Werbung

© Foto by Jan Amsler, OnlineReports.ch
Der Nebiker-Turm wird immer wieder verschmiert – diesmal ist es aber besonders speziell.

"Fuck SVP"-Schmiererei in Sissach – ausgerechnet am Nebiker-Turm

Der Vandalismus am Gebäude der Unternehmerfamilie mit prominenten SVP-Vorfahren entstand vermutlich im Rahmen der Demo gegen Rechtsextremismus. Die Juso-Präsidentin distanziert sich – aber nicht vom Inhalt.


Von Jan Amsler


Prominenter könnte die Schmiererei kaum angebracht sein. Ganz oben am Nebiker-Siloturm in Sissach, dem höchsten Gebäude der Zentrumsgemeinde im Oberbaselbiet, prangt der Schriftzug "Fuck SVP".

Der Vandalenakt sorgt im Dorf nicht nur für Diskussionen, weil er schon von Weitem zu sehen ist, sondern auch wegen des Kontexts. Die Schmiererei ist zeitlich rund um die von der Baselbieter Juso organisierten Demonstration gegen Rechtsextremismus entstanden, die am 13. April in Sissach stattfand. Sogar bei der Jungpartei vermutet man einen Zusammenhang.

Gleichzeitig hat die Unternehmerfamilie Nebiker einen SVP-Bezug: Hans-Rudolf Nebiker, Sohn des Unternehmensgründers Hans Nebiker, war eine politisch bekannte und einflussreiche Figur; er war unter anderem Nationalratspräsident und SVP-Fraktionschef.

 

"Nebiker würde sich zweimal im Grabe umdrehen"

 

Nebiker galt als liberaler Vertreter der Partei. Der frühere SVP-Kantonalpräsident Dieter Spiess sagte 2008 im OnlineReports-Artikel über den Tod Nebikers, der Politiker sei "eher konsensorientiert" gewesen und habe im Gegensatz zur heutigen Generation der SVP-Politiker "nicht gern Differenzen gehabt".

Die Juso-Demonstration in Sissach erfolgte noch vor der Präsidiumswahl der Baselbieter SVP, bei der den Parteimitgliedern je eine Vertretung des kommunikativ moderateren (Johannes Sutter) und des radikaleren Flügels (Peter Riebli) zur Verfügung stand. Sollte sich die Botschaft gegen die extremen Tendenzen in der SVP richten, so haben sich die Randalierer am falschen Ort ausgetobt. "Hans-Rudolf Nebiker würde sich zweimal im Grabe umdrehen", kommentiert ein polit-affiner Zeitgenosse.

Paradox ist auch: Während die Kundgebung die Botschaft vermitteln wollte, dass sich rechtsextreme Strömungen ausserhalb der Rechtsstaatlichkeit bewegen, haben die Wandverschmierer selbst den Rechtsrahmen verlassen.

 

Anzeige eingereicht

 

Susanne Nebiker, Nichte von Hans-Rudolf und Geschäftsleitungsmitglied der Nebiker AG, versteht den Vandalismus aber nicht als Angriff auf die Familie, sondern führt ihn auf die Demonstration zurück: "Vielleicht haben diese Leute den Zusammenhang gar nicht gekannt." Das Unternehmen hat Anzeige eingereicht, sagt Nebiker zu OnlineReports.

 

Von Weitem zu sehen: Anti-SVP-Schriftzug an Sissachs höchstem Gebäude.

Die Randalierer kamen wohl über das Baugerüst, das wegen einer laufenden Dachsanierung aufgebaut wurde, auf den Turm. Das Gerüst ist eigentlich geschützt – "aber wenn halt jemand unbedingt hoch will, schafft er es schon irgendwie", sagt Nebiker. Es erstaunt sie, dass die Verantwortlichen nicht erwischt worden sind, denn sie mussten sich womöglich vom Dach abseilen und brauchten sicher auch Licht.

