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"Signalwirkung auf die ganze Region": Überfluteter "Chilchacher"

Historischer Entscheid: Der "Chilchacher" bleibt grün

Die Gemeindeversammlung von Tenniken schiebt Überbauungsplänen einen klaren Riegel


Von Peter Knechtli


Jubel und Applaus an der Gemeindeversammlung heute Dienstagabend in Tenniken: Die heftig umkämpfte Grossparzelle "Chilchacher" bleibt grün – nicht zuletzt auch wegen des Hochwassers vom letzten Jahr.


Punkt 21.37 Uhr fiel in der Seematt-Turnhalle in geheimer Abstimmung ein mit Spannung erwarteter Entscheid, der in die Annalen des 900 Seelen-Dorfs eingehen wird: Mit 92 Ja und vier Nein bei einer Enthaltung (O-Ton bei Bekanntgabe) beschloss die Gmeini eine zonenrechtliche Grundlage, die eine Überbauung der 11'000 Quadratmeter grossen Wiese südlich der Dorfkirche ausschliesst.

Die Einigkeit war so gross, dass eine Diskussion über dieses Thema, das während Jahren für rote Köpfe sorgte, ausblieb.

Mit einer Petition begann es

Mit dem klaren Entscheid nimmt ein fast vierjähriger Kampf mit zahlreichen Eingaben und Aussprachen ein Ende, den einige entschlossene Bewohnende und Anrainer mit einer Petition begannen, und den jetzt die Gemeindeversammlung ganz in ihrem Sinn besiegelte.

Die Forderung: Die Parzelle soll grün bleiben, ein Zuwachs von bis 200 neuen Einwohnern könne die Gemeinde nicht verkraften. Wissenschaftliche Unterstützung fand das Komitee in zwei namhaften Gutachten, die unisono für die Grünerhaltung dieser Wiese Stellung bezogen.

Gemeinderat ging "über die Bücher"

Das imposante Grundstück gehört der kantonalen "Stiftung Kirchengut", die beabsichtigte, sie mit 50 bis 70 Wohnungen im Baurecht zu überbauen, um damit ihre klamme Kasse zur Erhaltung von Kirchengütern zu alimentieren.


Um diese Pläne umsetzen zu können, wäre eine Umzonung von der Zone für öffentliche Werke und Anlagen (OeWA) in eine Wohn- und Geschäftszone erforderlich gewesen. Im Falle einer Umzonung in eine Grünzone, wie es die Gegner gern gehabt hätten, machten Enschädigungsforderungen in Höhe von fünf Millionen Franken die Runde.

Die Stiftung konnte längere Zeit auf den Gemeinderat als Verbündeten zählen: Er fürchtete hohe Geldforderungen, allenfalls nötige Steuererhöhungen und zähe juristische Auseinandersetzungen. Doch nicht zuletzt das immense Hochwasser im Raum Sissach letzten Juni dürfte dazu geführt haben, dass der Gemeinderat "über die Bücher ging" (so Gemeindepräsidentin Sandra Bätscher heute Abend).

Eingdolter Bach flutete die Matte

Das Buelzbächli, das den "Chilchacher"-Hang eingedolt traversiert, vermochte die Wassermassen nicht mehr zu schlucken und überlief. Zuerst überflutete es die umkämpfte Parzelle (Bild oben) und setzte anschliessend Teile des Dorfs unter Wasser – Legitimation für die jetzt beschlossene Zonenmutation.

Wie es der Gemeinderat beantragt hatte, beschloss jetzt die Gmeini, die Grünfläche in der OeWA-Zone zu belassen, aber die Zweckbestimmung in "Grün und Freizeit sowie Hochwasserschutz" zu ändern. Dabei wäre möglich, den Bach wieder offen zu führen und so vor Überflutungen zu sichern, die sich aufgrund der Klimaveränderung "alle sechs Jahre wiederholen" könnten, wie ein Komitee-Vertreter neuste Forschungsergebnisse zitierte.

Nur kleines Entschädigungs-Risiko

Jacques Butz, der Anwalt des Gemeinderates, bewertete den Antrag als finanziell günstige Lösung für die Gemeinde, zumal eine "Wohnzone" im Dorf "keine Chance" gehabt hätte. Dank der veränderten Zweckbestimmung sei "die Gefahr eher kleiner", dass die Gemeinde jetzt noch mit Entschädigungs-Forderungen der Stiftung "Kirchengut" konfrontiert werde.

Das Seilziehen um den "Chilchacher" war ein Kampf abseits der grossen Schauplätze, aber in der Tat ein Musterbeispiel dafür, wie hartnäckiges demokratisches Ringen um Annäherung auch in einer kleinen Gemeinde zu einem Konsens führen kann. Gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung kann das Referendum ergriffen werden. Angesichts der faktischen Einigkeit dürfte ein solches Vorhaben aber aussichtslos sein.

Lob von früheren Gegnern

Nach Bekanntgabe des nahezu einstimmigen Ergebnisses legte sich wie ein Schleier des Friedens über die Gmeini: Einzelne fielen sich maskiert um den Hals, die Erleichterung war mit Händen zu greifen, als Kaspar Geiger als Exponent des Komitees das Wort ergriff und den Gemeinderat mit "Kompliment!", "Chapeau!" und "Respekt!" für seine Rücksicht auf die Volksmeinung beglückwünschte.

Auch Heinrich Ueberwasser, Anwalt der "Fondation Franz Weber", die das "Chilchacher"-Komitee unterstützte, äusserte Anerkennung für den beispielhaften Tenniker Meinungsbildungsprozess, der "Signalwirkung" auf die ganze Region haben werde.

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8. Februar 2022



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"Für viele war in Liestal die Lösung, sich im Orisbach zu erleichtern."

BZ Basel
vom 3. September 2022
über Toiletten-Probleme
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Motto: Lieber nasse Füsse als nasse Hosen.

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