Werbung


Kinderheim "Auf Berg": Scharfe Kritik von 70 Sozial-Profis

Die Kritik an der Trägerschaft des Kinderheims "Auf Berg" in Seltisberg weitet sich aus: Nicht weniger als 70 kommunale und kantonale Sozial-Profis aus dem Baselbiet fordern in einem Brief, den beurlaubten Heimleiter wieder einzustellen und den Vorstand des Katholischen Fürsorgevereins von der operativen Verantwortung zu entbinden.
Seltisberg/Liestal, 2. April 2008

Anderthalb Monate nachdem OnlineReports auf die anhaltenden Missstände bei der Trägerschaft des Kinderheims "Auf Berg" aufmerksam machte, gehen jetzt die Sozial-Verantwortlichen der Gemeinden in die Initiative. Dies geht aus einem heute Mittwoch publizierten Offenen Brief an den Vorstand des Katholischen Fürsorgevereins hervor. Darin fordern 70 kommunale Sozial-Exponenten sowie die kantonalen Amtsvormundschaften und Andere die Wiedereinstellung des beurlaubten Leiters Simon Wiget. Zusätzlich soll der Verein eine "fachlich ausgewiesene Betriebskommission" bestimmen und – indirekt - den seit Jahren glücklos agierenden Vereinsvorstand mit Präsidentin Huberta Heinzl der direkten Geschäftsverantwortung zu entbinden. Lukas Ott, grüner Liestaler Vizestadtpräsident und einer von acht Erstunterzeichnenden: "Für die Institution ist eine fachlich einwandfreie Leitung und Betriebsstruktur überlebensnotwendig und höchste Zeit."

Im Kinderheim ist "Gefahr in Verzug"

Im Offenen Brief heisst es, beim Kinderheim sei "Gefahr in Verzug". Den Vereinsvorstand weiter machen zu lassen wie bisher, heisse, "fachlich nicht verantwortbar" zu handeln, diagnostizieren die Sozial-Experten. In nur elf Jahren wurde die Heimleitung viermal ausgewechselt und bereits drohe die nächste Auswechslung - nämlich dann, "wenn wieder eine Heimleitung eingesetzt wird, deren Schicksal praktisch voraussehbar" sei. "Man muss sich nur vorstellen, was dieser erneute ungewollte Beziehungsabbruch für die Kinder und Jugendlichen im Heim bedeutet."

Die Gemeinden - als an das Kinderheim zuweisende Behörden -zeigen sich "in grosser Sorge um das Wohl ihrer Schutzbefohlenen", begründet Ott seine schriftliche  Intervention. Der Brief ist an den rund 50-köpfigen erweiterten Vorstand des Katholischen Fürsorgevereins adressiert, der die Trägerschaft des Kinderheims bildet.

Das Schreiben ist von einer Allianz der Fachkräfte von links bis rechts unterzeichnet – darunter bekannte Namen: Albert Peter, immerhin der Gemeindepräsident der Kinderheim-Standortgemeinde Seltisberg unterstützt die Forderungen; Erwin Müller, Gemeindepräsident von Bubendorf und der lokalen Vormundschaftsbehörde sowie  Gemeinderat Christoph Rindlisbacher; der allseits anerkannte Baselbieter CVP-Politiker und Gemeinderat von Pratteln, Uwe Klein; der Frenkendörfer Gemeinderat Martin Wolf; und SP-Baselland Vizepräsident Silvio Tondi. Neben engagierten Heimleitern und Professor Heinz Müller setzen sich Exponenten der Sozialdienste und Vormundschaftsbehörden ein, so jene von Allschwil, Arlesheim, Birsfelden, Binningen, Bubendorf, Frenkendorf, Füllinsdorf, des Laufentals, Liestal, Lausen, Lupsingen, Muttenz, Frenkendorf, Reinach, Sissach, Pratteln.

Simon Wiget, der vom Fürsorgeverein beurlaubte Heimleiter, hielt seine Reaktion auf das Schreiben gegenüber OnlineReports zurück. Für Wiget, der gerne helfen würde "die Dinge zum Besseren zu wenden", wäre eine "rasche Klärung der Lage" im Interesse aller Beteiligten.

Unterschiedliche kantonale Gefahreneinschätzung

Eins führt der Offene Brief erstmals überdeutlich vor Augen: Zwischen den mit dem Kinderheim befassten Experten beim Kanton tut sich ein Graben auf. So unterzeichneten auch Exponenten aller sechs kantonalen Amtsvormundschaften den Offenen Brief. Sie zählen zu den Behörden, welche auf Antrag gefährdete und/oder in Not geratene Kinder und Jugendliche den stationären Jugendhilfen zuweisen. Diesen fehlt offenkundig das restlose Vertrauen in die bisherigen beschwichtigenden, aber folgenlosen Beteuerungen der mit der gesetzlichen Aufsicht des Heims betrauten Fachstelle für Sonderschulung-, Jugend- und Behindertenhilfe sowie dessen Direktionsvorsteher Urs Wüthrich.

Seit Kurzem steht SP-Regierungsrat Wüthrich in einer vergleichbar prekären Angelegenheit unter Kritik. Nach einem Artikel in der Basler Zeitung, wächst der Druck auf ihn, den Namen eines verurteilten, aber weiterhin beschäftigten Lehrers und Pädosexuellen zu veröffentlichen. Insider munkeln deshalb, dass Wüthrich den Fall "Auf Berg" genauso zur "Chefsache" machen will, damit er am Schluss nicht völlig als "lahme Ente" dasteht.

