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© Foto by Daniel Thiriet


Patricia Cornwell: "Leichenblass"

Basel, 1. Mai 2024

Es ist mir jeweils nicht ganz wohl dabei, wenn ich Bücher, die anderweitig viel Lob einfahren oder zu einer Serie gehören, die schon lange anhält und immer erfolgreich war, nicht überschwänglich lobe oder diese gar schlecht finde. 

Patricia Cornwells "Leichenblass" ist so ein Buch. Es ist ein "Fall für Kay Scarpetta". Und da fängt es schon an. Scarpetta hat mittlerweile 27 Fälle gelöst und schnipselt als Rechtsmedizinerin gekonnt und präzise so lange an den Leichen herum, bis der Fall, aus dem sie stammen, gelöst ist.

Die Autorin kommt ebenfalls aus der Rechtsmedizin – sie war dort eine Reporterin – und weiss also, wovon sie schreibt. Und ich bin sicher, dass mehrere der 27 vorherigen Fälle ausserordentlich gute Krimis sind. Der Spiegel bezeichnet Cornwell als "erfolgreichste Thrillerautorin der Welt" (was beim Spiegel nicht so viel bedeuten muss ...). 

Ich habe das Buch gekauft und gelesen. Der Ehrlichkeit halber muss ich festhalten, dass es mein erster Kay-Scarpetta-Roman ist. Und leider auch der letzte. Denn die Autorin schweift dermassen stark von der Erzähllinie ab, dass einem ganz schwindlig wird. Die Protagonistin hat ein kompliziertes Privatleben, das dann auch intensiv beschrieben wird.

Ich möchte einen kleinen Abschnitt aus dem Buch zitieren. Wir sollten nicht vergessen: Es ist ein Thriller. Es ist ein komplizierter Kriminalfall mit terroristischem Ausmass. Die Protagonistin kommt nach Hause, um sich kurz umzuziehen und mit ihrem – ebenfalls in den monströsen Fall involvierten Ehemann – etwas zu essen: 

"Unten erklingt leise Die Zauberflöte. Bestimmt hat Benton das aufgelegt. Ich habe Hunger und mir steigt der Geruch von Knoblauch, Ricotta und Basilikum in die Nase. Offenbar kocht jemand. Ich bin es jedenfalls nicht ..."

Die Geschichte ist langsam und sie packt mich zu keinem Moment, obwohl sehr viel Blut vorkommt und sehr viele brutale Details – besonders bei den rechtsmedizinischen Tätigkeiten – beschrieben werden. 

Vielleicht bin ich zu spät in die Serie eingestiegen, denn sicherlich kann Frau Cornwell Krimis schreiben. Einfach nicht für mich.

 

Diese Buchbesprechung entstand in einer Kooperation mit der von Daniel Thiriet betriebenen Website buechercheck.com.




Weiterführende Links:
- Rachel Joyce: "Die Entdeckungsreise der Maureen Fry"
- Daniel Izquierdo-Hänni: "Falsches Spiel in Valencia"
- Nele Neuhaus: "Monster"


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"Hätten Sie, im Nachhinein betrachtet, mehr machen müssen, um die Menschen (insbesondere auch im Unterbaselbiet) zu überzeugen?"

BaZ
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