Staatspräsident Cardoso stelle sich nun ebenfalls hinter die Organisation. 25 Millionen Hektaren Amazonas sind jetzt unter Dauerschutz gestellt, bis 2005 sollen es 50 Millionen Hektaren sein.

Um das dauerhafte Engagement im Amazonas finanziell langfristig abzusichern, sei für Spenden der Amazonas-Fonds gegründet worden (PK 80-470-3). Der Kampf um die letzten Regenwälder wird Claude Martin nächste Woche nach Zentralafrika bringen. In Kamerun trifft er fünf Staatschefs, um im Kongobecken ein riesiges Schutzgebiet zu realisieren. Der WWF-Chef schloss seine Ausführungen mit einem Aufruf zur Tat. Werde nichts oder zuwenig gemacht, sehe er "schwarz".

WWF zeigt Holzfällern Fälltechniken

Garo Batmanian, der Direktor des WWF Brasilien, erläuterte die vielfältige Arbeit vor Ort. So zeigen Organisationsmitglieder beispielsweise Holzfällern, wie man einen Urwaldriesen so umhaut, dass er nicht andere Bäume beschädigt. Alleine damit habe man die Schäden um 50 Prozent reduzieren und den Gewinn um 13 Prozent erhöhen können. Schliesslich verwies Batmanian auf die Wirtschaftskrise in Brasilien, welche den Spendenfluss versiegen lasse - genau das richtige Stichwort für Ernst Beyeler: "Es wäre gut, wenn da mehr Geld in solche Projekte fliesst. Ich möchte da eine Bresche schlagen und spende die Eintritte der letzten 14 Tage für die Ausstellung 'Magie der Bäume'."

Wie breit die Bresche ist, wird sich in ein paar Wochen zeigen - dann, wenn der WWF die Spendensummen aus Basel zählen kann.

12. März 1999


Ereignis-Bewertung:
Anlass: Im Sinne des globalen Denkens und lokalen Handelns dringend und wichtig. Alleine 1998 schrumpfte der brasilianische Regenwald um weitere 16 838 Quadratkilometer. Dies entspricht dreimal der Fläche des Kantons Wallis. Seit 1972 wurden 530 000 Quadratkilometer kahlgeholzt - eine Wald-Landschaft so gross wie Frankreich...
Präsentation: Informativ, professionell und musikalisch aufgelockert durch den Gitarristen José Barrense-Dias. Ein Teil der Bildprojektion über die düsteren Entwicklungen im Amazonas war mühsam zum Gucken, da zuwenig abgedunkelt worden war.
Versäumt: Bei den Vorträgen zur Bedrohung und zu den Rettungsmassnahmen in Sachen Amazonas wurde einmal mehr das Hauptgewicht auf die Bäume, Tiere und Artenvielfalt gelegt, derweil die in und von den Wäldern lebenden, ebenso bedrohten Urvölker nur gerade mit einem Satz gestreift wurden.
Ambiance: Gediegen. Und gelöst, obwohl viele Vertreterinnen und Vertreter der Chemie mit Leuten aus der aktiven Umweltschutzszene zusammen waren. So bot sich im Kunstmuseum auch die seltene Gelegenheit, gegenseitig noch vielleicht vorhandene Feindbilder zu übermalen.
Besonderes: "Ordnungskräfte" der Fondation Beyeler sorgten sich rührend darum, dass die Gäste an keine Gemälde stiessen. Grund: Das Auslösen der Alarmanlagen hätte auch den Einsatz einer schwerbewaffneten Polizeieinheit zur Folge haben können.
Gastgeber: Souverän, engagiert, ein Mann zum Anfassen.
Mit nach Hause genommen: Das Gefühl, auch mit persönlichem Einsatz noch etwas zur Rettung des Amazonas beitragen zu können. Und die Hoffnung, das die 85 Prozent der ursprünglichen, noch weitgehend intakten Amazonaswälder mit ihren Menschen und Tieren überleben können - sofern das masslose und wilde Abholzen gestoppt wird.

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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Da die Prämien der obligatorischen Krankenversicherung in Basel-Stadt im kommenden Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent ansteigen, passt die Regierung die Prämienbeiträge des Kantons für Haushalte mit bescheidenem Einkommen im gleichen Umfang an.

• Für den 9. Basler Pop-Preis sind folgende Bands nominiert: Alma Negra (Electronic World Music, Basel), Audio Dope (Electronic Music, Basel), Schammasch (Avantgarde Metal, Liestal), We Invented Paris (Indie-Pop, Liestal) und
Zeal & Ardor (Black Metal/Gospel, Basel.

• Weil sich FDP und SVP nicht auf eine gemeinsame Kandidatur für die Ersatzwahl in den Stadtrat von Liestal einigen konnten und "alle offiziell Kandidierenden wählbar" sind, verzichtet die CVP auf eine Wahlempfehlung.

• Die Wettbewerbs-Kommission hat entschieden, den geplanten Zusammenschluss zwischen dem Universitätsspital Basel und dem Kantonsspital Baselland ohne Auflagen zu genehmigen.

Endress+Hauser übernimmt die deutsche IMKO Micromodultechnik GmbH mit Sitz in Ettlingen, einen Hersteller innovativer Systeme zur Feuchtemessung, und beschäftigt die 19 Mitarbeitenden weiter.

