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"Weniger Strom verkaufen": Energie-Vordenker Ernst Ulrich von Weizsäcker

Elektro-Unternehmen leiten die Energie-Wende ein

Nachhaltigkeits-Papst Ernst Ulrich von Weizsäcker löst Nachdenklichkeit aus: Schwung für Biomasse-Kraftwerk in Pratteln


Von Peter Knechtli


Die beiden Basel wollen die Energie-Wende auch faktisch vollziehen: Die beiden Elektro-Unternehmen Elektra Baselland (EBL) und Industrielle Werke Basel (IWB) planen gemeinsam mehrere Biomasse-Kraftwerke in der Region. Schon nächsten April soll in Pratteln ein 10'000-Tonnen-Reaktor gebaut werden. Der deutsche Wissenschafter Ernst Ulrich von Weizsäcker löste am Mittwochabend in Liestal vor 500 Interessenten Nachdenklichkeit aus.


Mäuschenstill war es im "Engel"-Saal, als von Weizsäcker, Buch-Autor ("Faktor 4"), SPD-Bundestagspolitiker und Vordenker der Nachhaltigkeit, auf "diplomatisch verstädigte teurere Energiepreise", höhere Energieproduktivität und erneuerbare Energieträger einschwor. Entgegen andern Behauptungen zeichnete der hoch angesehene Umweltpolitiker ein anhaltend düsteres Bild von Treibhauseffekt und Klimaerwärmung als Folge der zivilisatorischen C02-Produktion. Um die verheerende Entwicklung zu stoppen, sei eine "Effizienz-Revolution" nötig. Im Sinne einer Vision riet von Weizsäcker den Energie-Unternehmen als Zukunfts-Konzept, "weniger Strom zu verkaufen" und statt dessen das Geschäft mit energiebezogenen Dienstleistungen zu machen - eine Strategie, die bei den anwesendenen Verantwortlichen auf Wohlwollen zu stossen schien.

Kleine Pioniere bestimmten die Marschrichtung

Die Informationsveranstaltung der EBL entwickelte sich mit Weizsäckers Analyse umgehend zu einer Art Schwungrad des energiepolitischen Bewusstseins. Waren es in den siebziger Jahren grüne Protestler und Wissenschafter wie die Gründer des Öko-Zentrums Langenbruck, die eine Abkehr von zentraltechnologischen Energiesystemen hin zu nachhaltigen und dezentralen Produktionsstellen forderten, sind es heute die Elekto-Unternehmen, die diese Politik mehr und mehr im grossen Stil umzusetzen beginnen. Ihnen vorausgegangen waren zahlreiche Kleinpioniere, die eigene Pfade suchten.

Jetzt will EBL-Direktor Urs Steiner zusammen mit IWB-Chef Eduard Schumacher den Weg der Nachhaltigkeit entschlossen beschreiten. Nach dem Grundsatz-Beschluss, die Geothermie als "Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts" (Steiner) zu erschliessen, soll jetzt die Biomasse in Form von Vergärungsanlagen energetisch genutzt werden. Organisatorisches Dach wird die von beiden Unternehmen getragene "Biopower AG" sein, die im Verlauf des Herbsts gegründet werden soll. Sie wird vorerst in Pratteln eine Grossanlage für 10'000 Tonnen biologische Abfälle aus Restaurants, Gärtnereien, Grossverteilern und der Landwirtschaft bauen. Bereits am 1. April kommenden Jahres soll Baubeginn sein. Kostenpunkt: 10 Millionen Franken. 4'000 Tonnen Biomasse - vor allem Jauche - sollen in Ormalingen genutzt werden; Baubeginn auch hier kommendes Frühjahr. Auch Riehen und das Untere Baselbiet im Raum Aesch sollen weitere Biomasse-Standorte werden.

EBL-Manager erwartet "Riesenerfolg"

Laut Beat Andrist (Bild), in der EBL für den Geschäftsbereich Energie zuständig, stehen in der Region Basel 64'000 Tonnen verwertbare Biomasse zu Verfügung. Ein "Riesenerfolg", offenbarte Andrist so etwas wie Euphorie, werde die Bio-Energie werden. Ihre Vorteile: Positive Energiebilanz, geruchsneutral, konkurrenzfähig, ökologisch einwandfrei, Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses, Verringerung der Stickstoff-Emissionen durch Biogas-Treibstoff. Dass die durchschnittlich 100 Kilogramm Bioabfälle pro Einwohner und Jahr weit sinnvoller als zur Befeuerung von Kehrichtverbrennungsanlagen genutzt werden können, machte der langjährige Vergärungspionier Werner Edelmann deutlich: "Wir brauchen eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft", forderte er und fügte bei: "So tun Sie etwas für Ihre Kinder und Kindeskinder."

Biomasse-Kraftwerke bauen die angelieferten Stoffe ("Grünabfuhr") in weniger als 20 Tagen ab. Resultate der Vergärung sind Biogas, Kompost und Flüssigdünger. Aus einer Tonne Biomasse können 130 Kubikmeter Biogas gewonnen werden, was 70 Litern Benzin entspricht. Das Biogas aus der Prattler Anlage soll denn auch in das Erdgasnetz eingespeist werden und später als Treibstoff für gasbetriebene Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

Starke Worte aus der Regierungs-Etage

In einem engagierten Votum liess die Baselbieter Baudirektorin Elsbeth Schneider (CVP) keinen Zweifel daran, dass sie mit Überzeugung hinter dem Biomasse-Konzept steht. Über eine allfällige staatliche Mitfinanzierung allerdings äusserte sich die Regierungsrätin nicht - eine solche ist freilich auch gar nicht vorgesehen. Vergangenes Jahr kündigte sie an einer Informationsveranstaltung am selben Ort ein staatliches Engagement beim Bau der baselstädtischen Geothermieanlage an. Später verweigerte die Regierungsmehrheit dem Kredit die Zustimmung. Das letzte Wort allerdings ist diesbezüglich noch nicht gesprochen.

SP-Landrat Eric Nussbaumer, Geschäftsführer der auf dezentrale Energieerzeugung spezialisierten Genossenschaft ADEV, gab nach Ende der Veranstaltung eine positive Einschätzung ab: "Es ist erfreulich und gut, dass ein grosser Energieversorger solche Veranstaltungen macht und damit die Richtung vorgibt. Das wäre vor 15 Jahren noch nicht möglich gewesen. Es ist glaubhaft, dass die EBL eine zumindest nachhaltigere Strategie fahren will als noch vor zehn Jahren." Mit der Anlage in Pratteln allerdings sei die Energie-Wende "noch nicht geschafft". Gestört hat sich Nussbaumer daran, dass EBL-Chef Steiner weiterhin dem massiven Ausbau der Atomenergie das Wort redete - während zuvor Weizsäcker auch aus Gründen möglicher terroristischer Motive davor warnte.

26. August 2004

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