News


Ammanns Schlusswort: "Dieser Seich ist unentschuldbar"

Plädoyers im Berufungsprozess vor dem Baselbieter Kantonsgericht über das Familien-Drama des ehemaligen SD-Politikers Franz Ammann: Die Einschätzung der Rückfallgefahr bleibt umstritten.
Liestal, 13. März 2012

Staatsanwältin Caroline Horny hatte schon gestern Montag ihre Appellation, mit der sie nochmals eine Beurteilung über die mögliche Verwahrung Ammans zur Debatte stellen wollte, zurückgezogen. Grund: Ein nicht persönlichkeitsgestörter Ersttäter – und das war der Angeklagte – kann laut damals geltendem Recht nicht verwahrt werden.

Zentrales Gewicht in dieser Verhandlung hat die Frage, wie gross Franz Ammanns Rückfallgefahr ist: Wäre er nach einer Freilassung dereinst in der Lage, sich an Angehörigen zu rächen für das Unrecht, das ihm, dem mit der Pistole auf Menschen Schiessenden, nach seiner Wahrnehmung widerfahren ist? Der forensische Psychiater Martin Kiesewetter konnte oder wollte darauf keine klare Antwort geben. Anklage und Verteidigung anderseits trugen gegenläufige Standpunkte vor.

Scharfe Kritik am psychiatrischen Experten

Verteidiger Alain Joset äusserte denn auch scharfe Kritik am Sachverständigen Kiesewetter und seiner Akten-Expertise, die längst nicht mehr auf dem neusten Stand sei: Sein Auftritt sei "alles andere als stilsicher" gewesen, "unvorbereitet und unseriös". Appellant Ammann habe die Abgabe von zwei Schüssen auf seine Tochter und ihren Freund und heutigen Ehemann am 25. April 2004 in Muttenz verarbeitet und distanziere sich heute von der Tat. Aus seiner Weigerung, in eine Therapie einzuwilligen, dürfe keine Rückfallgefahr abgeleitet werden. Ammann habe "mit seinem früheren Leben gebrochen" und seine "eigene Strategie zu Trauma-Bewältigung gewählt".

Die Verteidigung bestritt auch, dass das Qualifikationsmerkmal "Mord" für die Tat seines Mandanten erfüllt sei, da hiefür ein "besonders" skrupelloses Vorgehen nachgewiesen werden müsse. Bei den von der Tochter angezeigten Sexualdelikten handle es sich um "abstruse Behauptungen" oder gar Lügen. Darum müsse die "sehr harte Strafe der Vorinstanz" – 14 Jahre Freiheitsentzug – "erheblich reduziert werden".

Staatsanwältin bleibt bei 14 Jahren

Die Staatsanwältin beharrte auf einer Bestätigung der Strafe von 14 Jahren wegen versuchten Mordes. Ammann habe "bewusst und gezielt geschossen" und damit "in Tötungsabsicht, planmässig und vorsätzlich gehandelt, um die entglittene Kontrolle über seine Tochter zurückzuerlangen. Mit seiner Unfähigkeit zur Introspektion zeige sich der Appellant auch heute noch "selbstgerecht, gewissenlos, egoistisch und überheblich". Laut der Anklägerin besteht noch immer eine Rückfallgefahr, weshalb sie die "dringende Empfehlung zu einer freiwilligen Therapie" abgab. Einen Freispruch attestierte sie Ammann einzig bezüglich des Verstosses gegen das Waffengesetz, weil ein bei ihm aufgefundenes Messen nicht darunter falle.

Opferanwalt Dieter Roth beantragte, dass es – entgegen der Vorinstanz – auch bezüglich der vorgeworfenen Sexualtatbeständen zu einem Schuldspruch komme. Ebenso soll die der mittlerweile physisch geheilten Tochter zustehende Genugtuungssumme von 30'000 auf 100'000 Franken erhöht werden.

Franz Ammanns Schlusswort

"Das Ganze tut mir leid", sagte Ammann in seinem Schlusswort. "Ich habe hart an mir gearbeitet und will in Frieden in die Zukunft schauen." Dieser "Seich", den er gemacht habe, "ist unentschuldbar".

Das Urteil des Kantonsgerichts wird am Donnerstag eröffnet.




Weiterführende Links:
- Ex-Landrat Franz Ammann muss 14 Jahre hinter Gitter
- "Als Landrat kann mir nichts passieren"
- Rückzug im Fall Ammann: Keine Verwahrung
- Fall Ammann: "Er plante das Gespräch, nicht die Schüsse"
- Fall Ammann: Anklage fordert 15 Jahre und Verwahrung
- Ammann-Prozess: Die Tochter sei "des Satans Braut"
- Fall Ammann: "Es gab immer wieder Psycho-Terror"
- Franz Ammann: Belohnung auf 10'000 Franken erhöht
- Psychiatrische Klinik Liestal: Franz Ammann geflüchtet
- Schiesserei: Ex-Landrat Franz Ammann stellte sich
- Schüsse auf Tochter: Ex-SD-Landrat Ammann unter Verdacht
- Ex SD-Landrat Franz Ammann wird angeklagt
- Antrag auf Anklage gegen ex-SD-Landrat Franz Ammann
- Flüchtiger Ex-Landrat Franz Ammann gefasst


 Ihre Meinung zu dieser News
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Weitere aktuelle News

News

Basel UPK prüft rechtliche Schritte gegen Forschungs-Projektleiter
Krankheit Gewaltmarsch gegen Diabetes durch Kanadas Wildnis
Kopfprämie 5'000 Franken für Muttenzer Tankstellenräuber
Gelterkinden Antennen-Streit: Vermieter und Gegner gemeinsam
Parteien Weber und Wunderer im Vizepräsidium der SVP BL
Basel Dachstockfeuer im Kleinbasel – Brandstiftung möglich
Basel Initiative für aktive Bodenpolitik eingereicht

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Wenn ihr etwas verloren habt, gebt es im Fundbüro ab."

