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Helmut Hubacher: Der Grand Old Man der SP ist tot

Mit Helmut Hubacher verliert die Schweiz einen herausragenden Politiker, aber auch ein wandelndes Lexikon. Ein Mann, der sagte, was er dachte – auch mal gegen seine eigenen Genossen.
Basel, 20. August 2020

Der langjährige Basler SP-Nationalrat und ehemalige SPS-Parteipräsident Helmut Hubacher ist tot. Er starb gestern Mittwoch im Alter von 94 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit, wie die Familie Informationen von OnlineReports heute Donnerstagmorgen bestätigte. Er hinterlässt seine Ehefrau Gret, zwei Töchter und einen Sohn. Noch bis vor zwei Monaten war der einstige Chefrdaktor der "Basler AZ" als Kolumnist tätig.

"Diese Schweiz ist alles in allem ein fantastisches Land." Dies war der letzte Satz seines letzten Textes, den er am 27. Juni für die "Basler Zeitung" verfasste, in der er während 22 Jahren die Leserschaft mit eiserner Regelmässigkeit mit Informationen, Kommentaren und Hintergründen vor allem über die Bundespolitik versorgte.

Ein Mann mit Elefantengedächtnis

Kein Schweizer Politiker wie Helmut Hubacher war in jüngerer Zeit in der Lage, die politischen Vorgänge während mehr als eines halben Jahrhunderts aus eigenem Erleben zu überblicken und einzuordnen wie er. Der in Krauchthal BE geborene Sozialdemokrat bestach – auch in seinen politischen Voten – mit seinen kurzen, messerscharfen Sätzen ebenso wie mit seinem Elefantengedächtnis.

Hubacher schrieb auch mehrere Bücher zum politischen Geschehen, unter anderem "Schaubühne Bern". OnlineReports besprach die Polit-Memoiren im August 2007, die ebenso viel über Mensch und Wesen des Autors aussagen.

Der Endlos-Nationalrat

Den grössten Teil seines Lebens verbrachte Hubacher in Basel. Von hier aus machte der junge Gewerkschafter erst als Journalist und später während 15 Jahren als Präsident der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz linke Politik. 1963 kam er als Nachrückender in den Nationalrat, dem er, animal politique sondergleichen, schier endlose 34 Jahre angehörte.

Während 19 Jahre führte Hubacher als "Sekretär" das Basler "Gewerkschaftskartell", wie der lokale Gewerkschaftsbund damals hiess.

Dass er von der Bundeshaus-Bühne nicht genug kriegen konnte, hat eine banale Erklärung: Politik war sein Lebenselexier, sie durchdrang ihn von der Scheitel bis zur Sohle. Im Nationalrat war er die unbestrittene linke Leitfigur, die in den achtziger Jahren mit dem Gang in die Opposition drohte und mit den Militärausgaben kritisch ins Gericht ging.

Die "Viererbande"

Mit Helmut Hubacher starb auch das letzten Mitglied der legendären sogenannten "Viererbande", der auch Andreas Gerwig, Lilian Uchtenhagen und Walter Renschler angehörten, und die die Politik der SP-Fraktion massgeblich prägte. Auf kantonaler Ebene blieb dem gelernten Eisenbähnler der Erfolg versagt: Seine Kandidatur für den Basler Regierungsrat blieb erfolglos.




Weiterführende Links:
- Enthüllen, parlamenatrisch immun


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"Ein äusserst streitbarer Politiker"

Helmut Hubacher war mir ein Begriff, lange bevor ich ihn als als Person kennenlernte. Denn über niemanden in Bern hat sich mein Vater derart aufgeregt und über niemanden hat er derart oft gesprochen wie über Helmut Hubacher.

Nicht nur seine bestechenden Reden hatten es dem Gemüt meines Vaters angetan, auch seine politische Haltungen, die zu seiner Zeit sehr modern und manchmal auch gleichzeitig sehr altmodisch waren.

Mich wunderte als junge Politikerin in Basel, dass einer mit einem solch breiten Berndeutsch es schaffte, die heiklen Basler, was ihren Dialekt betrifft, während so langer Zeit in Bern zu vertreten.

Für mich war er ein äusserst streitbarer Politiker, wie wir sie heute nicht mehr akzeptieren wollen.

Wäre er heute Politiker, hätte er es mit seinem unberechenbaren frechen Mundwerk schwer, als Repräsentant der SP von den eigenen Genossen gewählt zu werden.

Helmut, ich werde deinen Stil der Politik schwer vermissen und wünsche Gret und deinen Nachkommen alles Gute.
 


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In einem Satz


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