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"Das Gute bleibt verborgen": BVB-Bus verdeckt Confiserie Bachmann

Die Zähmung des Centralbahnplatzes weckt neue Hoffnungen

Der knapper gewordene Raum für die Nutzer des Centralbahnplatzes zwingt zu raschen Verbesserungen


Von Ruedi Suter


Basels wildester Verkehrsknotenpunkt, der Centralbahnplatz, soll gezähmt werden: Ab Herbst werden der Öffentliche Verkehr und Taxis sauber getrennt sein. Dies sieht ein neues Verkehrskonzept vor. Ob damit alle Probleme gelöst werden, ist noch offen, wie die unglückliche Situation einer bekannten Confiserie zeigt.


Der Patron ist sich für keine Arbeit zu schade: Er fährt den blauen Lieferwagen, er schleppt Kisten, er bringt, wenn seine tüchtigen Servierdamen dem Ansturm der Kundschaft nicht mehr bewältigen, das Gipfeli höchstpersönlich an den Tisch und merkt instinktiv, wenn ein Gast nach der nächsten seiner berühmten Kaffeeportionen lechzt. Kaum je werden in seinem Reich Gäste der Folter des Wartens ausgesetzt: Schwupps – und schon schweben die trink- oder essbaren Köstlichkeiten auf den silbernen Tabletten heran.

Gregor Bachmann, Herr über drei gut laufende Confiserien an der Schifflände, in der Gerbergasse und am Centralbahnplatz, kennt weder Rast noch Ruhe, wenn es um das Wohl seiner Gäste und seiner Geschäfte geht. Er ist ein Patron der guten alten Schule, die persönlich Verantwortung trägt und auch schon mal lauthals schimpft, falls etwas nicht ganz rund läuft – egal, ob die Gäste die Schelte mithören oder nicht. Die verzeihen gerne, geht es doch auch um ihr Wohlbefinden.

Busse versperren Blick auf Geschäft

Um dieses Wohlbefinden allerdings ringt Gregor Bachmann in seiner Filiale beim Centralbahnplatz seit einiger Zeit mit dosierten Anflügen der Verzweiflung. Denn während und seit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes ist seinen Beobachtungen nach die Zahl der Passanten und Neukunden empfindlich eingebrochen. Der Grund: Seine schräg gegenüber dem Bahnhof lockende Filiale mit Tea-Room und Confiserie verschwindet jeden Tag während Stunden aus dem Blickfeld jener, die aus dem Bahnhof treten und etwas Leckeres trinken oder essen möchten.

Statt dessen prallen ihre Blicke an den froschgrünen Bussen der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) ab oder werden von deren Werbesujets (Bild) in den Bann gezogen. Das Gute dahinter jedoch bleibe zum Leidwesen aller verborgen. "Wir haben hier 13 Stunden geöffnet, aber während rund 6 Stunden versperren die Busse der Linie 30 unser Geschäft", schilderte uns Gregor Bachmann die Situation. Mit den Bussen erleide er Einbussen – ein Problem, das auch die BVB nicht klein reden wolle.

Neues gegen das Gewirr auf dem Centralbahnplatz

Auf den erwogenen Gang zum Rechtsanwalt will Geschäftsmann Bachmann aber vorerst verzichten. Denn unterdessen tut sich etwas bei dem seit seiner Eröffnung anno 2002 unter Dauerkritik stehenden Platz. Dem wildesten Knotenpunkt Basels, auf dem sich unzählige Fussgänger und Fahrer von Trams und Taxis, Bussen und Fahrrädern angeblich oft nur mit Zittern und etwas Glück durchschlagen, soll ein neues Verkehrskonzept verpasst werden.

Ziel ist eine Entschärfung und Verbesserung der Situation. Martin Weibel, Leiter Mobilitätslenkung im zuständigen Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, begründet die anvisierten Änderungen mit der allgemeinen Verkehrszunahme der Pendlerströme und den wachsenden "gegenseitigen Behinderungen" von Öffentlichem Verkehr (ÖV) und Taxitransport: "Die vorhandenen Platzverhältnisse für die Nutzer des Centralbahnplatzes genügen den Anforderungen nicht mehr – Optimierungsmassnahmen sind notwendig."

Taxistandplatz wird in den Osten verlegt

Über diese wurde am vergangenen Mittwoch informiert. Geladen waren keine Medien, aber sonst alle, die irgendwie mit dem Bahnhofplatz etwas zu tun haben – von den Verkehrsteilnehmern über Geschäfte und Hotels bis zur SBB und Basel Tourismus. Was sie zu hören bekamen, bekam im nachhinein OnlineReports von Martin Weibel zu hören: Die westliche Seite des Centralbahnplatzes (Richtung Markthalle) soll in Zukunft nur noch dem ÖV gehören und durch Tram und Busse befahren werden, wohingegen alle Taxistandplätze in den Osten (Richtung Postzentrum) verlegt werden sollen, was im Bahnhofgebäude klar signalisiert würde.

Im Westen, wo bislang die meisten Taxis standen, ist neu eine Bushaltestelle geplant. "Das neue System führt zu einer Entflechtung zum Wohle aller", gibt sich Weibel felsenfest überzeugt. Nicht unbegründet, kann er doch Erfahrungswerte auf den Tisch legen: Das vorgeschlagene Verkehrskonzept hat seine erste Feuertaufe bereits erfolgreich bestanden. Und zwar einen Monat lang, mit erst noch verstärktem Tram- und Taxiverkehr – während der Fussball-"Euro 08".

"In Basel gibt es die freie Taxiwahl"


An der Informationsveranstaltung, bei der Martin Weibel "kein Frohlocken" erwartete, hätten sich vor allem ein paar Taxichauffeure echauffiert. Sie befürchteten Einnahmeeinbussen und den Verlust des Rechts, als vorderster Wagen zwingend die nächsten Kunden einladen zu können.

Ein Trugschluss, stellt der Beamte klar: "In Basel gibt es laut Gesetz freie Taxiwahl. Als Kunde darf ich den Fahrer und Wagen wählen, der mir gefällt." Am neuen Taxistandplatz rechts vom östlichen Hauptausgang werde bei den Taxianbietern der "freie Markt mit gutem Service" das Rennen machen.

Ab Herbst greift das neue Verkehrskonzept

Die nächsten Schritte in Sachen Centralbahnplatz sind das Sammeln von weiteren Anliegen und Einwänden und die Information der Bevölkerung. "Die Änderungen werden nicht in den nächsten Wochen umgesetzt", versichert der Leiter der Mobilitätslenkung. Aber im Herbst dürfte das Treiben auf Basels Centralbahnplatz etwas besser gezähmt sein.

Ob von dann an auch wieder freie Sicht auf die Torten, Pralinen und Silserli der Confiserie Bachmann garantiert ist, kann Martin Weibel nicht garantieren. "Die BVB – sie betreibt die Bushaltestelle – wird neue Lösungen anstreben. Voraussichtlich wird die Haltestelle nicht aufgehoben, aber mit anderen Intervallen die Wartezeiten vor dem Café verringert." Was Gregor Bachmann, der geprüfte Confiseur, zu dieser Halblösung meint, konnte zurzeit leider nicht ermittelt werden. Der Patron erlebt gerade den Ausnahmezustand – er zwingt sich zu ein paar Tagen Ferien.

21. März 2009


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"Bus-Verkehr in der Hauptkampfzeit"

Es ist nicht einzusehen warum der 30er-Bus seine Fahrgäste in recht rüder Fahrweise bis fast in den Bahnhof chauffieren muss, wo doch jeder Tram-Fahrgast in den hinteren Waggons den doppelten Weg ins Bahnhofsgebäude hat. Wer sich einmal zum UBS-Bankomaten an den wartenden Fahrgästen vorbeigedrängt hat, fragt sich, wo die Platzfülle denn hier geblieben sein mag. Wenn dann zur Hauptkampfzeit der Flughafen-Bus den Wendekreis befährt, der 30er-Bus gemütlich parkiert, der nächste 30er schon herbeischiesst, zwei Taxis direkt vor dem Bahnhof Fahrgäste ausladen (und ein wenig auf Neue hoffen), das 8er-Trams darauf wartet dass der 11er endlich Platz macht und noch ein Schwall Pendler aus dem IC aus Zürich eben jenes 8er-Tram noch erwischen mögen, dann braucht es gute Reflexe von allen Beteiligten. Ein Kompliment an alle Beteiligten dass nicht mehr passiert.

 

Das grösste Problem sind auf diesem Platz nicht einmal undisziplinierte Taxis oder anarchistische Fussgänger sondern die (zu) vielen Busse der BVB. Sie bringen das Fass zum überquellen. Trams Ja - Busse Nein.


Boris Ziegler, Bubendorf




"Bitte Lösungen, die diesen Namen verdienen"

Der verstellte Blick auf die Confiserie ist sicherlich nicht das grösste Problem, sondern die unsäglichen Warte-, Aus- und Einsteigebedingungen. Aber: Lese ich richtig? Beim Westportal des Bahnhofs soll anstelle der Taxistandplätze eine Bushaltestelle errichtet werden. Und doch erwägt die BVB, die jetzige Haltestelle des Bus 30 teilweise beizubehalten. Eine Beruhigung auf dem Bahnhofplatz würde gut tun. Aber bitte mit Lösungen, die diesen Namen verdienen.

 

Das Argument, die Konflikte auf dem Bahnhofsplatz sei auf die allgemeine Verkehrszunahme zurückzuführen, mutet etwas blauäugig an. Dass diese zunehmen werden, ist längst bekannt, schliesslich wird die Förderung des ÖV seit Jahren propagiert. Von Anfang an war klar, dass das prämierte Ausführungsprojekt die Anforderungen nicht meistern kann. Die neue Generation von zuständigen Verantwortlichen muss jetzt die Suppe - möglichst kreativ - auslöffeln, welche die früheren Entscheidungsträger eingebrockt haben.


Matthias Bürgin, Raumplaner, Basel




"Die Schreibtischtäter zähmen!"

Ich denke, dass es weniger darum geht, den "Centralbahnplatz zu zähmen" - wie lässt sich ein Platz zähmen? - als die planenden Schreibtischtäter. Und die mögen bitte vor lauter Gipfeli und Taxis die Fussgängerinnen und Fussgänger nicht vergessen. Zur Erinnerung einen Fasnachtsvers, der die Sache folgendermassen auf den Punkt brachte: "BAHNHOFPLATZ = FUSSGÄNGERHATZ"!


Beatrice Alder, Basel



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