© Fotos by Ruedi Suter, OnlineReports.ch
"Legalisierter Landraub": Blick von Mwambani-Bucht auf bedrohte Schutzzone

Urfisch Quastenflosser droht an Tansanias Küste das ewige Ende

Das Projekt eines Grosshafens gefährdet die Quastenflosser-Schutzzone, führte aber auch bereits zur Schleifung von Fischerdörfern


Von Ruedi Suter


Korruption und Wirtschaftsinteressen drohen an Tansanias Küste dem ältesten lebenden Fisch der Welt den Garaus zu machen. Ein gigantisches Hafenprojekt soll die Schutzzone des auch mit Basler Hilfe erforschten Quastenflossers zerstören. Bereits mussten dem Phantom-Projekt Fischerdörfer weichen: Eine Reportage über das Ausgeliefertsein von armen Menschen und Tieren.


Da vorn, hinter dem Einbaum, hinter den im Meer stehenden Fischern und den romantischen vorgelagerten Koralleninseln, irgendwo tief unter der dunkelblauen Oberfläche des Indischen Ozeans, da schwimmen sie – diese archaischen Gesellen aus einer noch menschenfreien Vergangenheit. Gegen 400 Millionen Jahre haben sie überlebt, die bis 80 Kilo schweren und gegen zwei Meter grossen Quastenflosser.

 

"Lebende Fossile" werden sie genannt. Unvorstellbar die Zeitspanne, welche die Fische aus der Urzeit überlebt haben. Vorstellbar hingegen ist jetzt die rasche Ausrottung der seltenen und bis 1938 von der Wissenschaft für ausgestorben gehaltenen Knochenfische. Sie drohen zu verschwinden, weltweit und vor allem hier, südlich der tansanischen Hafenstadt Tanga. Hier stehen wir nun auf einer Klippe in der steil zum Sandstrand abfallenden Bucht von Mwambani. 

 
Es ist feucht, es ist heiss, kein Lüftchen, der Ozean wirkt träge und leblos. Doch der Eindruck trügt, die Bucht und ihre Palmhaine, Fischerdörfer und Villen mit Strandanschluss bilden das Herzstück des Quastenflosser Marineparks (Tanga Coelacanth Marine Park). Die 552 Quadratkilometer grosse Meeresschutzzone wurde am 28. August 2009 von der Regierung eingerichtet, keine sechs Jahre nachdem an Tansanias Küste der erste Quastenflosser überhaupt "entdeckt" worden war. Eine Schweizer Reisegruppe fand am 9. September 2003 ein totes Exemplar auf einem Fischmarkt zwischen Dar-es-Salaam und Mtawara. Eine Sensation.

 

Alarmierendes Leerfischen

 

Im selben Jahr wurde auch bei den Inseln Yambe und Karange – sie sind der Mwambani-Bucht vorgelagert – Quastenflosser (Coelacanthiformes) an Land gezogen. Seither kamen die in 200 bis 700 Meter Tiefe lebenden Nachtjäger zu Dutzenden um – in den hoch geholten Netzen der Fischer. Für diese sind die Quastenflosser nur ein lästiger Beifang, weder ess- noch verkaufbar, da ihr Verzehr gleich Durchfall auslöst.

 

Zudem müssen gefangene Urfische (Bild, Modell) sofort bei den Behörden abgeliefert werden. Das aber bringt für die armen Fischer Umstände und Unannehmlichkeiten. Allein um Tanga wurden in den letzten acht Jahren über 80 Exemplare registriert: Jeder Tod eine Tragödie, da die streng geschützten Quastenflosser mit ihren kleinen bisher bekannten Beständen entlang der ostafrikanischen Küste, vor den Komoren und vor Südafrika und Sulawesi sehr selten sind. "Quasti", wie der deutsche Name des rund 100 Kilo schweren Fischs liebevoll abgekürzt wird, droht der Überfischung zum Opfer zu fallen.

 

Tödliche Netze und Entwicklungspläne

 

Denn in Tansanias Küstengewässern herrschen seit Jahren alarmierende Zustände. Trotz Verbot wird mit Dynamitbomben gefischt, werden die letzten Korallenbänke zertrümmert, Meeresschildkröten gewildert und schonungslos die einst reichen Fischgründe leer gefischt.

Eine der Folgen: Seit 2003 sind die tansanischen Küstenfischer zunehmend gezwungen, zwischen Kenia und Mosambik in tiefere Gewässer auszuweichen, um überhaupt noch etwas fangen zu können. Das bedroht auch die "Quasti"-Populationen, wie der deutsche Biologieprofessor und Coelacanthiformes-Forscher Hans Fricke gegenüber OnlineReports warnt: "In Tansania sind die Quastenflosser besonders durch die Tiefwasserstellnetze sehr stark gefährdet." Ganz im Gegensatz zu Südafrika, wo die Urfische durch "gezieltes Management vorbildlich geschützt" seien.


Doch Tansanias kürzlich wiedergewählte Regierung von Präsident Jakaya Kikwete bekundet derzeit ohnehin grosse Mühe mit dem Arten- und Naturschutz, beschimpft Naturschützer gar als "Vaterlandsverräter" und "Feinde" der tansanischen Entwicklung. Dies aufgrund neuer Aussichten auf happige Profite. Das einst weltweit für seine grossartigen Schutzanstrengungen gelobte Tansania will nun ebenfalls vom vermeintlich schnellen wirtschaftlichen Fortschritt profitieren.

Die grossen Rohstoffvorkommen sollen dem durch eine wild wuchernde Korruption heimgesuchten Lieblingsland von Geberstaaten, Hilfs- und Entwicklungsorganisationen frische Devisen bescheren. So buhlen zahlreiche Grosskonzerne und Wirtschaftsmächte wie China, Indien, die EU und die USA um die Gunst des politisch trotz allem immer noch recht stabilen Landes. Kikwete und seine zunehmend kritisierte Regierung versuchen diese Chance zu nutzen – zum Wohle des Vielvölkerstaates, wie sie erklären, gleichzeitig jedoch für die Taschen der Regierungselite und auch zunehmend zum Schaden der ökologischen Errungenschaften und des Tourismus, dem bislang – nach der Minenindustrie – einträglichsten Devisenbringer.

 

Entwicklungen auf Kosten der Umwelt

 

Das bedenklichste Beispiel für diese neuste Phase des "Aufbruchs" liegt keine tausend Kilometer in unserem Rücken – im nördlichen Teil des Weltnaturerbes Serengeti, durch welche die Kikwete-Regierung bis vor wenigen Wochen vorab auf Kosten der weltweit einmaligen Gnu- und Zebrawanderungen eine Handelsstrasse zur Verkehrserschliessung des rohstoffreichen Nordens am Victoriasee und der angrenzenden Binnenstaaten treiben wollte. Von der Serengeti bis hierher zur Küste in die Hafenstadt Tanga sollte der Highway, verbunden mit neuen Projekten und einem ambitiösen neuen Transportkorridor, auch den Regionen des Hinterlandes Wohlstand bringen.

Neben den diskutierten Strassen- und Eisenbahnverbindungen durch die Serengeti bereiten Umweltschutzorganisationen die geplante industrielle Nutzung und Erschliessung des paradiesischen Gebietes um den heiligen Berg der Massai, Vulkan Oldonio Lengai, und den Natronsee Kummer. Weil dort eine von der Regierung vorgesehene Sodafabrik dem einzigen Brutplatz der Zwergflamingos in Afrika den Todesstoss versetzen könnte.

Der internationale Aufschrei hat im Juni die Regierung gegenüber der Unesco zu einem Manöver veranlasst: Die Piste durch die Nordserengeti, so ein Minister, werde nicht asphaltiert, und sie bleibe unter der Verwaltungshoheit der Nationalparkbehörde Tanapa. Dies wurde von einigen Organisationen und Medien als Verzichtserklärung gefeiert. Kritiker hingegen verweisen darauf, dass die Piste immer schon nur als Schotterstrasse geplant war, und bedauerten die Unverbindlichkeit der teils auch nicht schlüssigen Erklärung. Die Regierung betonte später mehrmals, sie werde die Handelsstrasse bestimmt bis zur – und auch durch die Serengeti realisieren.

 

Gigantischer Hafen im Schutzgebiet geplant

 

Am östlichen Ende des Highways bleibt die Population der Quastenflosser jedenfalls bedroht. Denn hier, wo wir gerade stehen, soll mit gigantischem Aufwand der neue Mwambani-Tiefseehafen für den Export von Soda-Asche, Erzen, Tropenholz und Handelsgütern ausgehoben werden. Die heute verschlafen wirkende Küstenstadt Tanga, zu Zeiten des Sisal-Booms eine pulsierende Handelszentrale, soll mit der acht Kilometer entfernt geplanten neuen Hafenanlage wieder zur alten Grösse zurückfinden. Die Vorbereitungen zum Ausbau sind schon lange im Gange. Die ersten Pläne, den bestehenden Hafen durch einen neuen in der Mwambani-Bucht (Bild) zu ersetzen, stammen aus dem Jahr 1977. Damals boomte noch der Sisalexport, brach dann aber in der Folge von Enteignungen der Plantagen durch die sozialistische Regierung Nyereres in wenigen Jahren zusammen. Seitdem tut sich im verlotternden Hafen von Tanga kaum mehr etwas. Trotzdem begann die nationale Hafenbehörde (Tanzania Port Authority, TPA) zwanzig Jahre später die Pläne durch Landnahmen umzusetzen.

Für die betroffene Bevölkerung begann die bis heute andauernde Zeit der Angst, der Drohungen und Gewalt, der erzwungenen Umsiedlungen und Menschenrechtsverletzungen, die kaum je thematisiert werden. Nach den Enteignungen passierte allerdings zwei Jahrzehnte lang nichts: Der neue Hafen wurde nie gebaut – weil er nicht gebraucht wurde. Obwohl es nach wie vor keinen Bedarf für einen neuen Hafen und auch keine Geldgeber gibt, beschloss die tansanische Regierung 2008 eine Erweiterung. Resultat: Die neuen Hafenpläne wurden auf den bislang verschonten Mittelabschnitt der Mwambani-Bucht ausgeweitet – auch dieser die Heimat zahlreicher Menschen.

 

Historisches Dorf mehrfach "umgesiedelt"


"Kommen Sie», sagt Bwana Ukweli, "wir zeigen Ihnen Ndumi, das vor zwanzig Jahren zwangsgeräumte Fischerdorf." Ukweli ist der Tarnname eines international vernetzten Aktivisten aus der Tanga-Region. Seit Jahren recherchiert und dokumentiert er zusammen mit Gleichgesinnten die Ereignisse um Mwambani, kennt die Gegend wie seine einschlägigen Dossiers im Internet. Als Menschenrechtler arbeitet er verdeckt. "Ich will mich nicht mit Repressionen herumschlagen müssen; ich kann den Betroffenen besser helfen, wenn ich mich nicht mundtot machen lasse", begründet Ukweli seine Haltung, derweil wir der stellenweise mit üppigen Mangrovenwäldern bewachsenen Küste entlang marschieren.

Plötzlich taucht ein steinerner Torbogen auf, gross wie ein Stadttor. Dahinter riesige Baobabs, grosse Mango- und Feigenbäume, darunter wenige Überreste von Hausruinen und Gräbern. "Das war Ndumi, ein Fischerdorf mit historischen Festungsüberresten aus dem 19. Jahrhundert. Und dort sind Ruinen, die noch viel älter sind und um 1960 vom berühmten Archäologen Peter Garlake erforscht wurden", sagt Bwana Ukweli. 1999 waren die Dorfbewohner kurzfristig informiert worden, sie müssten des neuen Hafens wegen innert sechs Monaten ihre Heime räumen. Die Regierungsvertreter versprachen Abfindungssummen und Ersatzland, und sie markierten mit roter Farbe alle der 200 zum Abbruch bestimmten Häuser.

 

Den Dorfbewohnern, vornehmlich Fischer, Kleinbäuerinnen und Kleinhändler, blieb keine Wahl: Sie mussten ihr Dorf auf der Halbinsel Ras Nyamaku verlassen, mussten landeinwärts ziehen. Entgegen den Versprechungen der Regierung haben damals jedoch, so der Dorfchef, von den 200 vertriebenen Familien, lediglich 53 Land für eine Wiederansiedlung erhalten. Dies belegen Dokumente. Die anderen 147 mussten bei Verwandten Unterschlupf suchen – oder sie siedeln nun auf fremdem Gebiet, ohne Kompensation für Landverlust, Häuser und Verdienstausfälle.

Nicht genug: Die 53 Ndumi-Familien auf ihren neuen Parzellen erfahren ein Déja-vu. Denn jetzt sollen sie auch Ndumi 2 räumen. Grund: Auf dem Reissbrett haben die staatlichen Planer das Gebiet für den neuen Hafen kurzerhand noch einmal vergrössert – Pech für Ndumi 2, es liegt wieder am "falschen" Ort.


Schutzlos der Willkür ausgeliefert


Und erneut erklären Regierungsvertretende – wie ein Jahrzehnt zuvor – den Dorfleuten, sie müssten weichen. Unbedingt. Doch diesmal setzen sich die Betroffenen zur Wehr. Ihr Sprecher, Mzee Jangwa (Bild), erklärt uns Stunden später: "Bevor wir nicht alle für die erste Umsiedlung vollumfänglich kompensiert werden, rühren wir keinen Finger mehr. Einer Regierung, die ihre Versprechen nicht einhält, können wir nicht trauen." Um doch noch zu ihrem Recht zu kommen, haben die Bewohner und Bewohnerinnen von Ndumi unterdessen Anwälte und Menschenrechtsorganisationen um Hilfe gebeten. Ob ihnen diese gegen die Staatswillkür überhaupt helfen können, steht im Himmel über dem Indischen Ozean geschrieben. Zudem: Weder ein Anwalt noch eine Anwältin haben sich bislang bereit erklärt, die Menschen des Dorfes zu vertreten. Tansanische Menschenrechts-Organisationen fürchten die Konfrontation mit der Regierung, die bislang auch erste kritische Medienberichte ignorierte.

Das alte Ndumi, dieses historisch und archäologisch wertvolle Küstendorf, gibt es nicht mehr. Das Schleifen droht aber noch weiteren Gemeinden. Zum Beispiel Mwambani, Saru, Kivumbitifu, Magaoni, Mzingani, Mwahako, Mchukuni und Mwarongo. Ihnen wurde im April 2010 von Regierungsvertretern verschiedener Abteilungen und dem Tanga-Hafenmanager im Namen des nationalen Interesses klargemacht, dass sie noch dieses Jahr ihre Häuser räumen müssten, damit 2018 mit dem Bau der Hafenanlage begonnen werden kann.

Dafür erhielten sie Ersatzland und Kompensationsgelder, wurde ihnen abermals versprochen. Die meisten Familien sprachen sich jedoch gegen den Wegzug aus, da sie den Versprechungen misstrauten, diese keine Garantien enthielten oder die Kompensationssummen zu mickrig seien, und im klaren Widerspruch stünden zum Landrecht, wonach alle Enteignungen zum Marktpreis entschädigt werden müssen.

 

"Legalisierter Landraub"


Die Lage ist jetzt äusserst angespannt, die Leute seien enttäuscht, frustriert, wütend, erklärt uns Bwana Ukweli. Denn bereits sei eine nächste Erweiterung angekündigt worden – für den Bau eines Güterbahnhofs. Er befürchte Aufstände, sollte die Regierung ihre Pläne weiterhin so durchboxen wollen. Überdies gebe es noch andere Rechtsbrüche. Welche? "Ich zeige sie Ihnen, wenn Sie mich in Ihrem Land-Rover mitnehmen." Klar doch. Bwana Ukweli dirigiert uns auf sandigen Pisten durch Dörfer, Felder und Buschwerk. All dies soll dem neuen Hafen weichen. Dann aber zeigt unser Informant auf grosse Villen hinter Mauern oder Stracheldrahtzäunen. Alles neue Anlagen, alles auf dem Land der zum Wegziehen verdammten Menschen der Mwambani-Bucht.

