Werbung

© Foto by Peter Knechtli, OnlineReports.ch
"Ich würde das Amt gerne und mit Überzeugung ausüben": Beat Jans.

Und wer kommt dann für Beat Jans in den Basler Regierungsrat?

Würde der Sozialdemokrat in den Bundesrat gewählt, entstünde in der Kantonsregierung eine Vakanz. Das Taktieren hat begonnen.


Von Alessandra Paone


Das Warten hat ein Ende. Beat Jans will Bundesrat werden. An einer Medienkonferenz am Freitagmorgen im Haus der Kantone in Bern sagt der SP-Regierungspräsident: "Ich würde das Amt gerne und mit Überzeugung ausüben."

Neben der Kantonalpräsidentin Lisa Mathys sind auch die frühere Basler Ständerätin Anita Fetz, der Baselbieter Nationalrat Eric Nussbaumer und die Basler Nationalrätin Sarah Wyss nach Bern gereist, um ihren Parteikollegen Beat Jans in den höchsten Tönen zu loben und ihn für die Landesregierung zu empfehlen.

Die Szenen im prächtigen Gebäude, in dem einst der Physiker Albert Einstein sein Büro hatte, erinnern an jenen Tag im November 2022, als Eva Herzog im Hotel Bern ihre Bundesratskandidatur bekannt gab. Auch damals war die Freude immens, die Zuversicht gross. Und die Enttäuschung am Ende herb. Die amtierende Basler SP-Ständerätin, die als Favoritin für die Nachfolge von Simonetta Sommaruga galt, wurde nicht gewählt.

 

Ersatzwahl nötig

 

Nun hofft tout Bâle (oder fast) auf Beat Jans. Gelingt es dem charismatischen und erfahrenen Politiker, den Stadtkanton nach einem halben Jahrhundert wieder in den Bundesrat zu führen? Seine Chancen sind zumindest intakt.

Angenommen, Jans schafft es tatsächlich, stellt sich die Frage nach seiner Nachfolge in der Basler Regierung. Wie Regierungssprecher Marco Greiner auf Anfrage von OnlineReports bestätigt, wird es in diesem Fall zu einer Ersatzwahl kommen – obschon im Herbst 2024 die kantonalen Erneuerungswahlen anstehen. Die nächste Legislatur beginne ja erst im Februar 2025; 13 Monate ohne vollständig besetzten Regierungsrat wären zu lang, sagt Greiner. Zum Wahltermin könne er noch nichts sagen, dieser müsste noch angesetzt werden.

Doch wer kommt als Kandidatin oder Kandidat infrage? Und vor allem: Greift jemand den SP-Sitz an?

 

Grüne haben Hemmungen

 

Es ist kein Geheimnis, dass die Grünen nach der Abwahl ihrer Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann im Jahr 2020 wieder zurück in die Exekutive möchten. Und die Chancen auf Erfolg wären bei einer Vakanz höher als bei einer Gesamterneuerungswahl.

Nur wäre die SP wohl kaum erfreut über einen Angriff von Verbündeten. Aus dem Umfeld der Grünen ist denn auch zu hören, dass man es wohl eher nicht riskiere, sich im Vorfeld der Gesamterneuerungswahlen mit der SP zu verkrachen. Schliesslich wolle man die rot-grüne Regierungsmehrheit zurückerobern. Also lieber abwarten, um dann bei den Gesamterneuerungswahlen oder beim Rücktritt eines bürgerlichen Exekutivmitglieds mit vereinten Kräften zuzuschlagen.

Die Co-Präsidentin der Basler Grünen, Raffaela Hanauer, möchte eine Kandidatur dennoch nicht a priori ausschliessen. "Wir werden bei jeder Vakanz eine Kandidatur prüfen. Denn wir wollen wieder zurück in die Regierung und haben ein weites Kandidatinnen- und Kandidatenfeld", sagt sie. Derzeit stünden aber klar die Nationalratswahlen im Fokus. "Die Grünen erheben ebenfalls Anspruch auf einen Bundesratssitz und wollen dies am 22. Oktober bekräftigen."

 

Arslan muss warten

 

Für Basels starke Alternative (Basta) kommt eine Kandidatur hingegen nicht infrage. "Den SP-Sitz anzugreifen, bringt uns nicht weiter", sagt Co-Präsident Nicola Goepfert.

Nationalrätin Sibel Arslan dürfte nicht erfreut sein über diese klare Absage. Sie spielt schon seit Längerem mit dem Gedanken einer Regierungskandidatur. Mit der gebürtigen Kurdin wären erstmals auch die Migrantinnen und Migranten in der Regierung vertreten – jener Bevölkerungsteil, für den sich das rot-grüne Lager politisch stark macht. In Basel-Stadt liegt der Anteil der ausländischen Staatsangehörigen bei knapp 40 Prozent.

Arslan reagiert auf Anfrage diplomatisch. Es sei jetzt noch zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Nun gelte es, am 22. Oktober als Nationalrätin bestätigt zu werden.

 

Bürgerlicher Angriff absehbar

 

Am Ende dürfte der Angriff auf den SP-Sitz also am ehesten aus dem bürgerlichen Lager kommen. Doch wäre ein Schulterschluss von der Mitte bis zur SVP nötig. Danach sieht es im Moment aber nicht aus. Im Gegenteil: Mitte, FDP und LDP scheinen sich immer mehr von der SVP zu distanzieren, auch konnte man sich nicht auf eine gemeinsame Ständeratskandidatur einigen.

