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© Foto by Peter Knechtli, OnlineReports.ch
"Sturm an verlegerischer Inspiration": Schweizer Koch-Fibel, Koch Jenzer

Ein Appetit anregender Streifzug durch die Schweizer Kochszene

Das Basler Spalentor-Verlegerpaar geht mit 81 Porträts von kulinarischen Charakterköpfen unter die Buchautoren


Von Peter Knechtli


Wenn in Zeitungen Beizen- statt Ballett-Rezensionen Hochkonjunktur haben und die Television uns mit Kochkursen vollstopft, ist schon die Frage, ob die Menschheit auf eine neue Kulinarik-Publikation gewartet hat.

Ja, sie hat. Autorin Christiane Widmer und Fotograf Christian Lienhard sind als Inhaber des Basler Spalentor-Verlags privat und geschäftlich ein Paar. Soeben haben sie als Autoren-Team ein Buch herausgegeben, das Gewicht auf die Küchenwaage bringt. Ziemlich genau 1670 Gramm, wenn wir die Kalibrierung richtig eingestellt haben.

"Eine Prise Leidenschaft" heisst das 350 Seiten-Werk, hinter dem sich wohl eher ein Sturm an verlegerischer Inspiration verbirgt. Es dokumentiert Gespräche und Begegnungen mit 81 professionellen Schweizer Köchinnen und Köchen, ständerätlich ausgewogen je drei pro Kanton.

Man atmet mal tief ein in der Ahnung, bei Einsteigen in den Blätterwald jenen Konterfeis zu begegnen, die uns schon die Promi-Presse in schöner Regelmässigkeit auf dem Teller serviert.

"Man schaut direkt in die Augen
von 81 grundrobusten Küchen-Könnern."

Gefehlt! Da schauen uns in grossformatigen Fotos einundachtzig grundrobuste Küchen-Könner frontal ins Auge, die – meist in tadellos frischer Berufskleidung oder auch mal im T-Shirt – einen authentischen Querschnitt durch die Vielfalt der schweizerischen Anspruchs-Gastronomie abbilden.

Leicht lesbare biografische Texte von unterschiedlicher Länge porträtieren die Küchen-Künstler, unbesehen, ob "Michelin"- oder "Gault Millau"-dekoriert. Ein jeweils auserlesenes Rezept ist Ehrensache.

Die Auswahl ihrer Protagonisten traf das Autoren-Paar im pragmatischen Verfahren: Eigene Erfahrungen nach Bauchgefühl, Nachfragen bei Freunden und Bekannten und die Konsultation von Restaurant-Führern sollten eine möglichst diverse Selektion von Quereinsteigern und Altgedienten, Jungdynamischen und Eigenwilligen ermöglichen.

Aus den beiden Basel gehörten Vittorio Conte ("Osteria Tre", Bubendorf), Yannick Hänggi ("Simply im Rössli", Laufen), Peter Stünzi ("Häxehüsli", Reinach), Daniel Jenzer ("Wanderruh", Basel), Laetitia Oser ("La Fourchette", Basel) und Pascal Steffen ("Roots", Basel).

Wie man sich durch die handefeste Küchen-Fibel wie durch eine gigantische Menükarte blättert, wächst der Appetit wie die Lust, gleich zum kulinarischen Schweizer Streifzug durch die beschriebenen Gaststuben aufzubrechen.

Dieses edle, auch in französischer Sprache erhältliche Buchwerk – kein Koch arbeitet schliesslich ohne Salz – entstand mit Unterstützung durch die Schweizer Salinen, die sich ganz zum Schluss auf einigen Seiten, farblich diskret abgehoben, selbst darstellen. Die beiden Rechercheure blieben aber sowohl in der Auswahl der Charakterköpfe wie in der Textgestaltung formal und inhaltlich frei, wie Christiane Widmer auf Nachfrage von OnlineReports erklärte.

Was sie und ihr Partner Christian Lienhard innerhalb von neun Monaten unter höchsten Sorgfalts-Ansprüchen aus den Schweizer Küchenböden gestampft haben, ist eine sehr professionelle verlegerische Mammutleistung. Es sei "schwer" gewesen, neben der Buchproduktion auch noch den Verlag am Spalentor zu führen, gesteht die Geschäftsführerin.


Christiane Widmer und Christian Lienhard: "Eine Prise Leidenschaft – Gespräche mit 81 Köchinnen und Köchen in der Schweiz". 352 Seiten, 49 Franken, Spalentor-Verlag, Basel.


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9. Januar 2023


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