"Die Villen gehören hohen Beamten oder reichen Leuten, die der Regierung nahe stehen. Müssen die Dörfer weg, damit sich solche Leute hier an bevorzugter Lage breitmachen können? Geht es hier also schlicht nur um legalisierten Landraub unter dem Vorwand von Infrastrukturen für die Landesentwicklung?", denkt Ukweli laut nach. Denn nach dem Gesetz dürfe Land nur in einem solchen Fall enteignet werden. Und auch dies nur gegen Entschädigung zum jeweiligen Marktpreis. Dieser sei für Land in den letzten Jahren enorm gestiegen, sagt Ukweli. "Für Strandlagen werden in Dar-es-Salaam und Sansibar heute Hunderttausende Dollar gezahlt, während die Bauern hier im besten Fall ein paar hundert Dollar bekommen, wenn überhaupt etwas!" Bwana Ukwelis gutmütiges Gesicht wirkt plötzlich hart.


Fehlende Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen


Wir sind zu unserem Ausgangspunkt zurückgekehrt, steigen aus dem Wagen und schlendern zur Klippe zurück. Der Abend bricht herein, ein Lüftchen streicht lindernd über die schweissnasse Haut. Vor uns das Meer, glitzernd und weit. Bald soll hier der Frieden vertrieben, die Küste aufgerissen, die Mangrovenwälder (Bild) zerstört, die Bucht zu einem Tiefseehafen ausgebaut und dessen gewaltige Infrastruktur erstellt werden.

 

Ein bald realisiertes Mammutprojekt? Oder doch nur ein tropenfiebriger Traum, der so nie verwirklicht werden kann? Auf diese Frage weiss der Tansanier noch keine Antwort. Was er aber wisse und uns jetzt erst anvertraut, setzt dieser Geschichte die Krone auf: Für den internationalen Mwambani-Hafen wurde bislang – so auch seine Kritiker im In- und Ausland – nie eine richtige Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung erstellt, obwohl gesetzlich vorgeschrieben.

Ob es diesen Hafen so überhaupt einmal brauchen wird, sei ebenfalls nie seriös abgeklärt worden. Tansanias Regierung wisse nicht einmal, woher die Milliarden Dollar kommen sollen, mit denen alles finanziert werden kann. Tatsächlich hat sich eine ursprünglich interessierte kuweitische Firma längst zurückgezogen, andere Investoren scheinen auf sich warten zu lassen. Weltbank-Vertreter bezweifeln grundsätzlich, dass der Hafen aus technischen und ökonomischen Gründen in diesen Gewässern gebaut werden kann – und geben der Modernisierung des Hafens von Dar-es-Salaam den Vorzug. 


Sie weisen auch darauf hin, dass die Mwambani-Bucht durchgängig sehr flach ist. Fazit: Die für einen Tiefseehafen unerlässliche Fahrrinne könne erst durch massive Sprengungen, Ausschachtungen und Landaufschüttungen geschaffen werden. Dies wiederum koste enorm viel Geld und mache die Ortswahl doch sehr fragwürdig.


Quastenflosser schützt Menschen


Auch Vertreter der Schifffahrtsindustrie und Exporteure weisen darauf hin, dass der bereits seit über 100 Jahren bestehende und von der deutschen Kolonialmacht gebaute Hafen in der Tanga-Bucht bei weitem nicht ausgelastet sei. Mit einer Erneuerung der Anlagen, der Anschaffung weiterer Kräne und Leichter und vor allem mit effizientem korruptionsfreiem Management könnte die Regierung ihre Kapazität jetzt schon um ein Vielfaches ausweiten, von offiziell 500'000 Tonnen auf drei Millionen Tonnen Umschlag im Jahr, und das für eine Investitionssumme von rund zehn Millionen Dollar.

