Sarah Bühler: "Und übrigens ..."

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Sarkozy und Obelix bei den Galliern

In einem Taxi in Strasbourg hörte ich vergangene Woche per Zufall eine Ansprache von Manuel Valls, dem Premierminister der französischen Republik. Er hielt sich gerade in Dakar auf und sagte ungefähr folgendes: "Wenn wir Franzosen sind, dann nicht auf Grund unserer Herkunft, unserer Religion oder Hautfarbe. Wir sind es einfach, weil wir eine Geschichte teilen." C'est tout simplement parce qu'il y a une histoire que nous partageons. Die Stärke Frankreichs sei seine Vielfältigkeit, seine Offenheit, seine "Liebe für Werte, die zutiefst universell bleiben."

Warum fühlt sich Valls ausgerechnet jetzt berufen, so grundlegend – fast plump! – über die französische Identität zu sprechen? Schliesslich stehen weder Wahlen noch Abstimmungen unmittelbar bevor und die Grande Nation wurde in den vergangenen Tagen (zum Glück) auch von keiner grossen Katastrophe heimgesucht, die eine derartige Rhetorik rechtfertigte.

Die Erschütterung, die Frankreich erfasst hatte – so der Taxifahrer nordafrikanischer Herkunft –, war ganz anderer Art: Der Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy will auch am rechten Rand fischen und hatte wenige Tage davor verlauten lassen, dass "in dem Moment, in dem jemand Franzose wird, die Gallier und Vercingetorix seine Vorfahren sind."


"Der Gallier-Ursprungsmythos ist nicht lustig,
sondern brandgefährlich."


W
enn es Sarkozy nicht so ernst wäre, diente das als guter Scherz. Le petit Nicolas, der als neuer Asterix einen Zaubertrank hat und mit dem kleinen Finger alle bösen Eindringlinge aus den Sandalen und zurück in ihre Herkunftsländer hauen kann. Der Gallier-Ursprungsmythos ist aber nicht lustig, sondern brandgefährlich. Er suggeriert nämlich eine biologistische Zusammengehörigkeit, die "Fremde" – Franzosen mit dunkler Hautfarbe beispielsweise – kategorisch ausschliesst.

"Die Franzosen" ausschliesslich auf "die Gallier" zurückzuführen ist auch aus historischer Sicht völlig absurd. Zahlreiche Althistoriker haben das in Zeitungen und Fernsehsendungen dem Land schnell erklären können. Sarkozy hat darauf reagiert und "die französischen Vorfahren" inzwischen grosszügig ausgeweitet auf die französischen Könige, die Aufklärer, die grossen Republikaner, Napoleon – und die Senegalschützen. Franzose zu sein, "c’est hériter et s’approprier cette grande histoire de France, notre Histoire, notre roman national".

An die Stelle der gemeinsamen Natur tritt hier die Idee einer gemeinsamen, heroischen, ungebrochenen Geschichte. Das Argument "es war bei uns schon immer so" ist aber genauso wenig wahr und noch gefährlicher als "wir sind alle verwandt", denn: Das Gegenteil lässt sich nicht so klar beweisen. Der französische Begriff histoire ist so vieldeutig wie die deutsche Übersetzung: Geschichte. Er kann "Vergangenheit" bedeuten oder "Erzählung".

Mit dieser Ambivalenz, diesem schwierigen Verhältnis zwischen Mythos und Wahrheit spielt der selbsternannte neue Asterix. Er weiss um die Macht dieser Idee, wir alle kennen sie: Die Erinnerung an die Folgen des erstarkten Germanen-Mythos im 20. Jahrhundert ist in unserem historischen Gedächtnis fest verankert.

Hoffen wir deshalb, dass die Franzosen sich nicht so leicht beirren lassen und auch in komplizierten Zeiten keine einfachen Geschichten glauben. Denn die aktuellen Probleme Frankreichs liegen in den Banlieues, in der aktuellen Politik des Landes. Mit Vercingetorix und seinen Scharmützeln gegen die Römer hat das ungefähr so viel zu tun wie die Masseneinwanderungs-Initiative mit dem Helvetier-Aufstand: gar nichts.

26. September 2016
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Sarah Bühler, geboren 1988, studierte Geschichte an der Universität Basel, an der sie bis August 2016 einen Lehrauftrag innehatte. Sie schreibt derzeit ihre Dissertation zum Ende des Römischen Reiches an der Universität Tübingen. Aufgewachsen in Gelterkinden präsidierte sie bis 2015 die lokale Sektion der Grünen Baselland. Sarah Bühler lebt inzwischen in Tübingen und Strassburg. Seither beschränkt sich ihre politische Aktivität auf die Beobachtung der gesellschaftlichen Entwicklung der Schweiz.

sarah.buehler@unibas.ch

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"Wenn ihr etwas verloren habt, gebt es im Fundbüro ab."

Radio SRF
am 27. August 2022
um 17.28 Uhr
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Mir ist entfallen, was ich soeben vergessen habe.

