IWB landen Coup und kaufen französische Windkraftwerke

Es geht um Zukunftsinvestitionen: Noch verstopft französischer Atomstrom die Stromleitungen nach Basel


Von Marc Gusewski


Bis in vier Jahren wollen die Basler IWB einen Fünftel ihrer künftigen Stromerzeugung aus neuen erneuerbaren Energien sichern und dafür 300 Million Franken ausgeben. Ein Drittel dieses Ziels ist erreicht mit dem soeben erfolgten Kauf einer Flotte von Windenergieparks in Frankreich.


"Unser Beschaffungsteam hat eine super-tolle Leistung gezeigt". Mit diesen Worten begeistert sich David Thiel, der Geschäftsleitungsvorsitzende der Industriellen Werke Basel (IWB) über den Erwerb einer Flotte französischer Windenergieparks.

Zu einem ungenannten Preis erwarben die IWB 44 Windkraftanlagen an acht verschiedenen Standorten mit einer Produktionserwartung von 164 Millionen Kilowattstunden pro Jahr (etwas weniger als ungefähr die Erzeugung des Rheinkraftwerks Augst), oder so viel wie für 35'000 Haushalte, mit einem doch eher hohen Verbrauch von 4'700 Kilowattstunden pro Jahr, so die Berechnung der IWB.

Wind, wo er am stärksten weht

"Wir müssen aus unseren Energiefranken so viel wie möglich herausholen. Deshalb investieren wir am besten da in Wind- und Sonnenenergie, wo sie am effektivsten sind", erläuterte Thiel die Investitionspolitik. Das heisst, Sonnenstrom von dort, wo sie  am intensivsten scheint, zum Beispiel in Spanien, und Windenergie von dort, wo es am stärksten bläst. Wie zum Beispiel in Frankreich.

Dabei haben die IWB nach eigenen Worten einen "Coup" gelandet. Nach der japanischen Atomkatastrophe in Fukushima schossen die Preise für Ökostromprojekte wie diese in die Höhe. Quer durch Europa reissen sich die Elektrizitätswerke derzeit die guten nachhaltigen Projekte aus den Händen. Zu diesem Zeitpunkt konnten sich die IWB, so Thiel, "ein glänzendes Windkraftportfolio sichern" – also eine kleine Kraftwerksflotte.

Frankreich was bisher bezüglich Windenergie ein Nachzügler. Im Herbst kündigte die französische Regierung aber einen starken Ausbau an, um den Rückstand im Bereich grüner Energien gegenüber Deutschland und England aufzuholen. Der Boom treibt die Preise. Doch IWB-Projektleiter Bernhard Brodbeck winkt ab: "Wir konnten den Kauf noch zu soliden Konditionen abwickeln." Dabei wird der Kaufpreis wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Mitbewerber und andere Projektentwickler könnten daraus Schlüsse für ihr Geschäft ziehen, erklärt die IWB-Spitze.

Wind- statt Kernenergie aus Atom-Frankreich?

Wird Frankreich, woher die Schweiz heute schon jedes Jahr ungefähr so viel Atomstrom importiert wie die eigenen AKW Strom erzeugen, in Zukunft die Hauptquelle für erneuerbare Energien? David Thiel glaubt das vorläufig nicht: "Für 20 Jahre bleibt der Strom in Frankreich mit uns als reinen französischen Produzenten, schliesslich zahlen die Franzosen über die staatliche Einspeisevergütung für die Ökologisierung ihrer Stromversorgung. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wird es für den Import in die Schweiz interessant."

Daneben gäbe es für den Import eine echte Knacknuss: Die Stromleitungen von Frankreich in die Schweiz sind schon heute mit Atomstrom verstopft, den vorab die Überlandwerke wie Alpiq, Axpo und BKW importieren und handeln.

Einer der Hauptgründe, weshalb die Schweiz um ein Stromabkommen mit der EU ringt, sind diese Leitungen. Die Überlandwerke weigern sich bis heute, die Grenzübergänge marktgerecht zu öffnen und auf ihre Privilegien zu verzichten. Thiel: "Die Grenzübergänge müssen für alle gerecht geöffnet werden, sonst geht hier gar nichts."

Französischer Windstrom ist konkurrenzfähig

Von den Kosten her kann der erworbene Windstrom mit schweizerischen Verhältnissen mithalten: Der Strom aus grossen Schweizer Kraftwerken wie zum Beispiel vom Aare-Kraftwerk Ruppoldingen bei Olten, erzeugt zu 11 Rappen/Kilowattstunde Elektrizität. Das ist ungefähr der Betrag, den auch die Basler Windenergie in Frankreich kostet. Für Bernhard Brodbeck und Antoine Millioud, die den Wind-Deal für die IWB durchzogen, ist es schlicht "die Zukunft". Millioud: "Indem wir an verschiedenen Orten in Frankreich Wind erzeugen, verteilen wir auch das wirtschaftliche Risiko und können uns auf eine zuverlässige Jahresproduktion einrichten."

Geplant ist der Ausbau respektive der Zukauf weiterer Windenergieanlagen in Frankreich. Erworben haben die IWB die Anlagen von der "Samfi Invest SAS", einem Industrie- und Investmentunternehmen. Dieses, mit Fuhrunternehmern als Eigentümern, investiert seit über zehn Jahren in erneuerbare Energien als klassischem Investment. Brodbeck: "Das machen die aus der reinen Überzeugung, dass sich ihre Investitionen finanziell lohnen werden. Das hat nichts mit dem Vorwurf der Kritiker von erneuerbaren Energien zu tun, hier würden von Sandalenträgern Müsli-Geschäfte getätigt."

8. Juni 2011

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