Pikant: Nachdem Ende letzte Woche die kantonale Unterschriftensammlung für den Offenen Brief ruchbar wurde, flatterte den Redaktionen am Montag umgehend eine Einladung Wüthrichs zu einer Medienkonferenz vom kommenden Freitag ins Haus. Bisher hatte die kantonale Fachstelle den Fall seit Wochen stets herunterspielt. Für Fachstellenleiter René Broder, der den Nerv zeigte, in die Osterferien zu verreisen, gab es lediglich "strukturelle Probleme".

Derweil gibt es einen Verlierer: Die Schutzbefohlenen im Kinder- und Jugendheim, für welche die Gemeinden die öffentliche Verantwortung übernahmen. Und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Kinderheim beschreiben die Stimmung mit drastischen Worten als "so mies wie noch nie" – eine Atmosphäre, die, unter nie geklärten Umständen, vor zwei Jahren bereits ein Menschenleben kostete.

Das Dokument: Der Offene Brief




Weiterführende Links:
- Knatsch im Kinderheim: Heimleiter wirft Handtuch
- Heimleiter-Wechsel am Fliessband
- Kinderheim "Auf Berg": Amtsvormünder intervenieren
- Kinderheim-Krise: Gespräche ergebnislos
- Kinderheim "Auf Berg": Maulkorb für Mitarbeitende
- Kinderheim-Krise: Kanton liess die Zügel schleifen
- Kinderheim "Auf Berg": Ausschluss aus Konferenz
- Der tragische Tod eines Teenagers im Seltisberger Kinderheim
- Trägerschaft foutiert sich um Kantons-Forderungen


 Ihre Meinung zu dieser News
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Der frühere Lichthof wird zum Spatio"

bz
vom 28. Februar 2024
in einem Zwischentitel
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Fremdwörter sind Glücksache. Im Text steht "Patio", spanischer Begriff für (Innen-)Hof. Spazium ist auch hübsch.

RückSpiegel


Die bz zitiert den OnlineReports-Artikel über die Wiedereröffnung des Gefängnisses in Sissach.

Baseljetzt erzählt den OnlineReports-Artikel über die Räppli-Krise nach.

Das Regionaljournal Basel, Baseljetzt, BaZ und 20 Minuten vermelden mit Verweis auf OnlineReports den Baufehler bei der Tramhaltestelle Feldbergstrasse.

Die Basler Zeitung bezieht sich in einem Interview zu den Gemeindefusionen auf OnlineReports.

persoenlich.com und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports die Personalrochade bei Prime News.

Die Volksstimme schreibt über die Wahl von Claudio Miozzari zum Grossratspräsidenten von Basel-Stadt und zitiert dabei OnlineReports.

In einem Artikel über die Leerstandsquote bei Büroflächen in Basel nimmt die bz den Bericht von OnlineReports über einen möglichen Umzug der Basler Polizei ins ehemalige Roche-Gebäude an der Viaduktstrasse auf.

Das Regionaljournal Basel und die bz berichten über die Bohrpläne der Schweizer Salinen im Röserental und beziehen sich dabei auf OnlineReports.

Landrat Thomas Noack zitiert in einem Carte-blanche-Beitrag in der Volksstimme aus dem OnlineReports-Artikel über die Finanzkrise in Baselbieter Gemeinden.

Die Nachrichtenagentur SDA nimmt Bezug auf OnlineReports und schreibt, dass SP-Nationalrätin Sarah Wyss für eine Regierungs-Kandidatur nicht zur Verfügung steht.

Baseljetzt und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports, dass Swisscom die Führungen durch den Fernsehturm auf St. Chrischona einstellt.

20 Minuten und ein Podcast der Zeit nehmen den Artikel von OnlineReports über das Hupe-Verbot für das Kinderkarussell auf dem Münsterplatz auf.

Die bz zieht den OnlineReports-Artikel über die frühere Grellinger Kirchen-Kassiererin nach, die ihre Verurteilung vor Bundesgericht anficht.

Die Basler Zeitung und Happy Radio greifen die OnlineReports-Recherche zur Girema Bau AG auf.  

 

Weitere RückSpiegel

Werbung







In einem Satz


Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.

 

Mitte-Landrat Simon Oberbeck folgt am 1. August 2024 als Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrtund Hafenwirtschaft auf André Auderset.

Die Junge SVP Basel-Stadt hat Demi Hablützel (25) einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsidentin wiedergewählt.

Dominic Stöcklin wird neuer Leiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung von Basel Tourismus.

 

Samir Stroh, aktuell Gemeindeverwalter in Brislach, übernimmt Anfang Mai 2024 die Leitung von Human Resources Basel-Stadt.

Das Sperber-Kollegium hat Sterneköchin Tanja Grandits zur "Ehrespalebärglemere 2023" ernannt.

Der mit 50'000 Franken dotierte Walder-Preis geht dieses Jahr an Konrad Knüsel, den Präsidenten des Vernetzungsprojekts Rodersdorf und des Naturschutzvereins Therwil.

Götz Arlt tritt am 1. Januar 2024 die Nachfolge von Christian Griss an und übernimmt die Stufenleitung der Sekundarschulen I im Bereich Volksschulen des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.

Michael Gengenbacher tritt am 1. Februar 2024 seine neue Stelle als Chief Medical Officer (CMO) und Mitglied der Spitalleitung beim Bethesda Spital an.

Markus Zuber übernimmt am 1. Oktober die Leitung der St. Clara Forschung AG (St. Claraspital).

Das Präsidium der Juso Baselland besteht neu aus Clara Bonk, Angel Yakoub (Vize) und Toja Brenner (Vize).