• Verhaftet wurde ein 25-jähriger Spanier, der dringend verdächtigt wird, am 10. September eine Frau im Basler Erlenmattquartier vergewaltigt zu haben.

• Bei der Einreise von Frankreich nach Basel wurde ein etwa 50-jähriger Bulgare erwischt, der 800 Gramm Kokain mit sich führte.

• Die 57-jährige Juristin und frühere Leiterin der Basler Sozialhilfe Nicole Wagner wird Mitglied der Stiftung Habitat, wo sie die zurücktretende Beatrice Oeri ersetzt. 

• Nachdem im Baselbiet die Initiative zum Ausbau des Hochleistungsstrassennetzes rechtsgültig zustande gekommen ist, hat sich das Initiativekomitee aufgrund der laufenden Arbeiten zu einem allfälligen Gegenvorschlag mit einer Unterbrechung der Behandlungsfrist bis maximal 30. September 2019 einverstanden erklärt.

• Die Baselbieter Apotheken dürfen neu – mit Auflagen – nicht nur Grippe-Impfungen, sondern auch weitere Impfungen und Folge-Impfungen durchführen.

• Ab 9. September ist die Umfahrung Liestal im Bereich des Ergolzviadukts wieder ohne Einschränkungen befahrbar.

• Der Kanton Basel-Stadt rechnet für das Jahr 2018 mit einem Budgetüberschuss von 138 Millionen Franken.

Gottlieb Keller, Mitglied der Konzernleitung und Chefjustitiar der Hoffmann-La Roche, hat in der Deutschen Botschaft in Bern das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

• Die Fraktion "Grünes Bündnis" des Bürgergemeinderats Basel nominierte Brigitta Gerber einstimmig für das Amt als Bürgerrätin.

• Den städtebaulichen Wettbewerb zur Bebauung des Felix Platter-Areals in Basel hat das Team Enzmann Fischer Partner AG / Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH gewonnen.

• Die Gemeinderäte der direkt betroffenen Gemeinden des Leimentals – von Binningen bis Burg – befürworten übereinstimmend den Bau der Tramlinie 17 über den Margarethenstich, da diese einen "klaren Mehrwert" darstelle.

Monique Juillerat, bisher als Mitglied der Geschäftsleitung von "familea" für die externe und interne Kommunikation verantwortlich, wird ab 1. September neue Kommunikations-Verantwortliche der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion.

• Der Kanton Baselland verkauft das "Chuenimatt-Areal" der Bricks Group AG zur Realisierung des Konzeptes "Tri-innova", das eine schrittweise Entwicklung von unterschiedlich grossen Flächen für Dienstleistungs-, Labor-, Produktionsnutzungen sowie Co-working vorsieht.

Spitex Muttenz schliesst die Pflegewohnung Seminarstrasse per 30. November dieses Jahres.

• Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) verkaufen ihren Anteil an der Rheinhafen-Gesellschaft Weil am Rhein an die Stadt Weil am Rhein.

• Das Rote Kreuz Basel eröffnet am 11. August einen neuen Secondhand-Kleiderladen im Kleinbasel, konkret: am Claraplatz.

• Der 47-jährige Ökonom Michael Harr, verheiratet und Vater zweier Kinder, übernimmt ab 1. August die Geschäftsleitung der Pro Senectute beider Basel.

• Die Basler Regierung legte die Abgeltung der Staatsgarantie durch die Basler Kantonalbank (BKB) für die Jahre 2017 bis 2020 auf jährlich 8,8 Millionen Franken fest.

• Mit Datum vom 1. Juli wird die Kunstkommission für das Kunstmuseum Basel vom Rechts-Professor Felix Uhlmann präsidiert, der den langjährigen Vorsitzenden Peter Mosimann ablöst.

• Die Basler Regierung hat der Bau- und Finanzgesellschaft Zum Greifen AG den Zuschlag für Bau und den Betrieb eines neuen Quartierparkings unter dem Landhof-Areal erteilt.

• Die von der UNICEF erst kürzlich rezertifizierte "kinderfreundliche Gemeinde" Riehen gibt ihr Wissen an 40 Bürgermeister aus Südkorea weiter, die die Basler Landgemeinde besuchen.

• Da der Vereinszweck erfüllt sei, hat die Generalversammlung den "Verein Kunschti Eglisee" am 16. Juni mit 30 zu 4 Stimmen aufgelöst.

• Nationalrat Christoph Eymann, der ehemalige Vorsteher des Basler Erziehungsdepartements, wurde als neues Mitglied in den Verwaltungsrat des Karger Verlags gewählt.

• Der Kanton Basel-Stadt führt eine neue, zusammenhängende Fussgängerorientierung ein, mit der sich ortsunkundige Gäste, aber auch Einheimische in Basel künftig durch neue Stadtpläne auf Stelen besser zurechtfinden sollen.

• Die kantonale Volksinitiative "Recht auf Wohnen" wurde mit bisher 3'188 gültigen Stimmen der Basler Staatskanzlei überreicht.

• Der Therwiler Gemeindepräsident Reto Wolf löst kommenden September Elisabeth Schneider-Schneiter im Präsidium der "Starken Region Basel/Nordwestschweiz" ab.

Dominik Prétôt, der frühere CEO von Telebasel, wird per 1. Januar 2018 mit einem 50 Prozent-Pensum neuer Informations-Beauftragter der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland.