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© Foto by Peter Knechtli, OnlineReports.ch


Drämmler fürchten Tram-Ausfälle wegen neuer Software

Basel, 23. März 2022

Die Einführung einer neuen Software sorgt meist für Unruhe in einem Unternehmen. Das Fahrpersonal der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) ist nicht nur unruhig, sondern sehr besorgt. Die neue Dienstplan-Software (IVU) soll so grosse Probleme bereiten, dass es zu Verspätungen und Ausfällen von Bussen und Trams kommen könnte.

Ab dem 1. April müssen die Drämmler und Bus-Chauffeusen ihre Dienste statt wie bisher auf einer Zeile, in einem Dokument von umgerechnet drei A4-Seiten zusammensuchen.

Dienste von Hand abschreiben


Einzelne Wagenführer haben grossen Respekt davor, am falschen Ort auf den Dienst zu warten. Einige haben ihre Teamleiter gebeten, ihnen zu erklären, wie das neue System funktioniert. Zusätzlich ist auf diesem Programm auch ersichtlich, wie lange die Bus-Lenker an der Endstation Pause machen können, oder ob die Wagenführenden auf der Linie 2 während der Stosszeit am Bahnhof SBB über das Gleis 1 oder 2 fahren müssen.

"Ich muss das Tram sichern, das Tablet anmachen und in den Zeilen suchen, welches Gleis ich bedienen muss", erläutert ein Wagenführer, wieso er Verspätungen fürchtet.

Noch zwei Dinge stossen dem Fahrpersonal sauer auf: Bis anhin konnten die Dienste aus der aktuellen Software in fast jedes Kalender-Programm auf den privaten Mobiltelefonen kopiert werden. Das ist mit der neuen IVU-Software nicht mehr möglich. "Ich schreibe mir die Dienste wieder wie früher in eine Papier-Agenda ab", meint ein Drämmler. Als zweites sind die Fahrdienstangestellten entrüstet, dass die Mitarbeitenden, die an diesem Software-Projekt arbeiten, bereits mit Anerkennungsprämien gelobt wurden.

 

BVB-Direktor Stehrenberger beruhigt

 

Morgen Donnerstag soll der Steuerungsausschuss ein letztes Mal tagen. Da wird auch BVB-Direktor Bruno Stehrenberger zugegen sein, der den unwiderruflichen Startschuss geben dürfte.

OnlineReports unterbreitete der Medienstelle der BVB mehrere konkrete Fragen zur Software und den Befürchtungen des Fahrpersonals. Keine wurde beantwortet, dafür das nachfolgende Zitat Stehrenbergers gemailt, der an der Einführung am 1. April festhält:
"Die von Ihnen beschriebenen Probleme sind bekannt und adressiert. Ich kann den entstandenen Unmut verstehen."

Preis wird nicht genannt

Bis 1. April – so Stehrenberger weiter – "prüfen wir Optimierungen, so dass alle Mitarbeitenden ein verlässliches und funktionierendes Arbeitstool haben werden. Wir sind überzeugt, dass die Einführung der Software keinen negativen Einfluss auf die Verfügbarkeit unserer Trams und Busse haben wird."

 

An dieser Aussage dürfte der BVB-Chef gemessen werden. Das IT-Projekt, das auch Wartung und Fahrzeugeinsatz beinhalten soll, soll die BVB mehrere hunderttausend Franken kosten. Die Medienstelle wollte den genauen Preis nicht nennen.



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