Der Turm, der als Getreidelager genutzt wird, werde immer wieder verschmiert. Aber dass dieser Fall speziell ist, bestätigt auch Nebiker.

Angel Yakoub: "Hinter diesem Inhalt kann ich stehen."

Peter Riebli, der neue Präsident der Baselbieter SVP, hält sich auf Anfrage kurz: "A ist das eindeutig Sachbeschädigung, und B lasse ich mich nicht auf ein so tiefes Niveau herab. Das ist der ganze Kommentar."

Ausführlicher spricht Angel Yakoub, die Präsidentin der Baselbieter Juso. Sie habe versucht, die Urheberschaft zu ermitteln, sei aber an keine Informationen gekommen. "Wir von der Juso verantworten diesen Schriftzug nicht und wissen auch nicht, wer dafür verantwortlich ist."

 

Kaum Bezug zum Familienunternehmen

 

Sie distanziere sich von der Sachbeschädigung, sagt Yakoub. Aber man müsse auch den Inhalt der Schmiererei beachten: "Der Schriftzug kann auch als Systemkritik verstanden werden, als Kritik an der ganzen Partei SVP, die einen Teil der Neuen Rechten darstellt. Und hinter diesem Inhalt kann ich stehen." Ja, hier seien Gesetze verletzt worden, aber das könne man nicht damit gleichsetzen, "wie die SVP fundamentale Rechte bedroht". Wenn die umstrittene Sissacher SVP-Politikerin Sarah Regez das Wort Remigration verwende "und damit die massenhafte Deportation von Ausländerinnen und Ausländern fordert", sei das nicht dasselbe wie eine Schmiererei, sagt Yakoub.

Es wäre auch interessant gewesen zu erfahren, wie Regula Nebiker über die Sache denkt – als Tochter von Hans-Rudolf Nebiker, aber auch als Sozialdemokratin, die vor ihrem Eintritt in die SP Mitte der 70er-Jahre die Junge SVP Baselland mitgründete. Die frühere Stadträtin von Liestal hat aber kaum mehr Bezug zum Familienunternehmen und wusste nichts von den Schmierereien, wie sie auf Anfrage von OnlineReports erklärt. Mehr möchte sie dazu nicht sagen. Nur: Das sei eben "Sissech."

Die Diskussionen halten an. Und der Schriftzug auf dem Nebiker-Turm bleibt ebenfalls noch bestehen. Denn die eingesetzte Farbe könne nicht so leicht entfernt werden, sagt Susanne Nebiker. Sie sei daran, das Vorgehen abzuklären.

3. Mai 2024

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Weitere aktuelle News

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Hätten Sie, im Nachhinein betrachtet, mehr machen müssen, um die Menschen (insbesondere auch im Unterbaselbiet) zu überzeugen?"

BaZ
am 11. Juni 2024
in einer Interview-Frage
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wie hat der Journalist die Klammer wohl ausgesprochen?

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel

Werbung







In einem Satz


Jacqueline Herrmann und Alexander Bieger lösen Brigitte Jäggi ab, die als Rektorin des Gymnasiums Muttenz in Pension geht.

Bettina Zeugin folgt als Präsidentin von insieme Baselland auf Röbi Ziegler.

Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Peter Schmid gibt das Präsidium des Freundevereins Zoo Basel an seine Parteikollegin und Landrätin Miriam Locher ab.

Eine Findungskommission sucht eine Nachfolge für Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen Basel, die 2025 in Pension geht.

Grünen-Politikerin Flavia Müller aus Allschwil rückt für Biljana Grasarevic in den Baselbieter Landrat nach.

Doppel-Pensionierung am Euro-Airport: Direktor Matthias Suhr geht Ende März 2025, sein Stellvertreter Marc Steuer Ende Dezember 2025 in den Ruhestand.

Jo Krebs
übergibt nach über 23 Jahren seine Stelle als Leiter Unternehmenskommunikation von Primeo Energie an Nachfolger Fabian Hildbrand.

Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.