© Foto by Kunstmuseum Basel
"Einziger Freund und Mitkämpfer": Müller-Werk "Alphütten (Frauenkirch)"

Von Müller zu Kirchner – ein Fest des Expressionismus

Kunstmuseum, Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Fondation Beyeler und Museum Tinguely: Neue Ausstellungen in Basel


Von Aurel Schmidt


Das Kunstmuseum kann nicht permanent alle seine Kunstschätze zeigen. Vieles lagert im Depot. Deshalb werden von Zeit zu Zeit aus den Beständen kleine Sonderausstellungen zusammengestellt wie jetzt zu Albert Müller. Auch sonst ist in Basel zur Zeit viel los in der Kunst.


Der Basler Albert Müller war eines der eminenten Mitglieder der expressionistischen Familie. Er wurde 1897 geboren und setzte sich zunächst mit der dunkeltonigen Malerei in Basel (Donzé, Barth, Lüscher) oder gegen sie auseinander und stand später unter dem Einfluss von Louis Moilliet und Edvard Munch ("Selbstbildnis in Dreiviertelfigur", 1923). Er lebte im Tessin, wo grossartige Landschaftsbilder des Mendrisiottos entstanden.
 
Die Ausstellung Ernst Ludwig Kirchner 1923 in der Basler Kunsthalle war ein Wendepunkt, und der Einfluss des grossen deutschen Expressionisten, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, prägte seinen Stil ("Frau & Mädchen", 1924): Schnelle, heftige Striche in den Zeichnungen und mit dem Pinsel, klare Farbakzente in den Gemälden. Mehrmals hielt sich Müller in Davos bei Kirchner auf, wo beide malten und viel zeichneten – siehe "Alphütten (Frauenkirch)", 1926, Bild oben. Zusammen mit Hermann Scherrer und Paul Camenisch gründete Müller in der Silvesternacht 1924 die Künstlergruppe Rot-Blau (so genannt wegen der beiden dominierenden Farben), deren Ziel es vor allem war, die Interessen der Basler Künstler zu vertreten.

Ernst Ludwig Kirchners Menschenbild

Als Müller mit 1926 mit nur 29 Jahren starb, klagte Kirchner: "Mein einziger, mein guter Freund, ist gestorben." Er betrachtete Müller als "Mitkämpfer für die neue Kunst", womit er den Expressionismus als Stil der unruhigen, nervösen zwanziger Jahre meinte.

Das Kunstmuseum hat bereits 1925 die "Grosse Tessinerlandschaft" angekauft und seither seine Gruppe von Werken Müllers ständig erweitern können, zuletzt durch das Legat Georges und Mirjam Kinzel 2008. Sie ist es, die den Anstoss zu der Sonderausstellung gegeben hat, die Christian Müller und Gundula Metze im Zwischengeschoss eingerichtet haben. Es ist die erste Müller gewidmete monografische Ausstellung in Basel seit der für ihn eingerichteten Gedächtnisausstellung im Jahr 1927.
 
Wer Müller sagt und an Kirchner denkt (was ein beinahe zwingender Reflex ist), dem bietet sich zur Zeit die einmalige Gelegenheit, eine grandiose Auswahl von 50 Zeichnungen Kirchners zu besuchen. Die Galerie Henze & Ketterer & Triebold in Riehen stellt solche Zeichnungen aus, in denen sich der Künstler zwischen 1909 und 1936 mit dem Menschenbild auseinandergesetzt hat, mit Portraits und Akten. Kirchner verwendet Bleistift, Kohle und Feder. Die "Viertelstundenakte" waren ein Versuch und eine Methode, um die Flüchtigkeit des Augenblicks und der Bewegung des Körpers einzufangen. Es musste alles schnell gehen. Der Strich eilt über das Papier, manchmal wie mit geschlossenen Augen. Konturen müssen ausreichen, für Fläche, Raum oder Volumen bleibt keine Zeit. Allenfalls müssen Schraffur und Kringel aushelfen. Das Huschende des Strichs entspricht der Hektik der Grossstadt (der Expressionismus kommt aus dem Leben in den Metropolen).

Auf Anhieb, in einem Wurf

Man könnte von Kirchners (und Müllers) Zeichnungen sagen, dass sie nicht denken, abwägen, überlegen, korrigieren, sondern fliessen und gleiten, suchend, ohne Einschränkung. Die sozusagen zeichnen lassen, auf der Spur des sich bewegenden Modells oder hinter ihm her.

Kirchner verwendete für seinen Zeichnungsstil den Begriff der "Hieroglyphe" (dazu steht in der Begleitpublikation der Galerie einiges). Man könnte aber auch an die zen-buddhistische Zeichnung denken, die im Augenblick höchster Konzentration auf Anhieb, in einem Wurf, herausgeschleudert wird.

Dschungellandschaften und Fasnachtssujets

Roman Norbert Ketterer entdeckte 1946 den von den Nationalsozialisten verfemten Expressionismus. Seither hat er und haben sich seine Familienangehörigen neben zeitgenössischer und expressionistischer Kunst in besonderer Weise des Werks von Kirchner angenommen. Der Nachlass des Künstlers wird heute von der Galerie Henze & Ketterer in Wichtrach betreut. Vernissage in Riehen ist morgen Samstag – wenn zugleich in der nahe gelegenen Fondation Beyeler die grosse Ausstellung mit Werken des naiven Malers Henri Rousseau (1844-1919) mit unter anderem phantastische Dschungellandschaften eröffnet wird.

Zu sehen ist im Moment im Museum Tinguely auch die Ausstellung "Fasnacht & Kunst & Tinguely", eine Hommage an die Fasnacht aus Anlass des 100. Geburtstags des Fasnachts-Comités. Der Fasnächtler Jean Tinguely und Joseph Beuys, dessen "Feuerstätte" 1978 zum Sujet auserkoren wurde, bilden den Rahmen, im Zentrum stehen Laternen von Basler Künstlers. Die Fasnacht hat immer wieder "kreative Eruptionen" (Kurator Andres Pardey) hervorgerufen. Einerseits war Kunst wiederholt ein beliebtes Thema, andererseits haben sich viele Basler Künstler als Laternenmaler betätigt.

Nächste Woche mehr an dieser Stelle, wenn das Museum Tinguely seine Ausstellung "Le Mouvement. Vom Kino zur Kinetik" eröffnet.

Kunstmuseum Basel: Albert Müller. Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen und Druckgraphik. Bis 9. Mai.
Galerie Henze & Ketterer & Triebold, Riehen: Kirchner der Zeichner. Am Beispiel seines Menschenbildes 1909-1936. Vernissage 6. Februar 12-19 Uhr. Bis 10. April.
Fondation Beyeler, Riehen: Henri Rousseau. Vernissage 6. Februar. 7. Februar bis 9. Mai.
Museum Tinguely, Basel: Fasnacht & Kunst & Tinguely. Bis 16. Mai.

5. Februar 2010


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.