Beim Roemisloch wird nicht gebohrt

Alte Chemiemülldeponie im Elsässer Grenzgebiet: Der Verzicht von Novartis und Ciba SC stösst in Allschwil auf Kritik


Von Martin Forter


Vor wenigen Tagen kündigten Novartis und Ciba SC in einem Pressecommuniqué Bohrungen bei der alten Chemiemülldeponie Roemisloch im elsässischen Neuwiller an. Recherchen von OnlineReports entlarven das Versprechen als falsch: Beim Roemisloch werden die beiden Firmen nicht bohren. Laut Ciba-Sprecher Thomas Gerlach seien derartige Sondierungen "technisch nicht machbar". Aus dem benachbarten Allschwil wird Kritik laut.


Seit über zehn Jahren versprechen Ciba-Geigy bzw. Novartis und Ciba SC, die Verantwortung für ihre alten Chemiemülldeponien in den elsässischen Grenzgemeinden Hagenthal-le-Bas und Neuwiller zu übernehmen. Geschehen ist bisher wenig. Vor wenigen Tagen schien sich alles zu ändern: Novartis und Ciba SC verbreiteten ein Pressecommuniqué. Die beiden Konzerne teilten mit, dass sie bei den grenznahen Chemiemülldeponien "Le Letten in Hagenthal-le-Bas und Roemisloch in Neuwiller mit den ersten Bohrungen ins Grundwasser begonnen" hätten.

Ciba SC: "Communiqué ungenau formuliert"

Recherchen von OnlineReports ergaben jedoch: Entgegen der Verlautbarung werden Novartis und Ciba SC das Grundwasser bei der Chemiemülldeponie Roemisloch in Neuwiller nicht anbohren, obwohl die beiden Unternehmen entsprechende Grundwasserkontrollen seit Monaten angekündigt haben. Dies bestätigt Ciba-Sprecher Thomas Gerlach, der geltend machte, das Pressecommuniqué sei "ungenau formuliert" gewesen. Bohrungen ins Grundwasser bei der Deponie Roemisloch seien "technisch nicht machbar". Die Flanken des kleinen Tals im Wald oberhalb Neuwiller, an dessen oberem Ende die J.R. Geigy von 1957 bis 1960 mindestens 1'000 Tonnen Chemiemüll abgelagert hat, seien zu steil, um das Bohrgerät an den richtigen Standort unterhalb der Deponie zu schaffen. Novartis und Ciba SC würden deshalb auf die Bohrungen verzichten und "Oberflächen- und Quellwasser" auf Verschmutzungen durch den Chemiemüll untersuchen. Analysieren wollen die Firmen also unter anderem das Wasser aus zwei Quellen unterhalb der Deponie.

Das freilich macht wenig Sinn und lässt die Untersuchungen rund um das Roemisloch in einem fragwürdigen Licht erscheinen. Denn in einem hydrogeologischen Gutachten vom Januar 2000, das die beiden Basler Multis in Auftrag gegeben haben und das OnlineReports vorliegt, heisst es: Die Lage jener Quellen lasse vermuten, dass sie aus geologischen Gründen "wahrscheinlich von einer allfälligen Verschmutzung durch die Deponie nicht betroffen sind." Deshalb empfehlen die Autoren der Studie Probebohrungen ins Grundwasser.

Geologen sagen: "Bohrungen überall möglich"

Auf dünnes Eis begeben sich Novartis und Ciba SC, wenn sie behaupten, solche Bohrungen seien beim Roemisloch aus topographischen Gründen nicht möglich. OnlineReports hat verschiedene Geologiebüros und einige auf Bohrungen spezialisierte Firmen angefragt. Einhelliger Kommentar: Bohrungen sind überall möglich, die Frage ist nur, wieviel sie kosten. Ein Bohrunternehmer: "Im Notfall nehmen sie einen Helikopter, um das Bohrgerät zu transportieren. Das geht auch im Wald. Es kostet einfach das Drei- bis Vierfache, als wenn die Bohrstelle gut zugänglich ist." Dass Novartis und Ciba SC beim Roemisloch nicht bohren, dürfte also eher finanzielle denn technische Gründe haben.

Erstaunt über das Vorgehen von Novartis und Ciba SC beim Roemisloch zeigt sich Bruno Cahen von der französischen Umweltbehörde DRIRE: "Im Pflichtenheft für die Erkundung der Deponie sind Bohrungen oder Probenahmen an geeigneten Quellen vorgesehen." Noch bei der letzten Sitzung sei von Bohrungen die Rede gewesen. Er wisse nicht, warum sie jetzt nicht durchgeführt würden. Cahen: "Ich bin gespannt auf die Argumente der beiden Firmen".

"Versprechen nicht eingehalten": Enttäuschung in Allschwil

Von der Untätigkeit von Novartis und Ciba SC am stärksten betroffen ist die Gemeinde Allschwil: Das Roemisloch liegt im Einzugsgebiet des Neuwillerbach, der hinter der französisch-schweizerischen Grenze als Mühlibach Allschwil durchquert. Unmittelbar bei der Landesgrenze will die Gemeinde für 1,6 Millionen Franken ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung anlegen. Zudem muss sie einen Damm bauen, um den Dorfkern vor dem hochgehenden Mühlibach zu schützen. Paul Schüpbach, zuständiger Gemeinderat von Allschwil: "Wir haben ein grosses Interesse daran, dass beim Roemisloch gebohrt wird. Ich bin enttäuscht, dass man uns etwas verspricht und es nachher nicht einhält." Schüpbach will "nun entsprechende Schritte" einleiten.

Auch das Allschwiler 'Aktionskomitee Chemiemüll weg!' ist "beunruhigt über das Vorgehen von Novartis und Ciba SC". Es will gemäss Hans Z’graggen auf den Bohrungen beim Roemisloch beharren: "Diese Untersuchungen sind wichtig, um das Risikopotential im Mühlibachtal zu beurteilen."

6. Februar 2001


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"Häxegässli"

Regionaljournal
von Radio SRF
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