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Der Klimawandel kommt Basel teuer zu stehen

Hochwasser, Hagelschlag, Sturmwind: Basel-Stadt rechnet mit massiven Auswirkungen des Klimawandels, wie eine Studie ergab. Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe sind erforderlich.
Basel, 24. August 2011

Der vom Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt in Auftrag gegebene "Bericht über die Folgen des Klimawandels im Kanton Basel-Stadt" rechnet in der Schweiz und in Basel infolge des Klimawandels mit wesentlichen Veränderungen:

• Im Winter, Herbst und Frühjahr wird es durchschnittlich 2 Grad wärmer sein – im Sommer rund 3 Grad wärmer.

• Die Niederschlagsmengen werden im Winter um rund 10 Prozent zunehmen, im Sommer um rund 20 Prozent abnehmen.

• Allgemein ist mit einer Häufung von Extremereignissen wie Hitzewellen, Trockenperioden, Starkniederschlägen und Überschwemmungen zu rechnen.

Für den Kanton Basel-Stadt stellt für Gebäude und Infrastruktur Hagelschlag das grösste Gefährdungspotenzial dar, gefolgt von Hochwasser und Sturmwind. Die Konzentration von Gebäuden und Anlagen mit hohem Wert im Kanton führe dazu, "dass bereits bei einem mittelgrossen Hagelschlag unzählige Policen von hohen Schäden betroffen sind", heisst es im Communiqué des Departements. Der effektivste Schutz vor Hagelschäden werde durch die Verwendung von hagelgeeigneten Baumaterialien erreicht.

Fernwärme verringert Birsig-Durchlaufmenge

Das grösste Überschwemmungspotenzial im Kanton stellt der Birsig dar. Es werde insbesondere dadurch verschärft, dass die Durchflussmenge der Birsigüberdeckung zwischen der Munimattbrücke bei der Heuwaage und dem Rhein durch den Einbau der Fernwärmehauptleitung und durch die Korrektion des Einlaufbauwerks im Bereich Munimattbrücke verringert wurde. Als wichtigste Massnahme soll die Fernwärmehauptleitung aus dem Birsigstollen in die angrenzenden Strassen verlegt und das Einlaufbauwerk wieder auf die frühere Abflussgrösse zurückgebaut werden.

Die Fliessgewässer und die Gewässerökologie werden vor allem durch die steigende Gewässertemperatur infolge der Klimaerwärmung negativ beeinflusst. Während den Sommermonaten wird sich laut der Studie "die Situation aufgrund der industriellen und gewerblichen Nutzung von Rheinwasser zu Kühlzwecken zusätzlich verschärfen". Industrie und Gewerbe seien deshalb aufgerufen, "andere Lösungen für die Gewährleistung ihres Kühlbedarfs während Hitzeperioden zu entwickeln".

Grundwassertemperatur steigt an

Das Grundwasser wird durch Veränderungen der Niederschlagshäufigkeit und der Verdunstungsrate beeinflusst. Dadurch sei auch eine Veränderung des Grundwasserangebots zu erwarten. Der seit einigen Jahren beobachtete Anstieg der Grundwassertemperatur ist teilweise auf die Klimaerwärmung und teilweise auf menschengemachte Faktoren wie Kellerbauten, Wassernutzungen oder Versiegelungen zurückzuführen. Die Ursachen und die Dynamik der Veränderung der Grundwassertemperatur und der Grundwasserneubildung seien erst noch zu erkunden. Darauf abgestützt müssen Lösungen für die Interessenskonflikte der Grundwassernutzung erarbeitet werden.

Ebenfalls negativ beeinflusst durch häufigere Hitze- und Trockenperioden im Sommer wird das Trinkwasser: Die Wasserführung des Rheins vermindert sich, wodurch die von den Kläranlagen abgegebenen Restfrachten weniger verdünnt werden und die Schadstoffkonzentrationen schneller in den Bereich der Grenzwerte ansteigen. Bei Grenzwertüberschreitungen muss die Versickerung von Rheinwasser unterbrochen werden.

Das Problem stellt sich insbesondere in den Lange Erlen, da sich deren Rohwasserentnahme unterhalb der Chemiekläranlagen in Grenzach und Pratteln befindet. Die Industriellen Werke Basel erstellen derzeit eine Studie zur Wasserversorgung 2030, die unter anderem die verschiedenen Möglichkeiten einer redundanten Rheinwasserentnahme prüft.

Der Klimawechsel betrifft auch die Rheinschifffahrt, die in ihrer Leistungsfähigkeit sowohl bei Hochwasser als auch bei Niederwasser eingeschränkt wird. Möglicher Lösungsansatz: eine Austiefung der Fahrwasserrinnen.

Teure Massnahmen

Die grössten Kosten für Massnahmen mit vordringlichstem Handlungsbedarf fallen in den Sektoren "Gebäude und Infrastruktur" sowie "Trinkwasser" an. Die Kosten für die Verlegung der Fernwärmeleitung aus dem Birsigstollen belaufen sich beispielsweise allein auf rund 20 Millionen Franken. Für die allfällige Leitungsverlegung der Rohwasserentnahme im Rhein oberhalb der Chemiekläranlagen muss mit einem zweistelligen Millionenbetrag gerechnet werden. Für die Austiefung der Fahrwasserrinne des Rheins muss mit Kosten von einer bis drei Millionen Franken gerechnet werden.



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