Werbung

© Foto by Peter Knechtli, OnlineReports.ch
"Wirtschaftlichkeits-Überlegungen": Einweg-Schere aus dem Basler Unispital

Spital-Scheren: Kurzer Schnitt – und ab in den Sondermüll

Nur ein paar Sekunden Nutzen: Das nahezu sinnlose Leben von Einweg-Scheren in Spitälern


Von Peter Knechtli


Die Einweg-Schere im Spital wird oft nur während Sekunden gebraucht. Aber sie durchläuft einen absurden Weg von der Ressource über die Produktion bis zur Trennung in der Schlacke. Das kleine Ökologie-Dilemma als Beispiel für das grosse.


Eine mit dem Basler Universitätsspital eng vertraute professionelle Quelle kann den Missmut über eine tägliche Beobachtung nicht mehr verbergen: Wenn Pflegepersonal mit dem Verbandswagen die Patienten besucht, werden wie Klemmen oder Pinzetten auch die 14 Zentimeter langen stählernen Spitalscheren nach einmaligem Gebrauch in den Abfallkübel geschmissen. Dies auch dann – was meist und nicht nur im Unispital der Fall ist –, wenn sie bloss für einen sekundenschnellen Schnipp verwendet wurden.

"Das Spital übernimmt hier keine Vorreiterrolle. Früher wurden die Scheren in einem separaten Behälter gesammelt, gewaschen, sterilisiert und verpackt", erinnert sich die Quelle.

Wegwerfen ist günstiger

Auf Anfrage von OnlineReports heisst es aus dem Universitätsspital unter Bezugnahme auf die Medizinprodukte-Verordnung: "Einweg-Instrumente müssen zwingend nach dem Gebrauch entsorgt werden." Eine Aufbereitung dieser mit einer durchgestrichenen "2" und einem farblich gekennzeichneten Griff sei "nicht zulässig". Nur Mehrweg-Instrumente würden wieder aufbereitet.

Einweg-Instrumente seien auch früher "nie" wiederaufbereitet worden. Hingegen räumt die Klinik ein, dass Stationsmaterial in den letzten Jahren an verschiedenen Behandlungsorten tatsächlich "von Mehrweg- auf Einwegmaterial gewechselt" wurde. Die Begründung: "Wirtschaftlichkeits-Überlegungen über den gesamten Prozess" – oder ausgedeutscht: Die Wegwerf-Praxis ist günstiger.

Über die Kosten einer Wegwerf-Schere gibt das Unispital keine Auskunft. Hingegen beziffert Sprecher Martin Jordan die Zahl der jährlich verbrauchten sechs Scheren-Modellen auf 124'000 Stück.

Ökonomie geht vor

Was hier geschildert wird, ist nur ein kleines Beispiel des Dilemmas eines Betriebs zwischen Ökologie und Ökonomie – erst recht angesichts der sich verschärfenden Klimadebatte – und die Diskrepanz zwischen Aufwand (Ressourcen, Produktion, Transport, Entsorgung) und  dem eigentlichen Zweck (im Minimalfall ein einziger Schnitt zur Öffnung eines Verbands).

Wenn die Wegwerf-Scheren im Abfallkübel des Stationswagens gelandet sind, ist ihr Lebensweg noch nicht zu Ende. Laut Angaben des Unispitals werden sie als Sonderabfall in die Basler Kehrrichtverbrennungs-Anlage gebracht und dort als "klinischer Abfall" verbrannt.

Metall aus der Schlacke zurückgewonnen

Dort finden sie sich als Metallschrott in der Schlacke wieder und auch jetzt ist die Behandlung nicht beendet. Denn vor der Einlagerung der Schlacke in einer Inertstoff-Deponie werde der Metallschrott "in der Regel aus der Schlacke zurückgewonnen" und dem Schrotthandel oder der Stahlindustrie zugeführt. "Dadurch werden die Metalle wiederverwertet und das Deponievolumen geschont", gibt sich das Unispital umweltbewusst.

Die Rechnung zur Produktions-, Nutzungs- und Entsorgungskette zu machen möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser überlassen. Sie gibt sicherlich Stoff für lange philosophische Debatten über das Leben im Jahr 2019.

31. Januar 2019


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Da braucht man sich nicht zu wundern"

Meine Tochter arbeitet seit Jahren als ausgebildete Pflegefachfrau. Auch sie könnte solche Dinge aufzählen. Und es sind beileibe nicht nur Scheren, die da "entsorgt" werden. Das Gleiche bestätigt meine Frau als ausgebildete Seniorenbetreuerin in Spitälern. Da braucht man sich nicht zu wundern über die immer wiederkehrenden Diskussionen der Kosten im Spitalwesen.

