Nachhaltigkeit: Elektra Baselland weiterhin auf Kurs

Die Energieversorgerin Elektra Baselland (EBL) verzeichnete letztes Jahr einen Anstieg des Stromverbrauchs. Trotzdem sollen die Strompreise nach der jüngsten Tarifrunde drei Jahre stabil bleiben. Im Bereich erneuerbare Energien expandiert das Unternehmen.
Liestal, 19. März 2009

"Ob es einem gut geht oder schlecht, Strom braucht es immer. Entsprechend geht es uns angemessen gut." Mit diesen Worten kommentierte heute Donnerstag EBL-Verwaltungsratspräsident Reinhold Tschopp (Waldenburg) das vergangene Geschäftsjahr. Es dürfte so ziemlich das Rekord verdächtigste der über 100 Jahre alten Elektrizitätsgenossenschaft sein, folgt man Geschäftsführer Urs Steiner und Finanzchef Peter Schafroth.

17 Prozent höherer Gewinn vor Steuern und Zinsen

Bei einem um einen Fünftel gesteigerten Gruppenumsatz von rund 141 Millionen Franken wurde ein gegenüber dem Vorjahr mit 30 Millionen um 17 Prozent höherer Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebitda) ausgewiesen. Ein um gut 3 Prozent höherer Stromabsatz im Vergleich zum Vorjahr schlägt mit 664 Millionen Kilowattstunden zu Buche, wobei die durchschnittliche Kilowattstunde zu 15,2 Rappen verkauft wurde. Enthalten in den Zahlen ist das Ergebnis der im Jahr 2007 durchgeführten Tarifrunde um 6 Prozent, über alle Kundengruppen hinweg gerechnet.

Die für das Jahr 2009 angekündigte Erhöhung der Stromtarife geht laut EBL grösstenteils aufs Konto "Regimewechsel" von der Monopol-Versorgung zum freien Markt, die Anfang Jahr durch die Inkraftsetzung des eidgenössischen Stromversorgungsgesetzes Realität wurde. Nach Steiner und Schafroth rückvergütet die EBL ihren Kunden in den Monaten Januar und Februar eventuell zu hoch bezahlte Stromnebenleistungen mit der nächsten Abschlagsrechnung. Schafroth: "Das sind enorme Umtriebe, die uns entstanden sind."

Bei den Rückvergütungen dürfte es sich indes um Beträge in der Höhe einiger weniger Franken handeln. Dieser Entscheid geht auf den Beschluss des Bundesrats sowie des Elektrizitätsmarkt-Regulators ElCom zurück, der vor zwei Wochen eine von den Schweizer Stromversorgern angekündigte Erhöhung der Stromtransportkosten von rund einer Milliarde Franken auf rund die Hälfte zurückstutzte.

Strompreis-Versprechen für die nächsten drei Jahre

Für die Kunden bedeutet dies eine Erleichterung von ungefähr einem Rappen von angekündigten 2,2 Rappen pro Kilowattstunde. Überproportional betroffen sind allerdings Kleinverbraucher und engagierte Stromsparer, die neu insgesamt und prozentual deutlich mehr bezahlen müssen, weil sie durch den Überwälzungsmodus der Netzkosten am stärksten zur Kasse kommen. Bei der EBL wird dies bedauert und zugleich beteuert, dass die Mehrheit der EBL-Kunden nur geringfügige Aufschläge hinnehmen musste.

Der Preisvergleich beim Preisüberwacher ergibt für die EBL ein unterdurchschnittliches Preisniveau im Vergleich zur Restschweiz. Angesprochen auf die aufgeregten Schlagzeilen winkten Steiner und Schafroth aber ab: Im direkten Kundenkontakt seien die Tarifaufschläge kein Thema. Fakt ist, dass von den "Marktzutritts-Berechtigten" rund 400 EBL-Grosskunden kein einziger der EBL den Rücken zugekehrt hat. Aber auch die EBL selbst sucht keine neue Kunden ausserhalb ihres Konzessionsgebiets im mittleren und oberen Baselbiet. Urs Steiner dazu: "Wenn wir unseren Tarif ausserhalb unseres Stammlands anbieten würden, würde dies auf Kosten der Genossenschafter insgesamt gehen – Expansion im Strombereich ist bei uns kein Thema."

Nachhaltigkeit-Investition aus Alpiq-Dividenden

Dank ihrer blendenden finanziellen Verfassung war die EBL im vergangenen Jahr in der Lage, Investitionen von rund 50 Millionen Franken aus eigenen Mitteln aufzubringen. Dazu beigetragen haben die Dividenden der Oltner Stromhänderlin Atel (neu: "Alpiq"), an der EBL aus historischen Gründen und zum Zweck der Stromversorgung beteiligt ist. Sie betrugen mit 21 Millionen fast soviel wie der EBL-Ebitda, den immerhin rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während eines Jahres hart erarbeiteten.

"Eine komfortable Ausgangsbasis für unsere Investitionskampagne in erneuerbare Energien", kommentierte die Unternehmensspitze. Für die EBL gilt weiterhin die Maxime, dass  bis ins Jahr 2020 rund 30 Prozent ihres gesamten Energieabsatzes (Wärme in Kilowattstunden hinzugerechnet) aus neuen erneuerbaren Energien stammen soll (insbesondere von Waldhackschnitzlen, ein Gebiet, in dem die Liestaler Versorgerin heute schweizweit als Pionierin und Projektentwicklerin gilt). Daneben wird im Bereich Ein- und Mehrfamilienhaus die energetische Sanierung mit dem Programm "Jetzt – energetisch sanieren" angestossen.

Einziger Wehrmutstropfen für die EBL, in einer sonst von Arbeitsplatzabbau-Nachrichten gekennzeichneten Zeit: Es mangelt an allen Ecken und Enden an ausgebildetem Fachpersonal, was eine weitere Expansion deutlich bremst.



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