Ukweli: "Dies ist ein Kleckerbetrag im Vergleich zu der Milliarde, die der neue Hafen in der Mwambani-Bucht nach Weltbank-Schätzungen mindestens kosten würde, obwohl auch er nach optimistischsten Schätzungen nur eine Kapazität von drei Millionen Tonnen im Jahr hätte!" Alles Gründe, die es der Regierung Tansanias schwer machen werden, für den neuen Hafen überhaupt Geber und Investoren aufzutreiben. Die Weltbank, bei rentabel scheinenden Infrastrukturprojekten sonst schnell dabei, hat ihre Mithilfe bereits verweigert. "Wir hegen die Hoffnung, dass der Mwambani-Tiefseehafen so nicht gebaut wird", gibt Bwana Ukweli zu.

 

Quastenflosser könnten die Menschen "schützen"

 

So oder so blieben ihm und seinen Mitstreitenden aber noch genügend Sorgen: "Die Vertreibungen, die Verletzungen der Land- und Menschenrechte und das Sterben der Quastenflosser in den Tiefwasserstellnetzen bleiben weiterhin drückende Probleme, die unbedingt gelöst werden müssen." Gefordert sei auch die Fisch-Forscherung.

 

"Quasti"-Experte Hans Fricke, dessen Tauchgänge mit einem speziellen Forschungsboot vom Basler Unternehmer, Politiker und Mäzen Heinrich Vischer (Bild) unterstützt werden: "Ob sich vor Tanga überhaupt eine sich fortpflanzende Population befindet, ist bisher nicht bewiesen – und müsste überprüft werden."


Allerdings zögern Anwohnende und Forschende, heute eine solche Studie zu empfehlen. Denn im negativen Fall besteht die Gefahr, dass der Marinepark mangels signifikanter Quasti-Populationen wieder aufgehoben wird. Dann aber hätten die Dörfer überhaupt keinen Schutz vor Enteignungen mehr: Das internationale Interesse an diesem Gebiet gilt in erster Linie den extrem seltenen Quastenflossern, eine vertraglich hochgradig geschützte Tierart.

 

"Kein Tiefseehafen im Schutzgebiet!"


Nach dem tansanischen Gesetz dürfen Landnahmen erst nach einem positiven Ergebnis der Umweltverträglichkeitsprüfung für den Hafen erfolgen. Das ist jedoch äusserst unwahrscheinlich. Trotzdem kommt es schon jetzt zu Enteignungen, obwohl der Hafen möglicherweise nie gebaut wird. Für Menschenrechtsorganisationen und Betroffene wie Ukweli ein klarer Hinweis, dass sich die Regierung auf diese Tour einfach wertvolles Land unter den Nagel reissen will.

Für Tansania ein ungewöhnliches Szenario. Denn in der Vergangenheit musste die Bevölkerung den Wildparks weichen, was oft ihre Vorbehalte gegen den Naturschutz nährte. In Mwambani aber ist das genau umgekehrt: Darf der Tiefseehafen wegen der Quastenflosser nicht gebaut werden, gäbe es keine Rechtfertigung mehr für Landnahme, Vertreibungen und Zerstörung der Mangroven. Just dies könnte der wahre Grund sein, weshalb die Regierung keine Umweltverträglichkeitsprüfung will. Deren Ergebnis wäre klar, meint Bwana Ukweli listig lächelnd: Kein Tiefseehafen im Schutzgebiet von "Quasti" dem Urfisch.

8. August 2011

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"Die Aufdrängung"
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"In der Nacht auf Dienstag kam am Totentanz in Basel zu einem Totenfall."

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Ein anschauliches Fall-Beispiel.

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Sarah Baschung leitet ab 1. April den Swisslosfonds Basel-Landschaft in der Sicherheitsdirektion und folgt auf Heidi Scholer, die in Pension geht.

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Nicola Goepfert, seit Juni Mitglied des Basler Grossen Ratse, wurde als neuer Co-Präsident der Links-Partei "Basta" gewählt.

Heiko Vogel (47), der frühere Cheftrainer, kehrt am 1. Januar 2023 als Sportdirektor zum FC Basel zurück, um den "gesamten operativen Fussball-Alltag des FCB" zu verantworten.

Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

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Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

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