© Foto by OnlineReports.ch

Bruno Mansers Luftritt ins Ungewisse

Der Basler Umweltschützer provozierte in Sarawak seine Verhaftung


Von Ruedi Suter


Bruno Manser, der Basler Umwelt- und Menschenrechts-Aktivist versucht immer verzweifelter, die Penan-Waldnomaden in Sarawak zu retten. Dabei riskiert er sogar Leben und Freiheit. Letztere verlor er gestern aus Publizitätsgründen absichtlich - nach einem riskanten Gleitflug über Sarawaks Hauptstadt Kuching. Er wurde sofort verhaftet und soll mittlerweile abgeschoben worden sein.


Der langjährige und erklärte "Staatsfeind Nummer 1" Malaysias kam ganz friedlich und als lange angekündigter Freund vom Himmel. Mit einem motorisierten Gleitschirm drehte der Ende der 80er Jahre von Eliteeinheiten Gejagte gestern über der Moschee von Kuching, der Hauptstadt des Bundesstaates Sarawak (Malaysia), und über der Privatresidenz des Chief Minister Taib Mahmud seine luftigen Runden. Die verdutzten Pilger, die sich zum islamischen Friedensfest Hari Raya Haji eingefunden hatten, wie auch die Leibwächter des Ministers lasen Versöhnliches auf einem Transparent des fliegenden Baslers, dessen Schirm mit den Flaggen Malaysias und Sarawaks geschmückt war: "Alles Gute, Taib und Penan".

Letzter Versöhnungsversuch scheiterte

Diese Wünsche sowie das symbolträchtige Lamm "Gumperli" versuchte Umwelt- und Menschenrechts-Aktivist Bruno Manser schon letztes Jahr per Gleitschirm dem Chief Minister zu überbringen. Überdies wollte er diesen um Vergebung für die vor Jahren verletzten Einreisebestimmungen bitten und ihm seine Hilfe für die Realisierung des von der Regierung 1987 versprochenen Biosphärenreservats für die Penan-Waldnomaden anbieten. Umsonst: Malaysia wehrte sich mit allen Mitteln, den unbequemen Regenwaldschützer auch nur nach einem gewöhnlichen Linienflug zu empfangen. Auf Druck der Malaysien wollte nicht einmal mehr die Singapore Airlines das unterdessen zu einem mächtigen Schaf herangewachsene "Gumperli" transportieren.

Tod oder Gefängnis bewusst in Kauf genommen

Doch Manser konnte sein Vorhaben, für das er selbst bei US-Vizepräsident Al Gore warb, nicht fallen lassen. Der Lebensraum der Penan, bei denen er sechs Jahre lebte, würde weiterhin ungebremst durch die Motorsägen und Bulldozer der Holzkonzerne zerstört, klagte er vor seiner Abreise. Noch zirka ein weiteres Jahr und die Lebensgrundlagen der Waldnomaden seien ganz vernichtet. Er sehe keinen anderen Weg mehr, als sich in Sarawak medienwirksam zu stellen und Chief Minister Taib seine ehrlich gemeinte Mitarbeit aufzudrängen. Das Risiko, abzustürzen oder im Gefängnis zu landen, nehme er in Kauf, erklärte der eigenwillige Umweltschützer.

Zu seiner Entschlossenheit, trugen Hilferufe der Penan bei wie jene aus den Dörfern Sungai Baram, Limbang und Magoh, welche die Weltöffentlichkeit bitten, sich bei der Regierung Malaysias für den Stopp der verheerenden Holzschläge einzusetzen: "Unsere Lage verschlechtert sich von Tag zu Tag."

Wald-Verwüstungen schlimmer als gedacht

Vor seiner Aktion in Kuching reiste Bruno Manser als "Geschäftsmann" getarnt nach Borneo und suchte mit einem TV-Team die zurzeit vorab von Holzfällern des Konzern Samling Co, der Polizei und der deutschen Entwicklungsorganisation GTZ bedrängten Penan im übriggebliebenen Regenwald östlich des Gunung Mulu-Nationalparks auf. In einem Handy-Gespräch meldete Manser später nach Basel, die Verwüstungen an Wald und Flüssen seien noch schlimmer als man es ihm geschildert habe. Zudem hätten ihm Penan von schweren Misshandlungen durch die Polizei berichtet. Diese verstehe sich nur als Wegbereiter und Schützer der Holzkonzerne.

Ursprünglich wollte Manser seinen mit einem Rückenpropeller angetriebenen Gleitschirm bereits am Sonntag einsetzen. Da die eingeschleuste Maschine aber den Dienst versagte, mussten Mansers Helfer kurzfristig von einem ahnungslosen Malaysier eine Ersatzmaschine auftreiben. Nach seinem Flug am Montag landete Manser neben der Residenz von Chief Minister Taib, wo er sofort verhaftet wurde. Dasselbe geschah mit elf Penan, die für ihre Sache extra ins ferne Kuching gereist waren.

Wurde Manser gleich abgeschoben?