Gut möglich also, dass die SVP erneut den Alleingang wählt. Dass die LDP kandidiert, ist unwahrscheinlich. Die stärkste bürgerliche Kraft stellt mit Conradin Cramer und Stephanie Eymann bereits zwei Regierungsmitglieder. Die Mitte wartet auf den Rücktritt von Lukas Engelberger, um ihren Parteipräsidenten Balz Herter zu platzieren. Seine Doppelkandidatur bei den bevorstehenden nationalen Wahlen soll für die nötige Publicity sorgen.

Bleibt noch die FDP. Die Abwahl von Baschi Dürr vor drei Jahren hat die Freisinnigen hart getroffen. Der Wunsch, wieder in die Regierung zurückzukehren, ist gross, die Personaldecke aber nach wie vor dünn, genauso wie der Rückhalt im Parlament mit nur sieben Mandaten. Mögliche Namen wären der frühere Parteipräsident Luca Urgese oder die Nationalratskandidatin und ehemalige Bettinger Gemeinderätin Eva Biland. Doch ob die beiden Lust haben, sich bei geringen Erfolgschancen verheizen zu lassen?

 

Nussbaumer, Hofer, Atici?

 

So gesehen kann sich die SP zurücklehnen und sich bei der Suche nach der geeigneten Kandidatin oder dem geeigneten Kandidaten für den allfälligen Ersatz von Beat Jans Zeit lassen. Aus dem Grossen Rat kämen zum Beispiel Melanie Nussbaumer, der frühere Parteipräsident Pascal Pfister oder der aktuelle Nationalratskandidat Christian von Wartburg infrage. Ein weiterer potenzieller Anwärter wäre der ehemalige Grossrat Tobit Schäfer; er wurde in der Vergangenheit immer wieder als möglicher Regierungsratskandidat gehandelt. Oder auch Alt-Grossratspräsidentin Salome Hofer. Und Mustafa Atici?

Wie Gespräche von OnlineReports zeigen, ist die Frage der Jans-Nachfolge in der Politik schon heute ein Thema. Doch sind dies erst Gedankenspiele. Wird am 13. Dezember Beat Jans zum Nachfolger von Alain Berset in den Bundesrat gewählt, gilt es ernst.

22. September 2023

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Was Sie auch noch interessieren könnte

Salzabbau im Röserental:
Grillparty gegen Widerstand

13. Juni 2024

Die Schweizer Salinen gehen proaktiv
auf die Öffentlichkeit zu.


Regierungsgebäude Liestal: 
Die grosse Einweihung

11. Juni 2024

Nach einem Jahr kehrt der Baselbieter Landrat zurück an die Rathausstrasse.
 


Energiegesetz: Dieses Ja
erfordert Behutsamkeit

9. Juni 2024

Der Kommentar zur bedeutenden Abstimmung im Baselbiet.


Reaktionen

Ferdi Pulver gewinnt
die Wahl in Reinach

9. Juni 2024

Die zwei grössten Baselbieter Gemeinden haben weiterhin bürgerliche Präsidenten.


Ist Esther Roth schuld
an der Eskalation?

6. Juni 2024

Affäre um Sulzers "Zigeuner": Basler GPK kritisiert Baselbieter Kulturchefin scharf.


Reaktionen

Kritischer Spaziergang
durch Münchenstein

5. Juni 2024

Wakkerpreis: Wie entwickelt sich die Gemeinde entlang des St. Alban-Teichs?


Eine Jahrzehnt-Abstimmung,
als Konsens inszeniert

31. Mai 2024

Der Kommentar über die merkwürdig lange
Stille
um das Baselbieter Energiegesetz.


Reaktionen

BGV: Chef-Wechsel
beschäftigen die Politik

30. Mai 2024

Die Baselbieter Regierung nimmt Stellung zu kritischen Fragen aus dem Landrat.


Ausländerstimmrecht in Basel: Hitzige Debatte steht bevor

29. Mai 2024

Justizkommission begrüsst Partizipation von Ausländerinnen und Ausländern.


Reaktionen

BGV: Der neue Chef ist schon wieder weg

21. Mai 2024

Marcel Allemann war nur wenige Wochen Vorsitzender der Gebäudeversicherung.


Reaktionen

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Hätten Sie, im Nachhinein betrachtet, mehr machen müssen, um die Menschen (insbesondere auch im Unterbaselbiet) zu überzeugen?"

BaZ
am 11. Juni 2024
in einer Interview-Frage
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wie hat der Journalist die Klammer wohl ausgesprochen?

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel

Werbung







In einem Satz


Jacqueline Herrmann und Alexander Bieger lösen Brigitte Jäggi ab, die als Rektorin des Gymnasiums Muttenz in Pension geht.

Bettina Zeugin folgt als Präsidentin von insieme Baselland auf Röbi Ziegler.

Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Peter Schmid gibt das Präsidium des Freundevereins Zoo Basel an seine Parteikollegin und Landrätin Miriam Locher ab.

Eine Findungskommission sucht eine Nachfolge für Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen Basel, die 2025 in Pension geht.

Grünen-Politikerin Flavia Müller aus Allschwil rückt für Biljana Grasarevic in den Baselbieter Landrat nach.

Doppel-Pensionierung am Euro-Airport: Direktor Matthias Suhr geht Ende März 2025, sein Stellvertreter Marc Steuer Ende Dezember 2025 in den Ruhestand.

Jo Krebs
übergibt nach über 23 Jahren seine Stelle als Leiter Unternehmenskommunikation von Primeo Energie an Nachfolger Fabian Hildbrand.

Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.