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Ormalingen erhält zweites Bio-Kraftwerk der Region

Nach Pratteln erhält jetzt auch die Oberbaselbieter Gemeinde Ormalingen ein Bio-Kraftwerk: Heute Freitagabend war offizieller Baubeginn. Bauherrin ist die Biopower AG.
Ormalingen, 23. Mai 2008

Schon kommenden Oktober soll auf dem Maloya-Gelände in Betrieb gehen, was Bauherren, Behörden und Betreiber heute mit dem Spatenstich formell in Gang setzten: Den Bau eines zweiten Bio-Reaktors in einer Halle der ehemaligen Pneufabrik. Geplant ist ein Bio-Kraftwerk, das jährlich über 5'000 Tonnen Rinderjauche von drei landwirtschaftlichen Grossbetrieben in Gelterkinden und Ormalingen sowie biologisch abbaubare Abfälle aus Haushaltungen, Rüst- und Speiseabfälle aus Grossküchen und Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie vergärt und verwertet.

Betrieb in der Hand von drei Bauern

Im Gegensatz zur Anlage in Pratteln, die als Endprodukt Kompost produziert, resultiert aus dem Ormalinger Kraftwerk hochwertige Düng-Gülle. Das bei der Vergärung entstehende Methangas versorgt 450 umliegende Haushalte mit Strom und 130 Haushalte mit Wärme für Heizung und Warmwasseraufbereitung. Betrieben wird die Anlage von den drei Bauern aus den beiden Zulieferbetrieben. Bauer Felix Rieder, einer der Betreiber, sprach gegenüber OnlineReports von einer "Marktlücke". Grund: Der massive Zuwachs an landwirtschaftlichen Produktionsflächen in den ehemaligen Sowjetrepubliken und insbesondere in China führe zu einer Dünger-Verknappung, was die Preise massiv in die Höhe treibe.

Der Anlage-Bau hatte sich aus verschiedenen Gründen - wie Behördenauflagen und Anwohner-Beschwerden um zwei Jahre verzögert. Die Kosten, ursprünglich auf 1,5 Millionen Franken geschätzt, belaufen sich nach heutigen Berechnungen auf 3,5 Millionen Franken.

Weitere Anlagen geplant

Bauherrin der Ormalinger Anlage ist die Biopower Nordwestschweiz AG, ein Joint Venture von Elektra Baselland (EBL) und der Industriellen Werke Basel (IWB), die beide mit 37,5 Prozent beteiligt sind, sowie der Elektra Birseck (EBM), die derzeit mit 25 Prozent partizipiert. Es ist in einem nächsten Schritt vorgesehen, alle Partner zu einem Drittel paritätisch zu beteiligen.

Die Biopower AG betreibt schon in Pratteln eine Anlage, die jährlich 15'000 Tonnen Grüngut verwertet. Weitere Anlagen sind in Liesberg, Liestal und im Fricktal geplant. Noch nicht genau geregelt ist die Grüngut-Beschaffung. Verhandlungen mit dem Oberbaselbieter Abfallverband sind im Gange. "Umliegende Gemeinden", so Geschäftsführer Mike Keller, sollen "ins Boot geholt werden".

Aus Gülle wird Gold

An der heutigen Spatenstichfeier sprach Verwaltungsratspräsident Beat Andrist von einem "wichtigen Meilenstein in der Verfolgung des Ziels, Biomasse in der ganzen Region flächendeckend zu verwerten". Den Sinn des kostendeckenden Projekts erklärte er mit der CO2-Neutralität der Energiegewinnung sowie mit der wachsenden Konkurrenzfähigkeit von Bio-Energie angesichts massiv steigender Erdölpreise. Landratspräsidentin Esther Maag lobte die projektierte Anlage als ein "Grossprojekt, das seiner Zeit voraus ist". Der Ertrag aus der naturschonenden Verwertung von Mist und Abfall sei "für alle Gold wert". Alberto Isenburg, Leiter des Amtes für Umweltschutz und Energie, überbrachte die Grüsse des Kantons.

Bild, von links: Andreas Itin (knftiger Anlagebetreiber), Markus Sichler (Anlagenbau Eisenmann), Beat Andrist (Verwaltungsratspräsident Biopower), Fredy Schaer (Projektleiter Biopower) Mike Keller (Geschäftsführer Biopower)



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