Radio SRF
am 27. August 2022
um 17.28 Uhr
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Mir ist entfallen, was ich soeben vergessen habe.

RückSpiegel


In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Recherche über Lärm-Überschreitungen im Osten des Gundeldinger-Quartiers auf.

Auf die OnlineReports-News über den Rücktritt der Laufener Finanzkommission reagierte die BZ Basel mit einem Nachzug.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Analyse der Basler FDP auf einen OnlineReports-Artikel aus dem Jahr 2005 Bezug.

Die BZ Basel nahm in ihrem Bericht über den Protest gegen entwässerte Basler Brunnen auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-News über stehengelassene BVB-Buspassagiere wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Aufnahme von Frauen in die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über Login-Probleme bei der Basler Kantonalbank (BKB) nach. Ebenso das Regionaljournal, das aber keine Quelle nannte.

Die BZ Basel und das SRF-Regionaljournal nahmen die OnlineReports-Meldung vom Tod des ehemaligen Baselbieter LdU-Nationalrats Claudius Alder auf.

In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.

Der Verein "Treffpunkt Arlesheim" (ehemals "Verkehrsverein Arlesheim") beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, sich aufzulösen.

Gleichzeitig mit dem Start der Bundeskampagne zum Energiesparen senkt die Basler Regierung die Heiztemperatur in seinen Verwaltungsgebäuden auf 19 Grad Celsius.

Der Liestaler Stadtrat hat beschlossen, den "Engel-Saal" unter dem Namen "Stadtsaal" in eigener Regie zu betreiben, womit er den Liestaler Vereinen zukünftig zu vergünstigten Konditionen angeboten werden kann.

Die Baumann & Cie übernimmt rückwirkend per 30. Juni 100 Prozent der Aktien der Vögeli Vermögensverwaltung AG.

In Basel-Stadt ist am 19. August die aus Lehrerkreisen angeregte Initiative zur Erweiterung der Integrativen Schule durch heilpädagogisch geführte Förderklassen eingereicht worden.

Die beiden Ludotheken Bläsi und St. Johann der Robi-Spiel-Aktionen werden nach 2022 nicht weiter betrieben.

Anouk Feurer, die Co-Präsidentin des "Jungen grünen Bündnisses Nordwest", ist Nachrückende für die zurücktretende grüne Basler Grossrätin Michelle Lachenmeier.

Die grosse Silberlinde im Riehener Solitude-Park musste durch die Stadtgärtnerei gefällt werden, weil sich aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit zwei gefährliche Risse im Kronenansatz gebildet haben und der Baum zusätzlich stark in Schieflage geraten ist.

Auch die Gemeinden Arisdorf, Bubendorf, Frenkendorf, Füllinsdorf, Hersberg, Itingen, Lausen, Liestal, Lupsingen, Seltisberg und Ziefen haben per sofort das Feuerwerksverbot beschlossen.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt mit 118'000 Franken aus dem Pendlerfonds den Bau einer Mobilitätsdrehscheibe in Lörrach-Brombach, die dazu beitragen soll, den Pendler- und Besucherverkehr nach Basel auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu verlagern.

Der Landrat hat am 30. Juni Lucia Mikeler Knaack (SP) mit 68 von insgesamt 78 abgegebenen Stimmen zur neuen Präsidentin gewählt.

Die Volksinitiative "Sichere Velorouten in Basel-Stadt" ist am 24. Juni mit 3'176 beglaubigten Unterschriften bei der Basler Staatskanzlei eingereicht worden.

Claraspital-Direktor Peter Eichenberger wird per Jahresende Nachfolger von Fritz Jenny als Präsident des Verwaltungsrats der "Rehab Basel".

Nach 12 Jahren als Delegierte des Vorstands trat Ruth Ludwig-Hagemann an der GGG-Mitgliederversammlung vom 16. Juni zurück; als Nachfolger wurde David Andreetti gewählt.

Markus Leuenberger wird ab  August 2023 neuer Rektor des Gymnasiums Laufental-Thierstein und damit Nachfolger von Isidor Huber, der in Pension gehen wird.

Andreas Eggimann, Chief Digital & Information Officer (CDIO) und Mitglied des Executive Board der MCH Group verlässt das Unternehmen im Verlaufe des Sommers.

Der Liestal Gymnasiums-Rektor Thomas Rätz wird im Sommer 2023 in Pension gehen, worauf die bisherigen Konrektoren Urban Kessler und Andreas Langlotz seine Nachfolge als Co-Rektoren antreten werden.

Die Basler Regierung hat die Wohnschutzkommission gewählt: Rico Michael Maritz (vorsitzender Präsident), Béatrice Elisabeth Müller Schnürle, Piotr Franciszek Brzoza (Präsidium); Vera Gruber, Felix Spiegel, und Markus Anderegg (Vermietende); Beat Leuthardt (Mieterschaft); Martin Schlatter (Schreiber).

Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) des Basler Grossen Rates unterstützt die Beteiligung des Kantons Basel-Stadt an einer Kapitalerhöhung der MCH Group AG, wie es die Regierung vorschlägt.

Die künftige Direktorin des Basler Waisenhauses ist Anita Conrad, die auf den Ende November 2023 pensionierten Uli Hammler folgt.