Mir stellt sich da schon die Frage: Wer will da überhaupt was ändern, da sich hier verschiedene Interessen gegenüberstehen. Und niemand spricht ein Machtwort, jeder möchte doch seinen Posten behalten. Es wäre eine grosse Überraschung, wenn da was geändert würde.


Bruno Heuberger, Oberwil




"Es geht nur um die billigste Lösung"

Geschützte Arbeitsplätze in der Sterilisation werden mit dem Argument der Qualitätssicherung gestrichen. Woher der Stahl genau kommt und unter welchen Bedingungen die Rohstoffe abgebaut werden, will niemand genau wissen ("vertrauenswürdiger Drittanbieter"). Und ein paar Kilo geschmolzene Scheren in billigen Armierungseisen schliessen für mich keinen Stoffkreislauf.

Ich kenne die Wegwerf-Praxis aus eigener Erfahrung und habe nicht den Eindruck, dass hier ein "Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie" besteht. Es geht nur um die billigste Lösung. Eine Folge des Wettbewerbsdenkens im Gesundheitswesen.


Jean-Luc Perret, Basel




"Wem sage ich das!"

Mein Mann hat jahrelange in einer Abteilung der Lehre und Forschung der Universität gearbeitet. Früher, vor 30 oder mehr Jahren, war eine Dame angestellt, deren Aufgabe war es, all die Instrumente und Gefässe zu waschen und zu sterilisieren. Die Instrumente wurden in eine spezielle Folie verpackt, welche die 100 Grad oder mehr aushält. Auf die Verpackung kam ein Kleber. Während des Sterilisationsprozesses verfärbte sich der Kleber mit einem brauen Streifen, was anzeigte, dass die Sterilisation erfolgreich gewesen war.

Es war zwar schon ein Job in einem Niedriglohnsegment – aber es war ein Job für eine Dame, welche auf ihren Verdienst angewiesen war (ich habe sie und ihre Familie persönlich kennen lernen dürfen). Und der Materialverbrauch ... aber ach, wem sage ich das!


Beatrice Isler, Basel




"Warum nicht in einen zweiten Verwendungs-Kreislauf?"

Da sind die Spitäler beileibe nicht allein mit dieser brutalen Vernichtung von wertvollen Gegenständen. Ich habe Gleiches vor einem Jahr bei meinem Hausarzt erlebt: Er musste zwecks Labortests auf Verdacht  Nagelmykose eine "Nagelporobe" von meinem Zeh abschneiden. Ich war erstaunt, als er mir das exakt gleiche Scherchen, wie auf dem Bild, in die Hand drückte. Sein Kommentar kurz und bündig: "Nehmen Sie die nach Hause und brauchen sie in der Bastelwerkstatt – wir dürfen sie kein zweites Mal verwenden."

Gesagt – getan: Seither dient mir dieses hervorragende (desinfizierte) Werkzeug zum Zu- und Abschneiden von Klebebändern und -folien. Keine andere handelsübliche Hobby-Schere schafft dies, weil die Klebstoffe regelmässig die Schneidekanten jener blockieren.

Ich war begeistert über sowas und kam dann ins Grübeln: Warum können solche Dinger nicht unkompliziert in einen zweiten Verwendungs-Kreislauf gegeben werden? Getreu den Leitsätzen REFUSE, RE-USE, REPAIR, RECYCLE. Aber – ach ja – dann kommt natürlich so ein eifriger Hygiene-Kontrolleur angehüpft, verbietet dies alles und kassiert dafür eine saftige Kontrollgebühr.


Ueli Pfister, Gelterkinden



Was Sie auch noch interessieren könnte

Kaum Kategorien-Wechsel
bei regionalen Strompreisen

28. Dezember 2023

Am beliebtesten ist das Standard-Produkt,
bei der EBL liegt Atomkraft auf Platz zwei.


152 Tage und weiterhin
voller Tatendrang

29. November 2023

Jan Amsler und Alessandra Paone geben Einblick in ihre erste Zeit bei OnlineReports.


Weko büsst Deponie Höli
mit einer Million Franken

29. August 2023

Kungelei: Liestaler Deponie-Betreiberin 
verletzt das Kartellgesetz.


Reaktionen

Duell um den Ständerat:
Sven Inäbnit gegen Maya Graf

9. August 2023

Sie will die Pro-Kopf-Prämien abschaffen,
er auf keinen Fall. Das grosse Streitgespräch.


Reaktionen

Baselbieter GLP attackiert
rot-grüne Vertretung in Bern

5. August 2023

Nach erfolgreichen Landratswahlen wollen die Grünliberalen auch einen Nationalratssitz.


Tiefgefrorene Tiere.
Und schmachtende Menschen

22. Juli 2023

Das Museum.BL hat Probleme mit
Schädlingen und dem Sommer-Klima.