RückSpiegel


In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Recherche über Lärm-Überschreitungen im Osten des Gundeldinger-Quartiers auf.

Auf die OnlineReports-News über den Rücktritt der Laufener Finanzkommission reagierte die BZ Basel mit einem Nachzug.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Analyse der Basler FDP auf einen OnlineReports-Artikel aus dem Jahr 2005 Bezug.

Die BZ Basel nahm in ihrem Bericht über den Protest gegen entwässerte Basler Brunnen auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-News über stehengelassene BVB-Buspassagiere wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Aufnahme von Frauen in die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über Login-Probleme bei der Basler Kantonalbank (BKB) nach. Ebenso das Regionaljournal, das aber keine Quelle nannte.

Die BZ Basel und das SRF-Regionaljournal nahmen die OnlineReports-Meldung vom Tod des ehemaligen Baselbieter LdU-Nationalrats Claudius Alder auf.

In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.

Der Verein "Treffpunkt Arlesheim" (ehemals "Verkehrsverein Arlesheim") beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, sich aufzulösen.

Gleichzeitig mit dem Start der Bundeskampagne zum Energiesparen senkt die Basler Regierung die Heiztemperatur in seinen Verwaltungsgebäuden auf 19 Grad Celsius.

Der Liestaler Stadtrat hat beschlossen, den "Engel-Saal" unter dem Namen "Stadtsaal" in eigener Regie zu betreiben, womit er den Liestaler Vereinen zukünftig zu vergünstigten Konditionen angeboten werden kann.

Die Baumann & Cie übernimmt rückwirkend per 30. Juni 100 Prozent der Aktien der Vögeli Vermögensverwaltung AG.

In Basel-Stadt ist am 19. August die aus Lehrerkreisen angeregte Initiative zur Erweiterung der Integrativen Schule durch heilpädagogisch geführte Förderklassen eingereicht worden.

Die beiden Ludotheken Bläsi und St. Johann der Robi-Spiel-Aktionen werden nach 2022 nicht weiter betrieben.

Anouk Feurer, die Co-Präsidentin des "Jungen grünen Bündnisses Nordwest", ist Nachrückende für die zurücktretende grüne Basler Grossrätin Michelle Lachenmeier.

Die grosse Silberlinde im Riehener Solitude-Park musste durch die Stadtgärtnerei gefällt werden, weil sich aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit zwei gefährliche Risse im Kronenansatz gebildet haben und der Baum zusätzlich stark in Schieflage geraten ist.

Auch die Gemeinden Arisdorf, Bubendorf, Frenkendorf, Füllinsdorf, Hersberg, Itingen, Lausen, Liestal, Lupsingen, Seltisberg und Ziefen haben per sofort das Feuerwerksverbot beschlossen.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt mit 118'000 Franken aus dem Pendlerfonds den Bau einer Mobilitätsdrehscheibe in Lörrach-Brombach, die dazu beitragen soll, den Pendler- und Besucherverkehr nach Basel auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu verlagern.

Der Landrat hat am 30. Juni Lucia Mikeler Knaack (SP) mit 68 von insgesamt 78 abgegebenen Stimmen zur neuen Präsidentin gewählt.

Die Volksinitiative "Sichere Velorouten in Basel-Stadt" ist am 24. Juni mit 3'176 beglaubigten Unterschriften bei der Basler Staatskanzlei eingereicht worden.

Claraspital-Direktor Peter Eichenberger wird per Jahresende Nachfolger von Fritz Jenny als Präsident des Verwaltungsrats der "Rehab Basel".

Nach 12 Jahren als Delegierte des Vorstands trat Ruth Ludwig-Hagemann an der GGG-Mitgliederversammlung vom 16. Juni zurück; als Nachfolger wurde David Andreetti gewählt.

Markus Leuenberger wird ab  August 2023 neuer Rektor des Gymnasiums Laufental-Thierstein und damit Nachfolger von Isidor Huber, der in Pension gehen wird.

Andreas Eggimann, Chief Digital & Information Officer (CDIO) und Mitglied des Executive Board der MCH Group verlässt das Unternehmen im Verlaufe des Sommers.

Der Liestal Gymnasiums-Rektor Thomas Rätz wird im Sommer 2023 in Pension gehen, worauf die bisherigen Konrektoren Urban Kessler und Andreas Langlotz seine Nachfolge als Co-Rektoren antreten werden.

Die Basler Regierung hat die Wohnschutzkommission gewählt: Rico Michael Maritz (vorsitzender Präsident), Béatrice Elisabeth Müller Schnürle, Piotr Franciszek Brzoza (Präsidium); Vera Gruber, Felix Spiegel, und Markus Anderegg (Vermietende); Beat Leuthardt (Mieterschaft); Martin Schlatter (Schreiber).

Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) des Basler Grossen Rates unterstützt die Beteiligung des Kantons Basel-Stadt an einer Kapitalerhöhung der MCH Group AG, wie es die Regierung vorschlägt.

Die künftige Direktorin des Basler Waisenhauses ist Anita Conrad, die auf den Ende November 2023 pensionierten Uli Hammler folgt.