In einem mehrstündigen Gespräch rangen die Waldnomaden den Behörden das Versprechen ab, Chief Minister Taib ihre Probleme persönlich auseinandersetzen zu können. Was aber geschah mit Bruno Manser? Dieser wurde - so die letzte, aber nicht bestätigte Information vor Redaktionsschluss - nach dem Verhör nicht etwa eingesperrt oder angeklagt oder für ein vernünftiges Gespräch zu Chief Minister Taib gebracht, sondern rasch in ein Flugzeug gesetzt - und abgeschoben.

29. März 1999


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Was Sie auch noch interessieren könnte

Waldenburgerbahn: "Modernste
Meterspurbahn Europas"

1. Dezember 2022

Am 11. Dezember geht die voll
digitalisierte neue Bahn in Betrieb.


Reaktionen

"Die Regierung igelt sich
in vielen Themen ein"

19. September 2022

Wirtschaftskammer-Direktor Christoph
Buser
über Energiepolitik und Mangellage.


Reaktionen

Gundeli: Protest gegen
drei Jahre Baulärm

12. Juli 2022

Noch müssen "Viertelkreis"-Anwohnende
mit weiteren Immissionen rechnen.


Ersatz fossiler Heizungen:
Zehntausende verunsichert

5. Mai 2022

Noch rasch eine Öl- oder Gasheizung
kaufen? Fakten zur Entscheidung.


Eine Liebeserklärung an
die Basler Stadtbäume

25. April 2022

Verein "Basel erleben" legt eindrückliche
Multimedia-Dokumentation vor.


Baselbieter Wahlen: GLP
will den Freisinn angreifen

19. April 2022

Präsident Thomas Tribelhorn will
"mindestens Fraktionstärke erreichen".


Der "Chilchacher" von
Tenniken bleibt grün

8. Februar 2022

Gemeindeversammlung schiebt Überbauungs-
plänen einen zonenrechtlichen Riegel.


Audio: "Chilchacher" bleibt grün: Abstimmungsresultat Bekanntgabe

Grosser Rat zündet bisher härteste Klima-Stufe

16. Dezember 2021

Ende für fossile Basler Heizungen bis 2035: SVP blieb mit Widerstand chancenlos.


Reaktionen

An Zwang und Freiheit
scheiden sich die Geister

16. November 2021

Peter Knechtli zum Schlussbericht
der baselstädtischen Klima-Kommission.


Reaktionen

Ab 2035: Verbot von
Öl- und Gasheizungen

15. November 2021

Die Basler Klimakommission legt ihren
umfangreichen Forderungskatalog vor.


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Anpralldämper"

Kantonspolizei Basel-Stadt
in einer Unfallmeldung
vom 7. November 2022
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Er dämpft sogar Buchstaben weg.

RückSpiegel


matthiaszehnder.ch nimmt die beiden News-Artikel aus OnlineReports zum Anlass, sich über die schrumpfende Kulturberichterstattung in den Schweizer Medien Gedanken zu machen.

Bajour zitierte OnlineReports in seinem Bericht über die Verwicklung von Bundesratskandidatin Eva Herzog in umstrittene Basler Geschäfte.

In ihrer Recherche über die sterbende Kulturberichterstattung in Basler Medien bezieht sich Bajour auf OnlineReports.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

Die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Rückkehr von Christine Keller in den Basler Grossen Rat auf.

In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Recherche über Lärm-Überschreitungen im Osten des Gundeldinger-Quartiers auf.

Auf die OnlineReports-News über den Rücktritt der Laufener Finanzkommission reagierte die BZ Basel mit einem Nachzug.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Analyse der Basler FDP auf einen OnlineReports-Artikel aus dem Jahr 2005 Bezug.

Die BZ Basel nahm in ihrem Bericht über den Protest gegen entwässerte Basler Brunnen auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-News über stehengelassene BVB-Buspassagiere wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Aufnahme von Frauen in die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über Login-Probleme bei der Basler Kantonalbank (BKB) nach. Ebenso das Regionaljournal, das aber keine Quelle nannte.

Die BZ Basel und das SRF-Regionaljournal nahmen die OnlineReports-Meldung vom Tod des ehemaligen Baselbieter LdU-Nationalrats Claudius Alder auf.

In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Nicola Goepfert, seit Juni Mitglied des Basler Grossen Ratse, wurde als neuer Co-Präsident der Links-Partei "Basta" gewählt.

Heiko Vogel (47), der frühere Cheftrainer, kehrt am 1. Januar 2023 als Sportdirektor zum FC Basel zurück, um den "gesamten operativen Fussball-Alltag des FCB" zu verantworten.

Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

Ab 1. November müssen sämtliche Personen, die den Kanton in strategischen Führungsorganen der Beteiligungen des Kantons Basel-Landschaft vertreten, ihre Vergütungen offenlegen.

Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

Am 29. Oktober, ab 10.15 Uhr, findet an der Oristalstrasse 100 A in Liestal die öffentliche Fahrzeug-Versteigerung von rund 140 Velos diverser Marken, 4 Autos (BMW X6 xDrive30d, Honda Civic 2.0i Typ R, VW T5 Kombi D 4M BMT, VW Polo Blue GT) und ein Arbeitsanhänger (BZS MA MA MA) statt.

Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

Die Evangelische Volkspartei Baselland (EVP) feierte am vergangenen 9. Oktober mit Partei- und ihren 100. Geburtstag.

Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.