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Vorwürfe an die Polizei: Schwarzer Schüler verhaftet

Basel, 1. Oktober 2021

Die "Anlaufstelle für Sans-Papiers" erhebt schwere Vorwürfe an die Basler Polizei: Sie habe am 9. September den schwarzen Schüler Tayo Mbye (22) im Rahmen eines Schulausflugs an der Schifflände festgenommen. Seither befinde er sich in Haft.

Der Ausflug habe den Zweck gehabt, "die Stadtgeschichte und wichtige Bauten kennenzulernen", schreibt die Anlaufstelle. Ein Teil der Klasse sei vorgegangen und habe an der Schifflände auf die zweite Gruppe und die Lehrperson gewartet. Schüler Tayo, der sich illegal in der Schweiz aufhält, sei mit seinen Schulkameradinnen und -kameraden zuerst am abgemachten Treffpunkt gewesen.

Kurze Zeit später seien Polizisten aus einem Patrouillenwagen ausgestiegen und hätten verlangt, dass sich der Junge ausweise. Laut der "BZ" wurde er darauf hin in Handschellen abgeführt.

"Rassistische Polizei-Kontrolle"

Die Sans-Papiers-Aktivisten werfen der Polizei eine "rassistische Kontrolle" vor, da der Schüler der einzige Schwarze an der Schifflände gewesen sei. Aus den Akten gehe hervor, dass "lediglich der rechtswidrige Aufenthalt dazu geführt hat, dass Tayo Mbye kontrolliert wurde". Als die Lehrperson mit dem Rest der Klasse ankam, habe sie sofort interveniert, doch die Polizei habe sie nicht zu Wort kommen lassen.

Wie "Anlaufstelle"-Sprecherin Katharina Boerlin in einer Mitteilung schreibt, zeige dieses Beispiel, dass die Grundrechte "nicht für alle Bewohnenden des Landes gleich zählen". Gegenüber OnlineReports präzisierte sie, der Sans-Papier habe in der Stadt Basel eine staatliche Brückenangebots-Schule besucht. Dieses Grundrecht auf Bildung sei dem jungen Mann verwehrt worden.

Schule soll "geschützter Raum" bleiben

Fast gleichzeitig reagierte die Gewerkschaft VPOD mit einer Stellungnahme. Das "mutmassliche Vorgehen der Basler Polizei" führe dazu, "dass sich Lehrpersonen künftig zweimal überlegen, ob sie mit ihren Schülerinnen und Schülern einen Ausflug machen" oder sich gar "Gedanken über den Aufenthaltsstatus ihrer Schülerinnen und Schüler machen und sie unterschiedlich behandeln".

Die Forderung der Gewerkschaft: "Das Erziehungsdepartement und das Justiz- und Sicherheitsdepartement müssen sich öffentlich zum geschützten Raum Schule bekennen, damit das verlorengegangene Vertrauen wieder zurückgewonnen werden kann." Die "Anlaufstelle" werde das Gespräch mit Sicherheitsdirektorin Stephanie Eymann den Kontakt suchen.

Simon Thiriet, der Sprecher des Erziehungsdepartements, zu OnlineReports: "Wir geben da öffentlich keine Auskunft, sondern schauen auf unserer Seite intern, dass da möglichst schnell eine Lösung gefunden wird."

Schulausflug: Kein Schutz vor Strafverfolgung

Kapo-Sprecher Adrian Plachesi betont in einer Stellungnahme an die Medien, die Polizei sei "auf die Thematik Rassismus und Personenkontrollen sensibilisiert". Personenkontrollen würden "auf einen konkreten Verdacht hin durchgeführt, unabhängig von der Hautfarbe oder Nationalität". Ein Verdachtsmoment könnte beispielsweise darin bestehen, dass "eine Person mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten ist und/oder bekanntermassen über kein Aufenthaltsrecht verfügt". Ein Schulausflug schütze "insbesondere erwachsene Personen ohne Aufenthaltsrecht nicht vor Strafverfolgung oder Personenkontrollen".



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"Und: huch! in Handschellen gelegt"

Quasi in flagranti ertappt und: huch! in Handschellen gelegt! Sonst wäre er noch ab ins Schulhausasyl geflohen und hätte dort seine Hausaufgaben gemacht.


Viktor Krummenacher, Bottmingen




"Es ist ja nicht das erste Mal"

Sie kennen offensichtlich die Situation in Basel nicht (mehr), Herr Laissue. Es ist ja nicht das erste Mal, dass nur schwarze Bürger von der Polizei kontrolliert wurden, Stichwort Drei Rosen-Park (das zu Handen von Kapo-Sprecher Plachesi). Sein Kommentar ist übrigens in diesem Fall sowas von einem hanebüchernen Unsinn, ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Schweigen wäre diesmal die bessere Lösung gewesen.


Bruno Heuberger, Oberwil




"Stossender Titel"

Ich schätze OnlineReports sehr. Den Titel "schwarzer Schüler" finde ich stossend. Dies zur heutigen Zeit. Hat mich insbesondere sehr erstaunt in ihrem Portal.


Gilbert Laissue, Chonburi, Thailand




"Wie ein Schwerverbrecher"

Da wird doch tatsächlich ein «Sans Papiers» wie ein Schwerverbrecher in Handschellen abgeführt und wochenlang festgehalten. Das sieht schon ein wenig nach USA aus.


Hanspeter Berger, Basel




"Vordergründige Tätersuche-Mentalität"

… "lediglich der rechtswidrige Aufenthalt dazu geführt hat, dass Tayo Mbye kontrolliert wurde". Woher wusste die Polizei, dass der Schüler angeblich rechtswidrig an der Schifflände war?

…"auf einen konkreten Verdacht hin durchgeführt, unabhängig von der Hautfarbe oder Nationalität". Mir stinkt diese vordergründige Tätersuche-Mentalität und die nicht dazu passenden Erklärungsversuche.


Felix Bornhauser, Basel



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