Paone und Amsler greifen
für Sie in die Tasten

1. Juli 2023

OnlineReports bleibt, was es ist.
Nur mehr davon.


25 Jahre OnlineReports:
Peter Knechtli sagt Adieu

30. Juni 2023

pkn., der Gründer des Pionier-Newsportals,
übergibt jetzt die Verantwortung.


Reaktionen

Baum-Politik stösst auf
wenig Begeisterung

26. April 2023

Am Beispiel "Viertelkreis": Nach dem Bau von
Verkehrsanlagen folgt der Streit um Bäume.


Reaktionen

Der Russen-Überfall und der
Gelterkinder Schrotthändler

2. Januar 2023

Wegen des Kriegs: Die Preise für das
Alteisen von Markus Graf sind im Keller.


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Carmela Monsanto

Tanti auguri caro Beat!
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Hauswürfe in Kippkantonen"

bz
vom 19. Februar 2024
in einem Zwischentitel
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wenn genügend Häuser umgeworfen sind, kippen die Kantone.

RückSpiegel


Die bz zitiert den OnlineReports-Artikel über die Wiedereröffnung des Gefängnisses in Sissach.

Baseljetzt erzählt den OnlineReports-Artikel über die Räppli-Krise nach.

Das Regionaljournal Basel, Baseljetzt, BaZ und 20 Minuten vermelden mit Verweis auf OnlineReports den Baufehler bei der Tramhaltestelle Feldbergstrasse.

Die Basler Zeitung bezieht sich in einem Interview zu den Gemeindefusionen auf OnlineReports.

persoenlich.com und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports die Personalrochade bei Prime News.

Die Volksstimme schreibt über die Wahl von Claudio Miozzari zum Grossratspräsidenten von Basel-Stadt und zitiert dabei OnlineReports.

In einem Artikel über die Leerstandsquote bei Büroflächen in Basel nimmt die bz den Bericht von OnlineReports über einen möglichen Umzug der Basler Polizei ins ehemalige Roche-Gebäude an der Viaduktstrasse auf.

Das Regionaljournal Basel und die bz berichten über die Bohrpläne der Schweizer Salinen im Röserental und beziehen sich dabei auf OnlineReports.

Landrat Thomas Noack zitiert in einem Carte-blanche-Beitrag in der Volksstimme aus dem OnlineReports-Artikel über die Finanzkrise in Baselbieter Gemeinden.

Die Nachrichtenagentur SDA nimmt Bezug auf OnlineReports und schreibt, dass SP-Nationalrätin Sarah Wyss für eine Regierungs-Kandidatur nicht zur Verfügung steht.

Baseljetzt und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports, dass Swisscom die Führungen durch den Fernsehturm auf St. Chrischona einstellt.

20 Minuten und ein Podcast der Zeit nehmen den Artikel von OnlineReports über das Hupe-Verbot für das Kinderkarussell auf dem Münsterplatz auf.

Die bz zieht den OnlineReports-Artikel über die frühere Grellinger Kirchen-Kassiererin nach, die ihre Verurteilung vor Bundesgericht anficht.

Die Basler Zeitung und Happy Radio greifen die OnlineReports-Recherche zur Girema Bau AG auf.  

 

Weitere RückSpiegel

Werbung







In einem Satz


Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.

 

Mitte-Landrat Simon Oberbeck folgt am 1. August 2024 als Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrtund Hafenwirtschaft auf André Auderset.

Die Junge SVP Basel-Stadt hat Demi Hablützel (25) einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsidentin wiedergewählt.

Dominic Stöcklin wird neuer Leiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung von Basel Tourismus.

 

Samir Stroh, aktuell Gemeindeverwalter in Brislach, übernimmt Anfang Mai 2024 die Leitung von Human Resources Basel-Stadt.

Das Sperber-Kollegium hat Sterneköchin Tanja Grandits zur "Ehrespalebärglemere 2023" ernannt.

Der mit 50'000 Franken dotierte Walder-Preis geht dieses Jahr an Konrad Knüsel, den Präsidenten des Vernetzungsprojekts Rodersdorf und des Naturschutzvereins Therwil.

Götz Arlt tritt am 1. Januar 2024 die Nachfolge von Christian Griss an und übernimmt die Stufenleitung der Sekundarschulen I im Bereich Volksschulen des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.

Michael Gengenbacher tritt am 1. Februar 2024 seine neue Stelle als Chief Medical Officer (CMO) und Mitglied der Spitalleitung beim Bethesda Spital an.

Markus Zuber übernimmt am 1. Oktober die Leitung der St. Clara Forschung AG (St. Claraspital).

Das Präsidium der Juso Baselland besteht neu aus Clara Bonk, Angel Yakoub (Vize) und Toja Brenner (Vize).