© Foto by Roche
"Symbolischer Ort des Wohlbefindens": Baum der Erkenntnis im Garten Eden

Ein Besuch bei Roche wird zum Besuch bei sich selbst

Der Basler Pharmakonzern lässt an seiner Expo-Präsentation in Yverdon auch kritische Fragen zu


Von Peter Knechtli


Unter den Grossunternehmen, die sich an der Expo.02 präsentieren werden, ist der Basler Pharmakonzern Hoffmann-La Roche. Auf der Arteplage in Yverdon wirft er in einem mit Millionenaufwand entworfenen fiktiven Garten Eden grundsätzliche Fragen zu Gesundheit, Medizin und Eigenverantwortung auf.


Der Mythos Gesundheit beschäftigt die Menschen von der Geburt bis zum Tod - und darüber hinaus. In diesem Spannungsbogen steht auch ein Beitrag des Pharmaunternehmens Hoffmann-La Roche im Rahmen der Landesausstellung Expo.02, die vom 15. Mai bis 20. Oktober stattfindet. "Garten Eden - Faszination Gesundheit", heisst die Präsentation von Roche auf der Arteplage Yverdon-les-Bains. Das Motto "Faszination Gesundheit" soll "den Bezug zwischen dem heutigen Wissensstand über die Gesundheit und dem persönlichen Verhalten" herstellen.

Interaktive und multimediale Vermittlung

Den Garten Eden, diesem magischen wie mythischen Ort, nach dem sich die Menschen seit der Vertreibung aus dem Paradies sehnen, will Roche nicht in plumper Art zur Produkte-Propaganda nutzen. Vielmehr ist der "Erlebnisraum" um den zentralen acht Meter hohen und durch einen zylindrischen Spiegel projizierten "Baum der Erkenntnis" auf einer Fläche von 600 Quadratmetern laut eigener Einschätzung "ein symbolischer Ort des Wohlbefindens, des heilen und gesunden Lebens, der erträglichen Leichtigkeit des Seins". Die teils interaktive und multimedial konzipierte Präsentation in einem zweistöckigen, halbkreisförmigen und rollstuhlgängigen Pavillon verbindet reale und virtuelle Landschaften zu einem überraschenden und amüsanten Kosmos.

Den Besucherinnen und Besuchern biete sich die "Gelegenheit, eine Brücke vom heutigen Wissen über Gesundheit und Krankheit zum persönlichen Verhalten zu schlagen". Es soll dabei die Botschaft vermittelt werden, "dass Gesundheit relativ ist und als eine Aufgabe verstanden werden soll, die immer wieder neu gelöst werden will".

Eigenverantwortliches Handeln fördern

Die Ausstellung rückt das Individuum in den Vordergrund und regt dazu an, die gewonnenen Erkenntnisse in eigenverantwortliches Handeln umzusetzen. Der Erlebnis- und Nachdenkplatz am Südende des Neuenburgersees stellt auch philosophische und kritische Fragen - etwa nach den Kräften und Mechanismen, die Gesundheit beeinflussen, nach dem nicht nur materiellen Preis, den wir für unsere Gesundheit zu zahlen bereit sind, oder gar nach dem grundsätzlichen Wert einer Verlängerung des menschlichen Lebens. Nach Roche-Angaben ist die Ausstellung so konzipiert, dass das Individuum im Vordergrund steht und die Anregung entsteht, "die gewonnenen Erkenntnisse in eigenverantwortliches Handeln umzusetzen".

In verschiedenen Segmenten rund um den "Baum der Erkenntnis" werden die Bedeutung von Umwelt, genetischen Faktoren, Gesundheitssystem und Lebensstil anhand häufiger Krankheiten wie Grippe, Osteoporose, Übergewicht, Diabetes oder Herzerkrankungen erläutert. Sei es im "Garten der Sinne", im "Gene House" oder im "Health Kiosk" - überall im kontemporären Garten Eden findet das Publikum die vielfältigsten Aspekte und Facetten zum Thema Gesundheit, das uns unser Leben lang selbst gestalterisch begleiten sollte. Der Besuch der Roche-Präsentation soll ein Besuch bei sich selbst werden. Spielerisch, sinnlich und interaktiv soll sich der phantasiereich gestaltete Parcours präsentieren, der am Dienstag den Medien teils noch in Form einer Baustelle vorgestellt wurde.

Kein Platz für Produkte-Promotion

15 Millionen Franken lässt sich der Pharmakonzern seinen Auftritt kosten, den er schon im Dezember 1999 mit der Expo-Leitung vertraglich ab- und zusicherte. Laut Projektleiterin Katja Prowald ist keineswegs die Absicht, eine Begehrlichkeits-Schau oder eine Produkte-Promotion zu inszenieren. Einzig im Eingangsbereich des Pavillons weist ein Schild darauf hin, dass Roche diese Präsentation finanziert und ermöglicht hat. Vom Garten Eden verspreche sich Roche, "als Schweizer Unternehmen an der Expo präsent zu sein und das Thema Gesundheit attraktiv zu präsentieren". Auf die Frage, ob sich die Bewusstseins-Lektion im Garten der Lüste nicht negativ auf den Medikamentenabsatz auswirken könne, erklärte Katja Prowald: "Wir wollen den Besuchern zeigen, was in der Medizin an Wissen und technische Möglichkeiten vorhanden ist. Es dann jedem Einzelnen überlassen, daraus die eigenen Schlüsse zu ziehen."

Nach fünf Ausstellungsmonaten wird der Garten Eden, gestalterisch umgesetzt durch die Pariser Ausstellungsspezialisten Arc-en-scène unter der Leitung von Hélène Robert und Anne Carles, wieder abgebaut. Katja Prowald will nicht ausschliessen, dass daraus einzelne Stücke wie ein begehbares Chromosom den Weg ins Museum finden werden. Mit einzelnen Interessenten seien bereits Gespräche geführt worden. So wird wenigstens ein Teil des Paradieses von Yverdon Ewigkeitswert erlangen.

12. März 2002


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