© Fotos by Peter Knechtli, OnlineReports.ch
"Ein Telefon nach dem andern": Erleichterungs-Objekt Entsorgungs-Mulde

Behördlich angeordnete Virus-Quarantäne verursacht Räumungsfieber

Haus-Zeit für längst aufgeschobene Beschäftigung: Die begehrten Abfall-Mulden von Grieder Tecknau sind ausgebucht


Von Peter Knechtli


Während die Corona-Seuche zahlreiche Unternehmen zur Kurzarbeit zwingt, quellen in einer Branche die Aufträge über: Der ungewöhnlich stark nachgefragte Mulden-Service des Tecknauer Kleinbetriebs "Hans Grieder AG" zeigt beispielhaft, dass viele Betroffene die auferlegte Haus-Zeit dafür nutzen, ihren Haushalt zu entrümpeln.


Francesco Meier (Name geändert), arbeitet üblicherweise in einem mittelgrossen Betrieb in Basel. Seit in der Schweiz die "Ausserordentliche Lage" herrscht, sitzt er – behördlich verordnet – zu Hause im Oberbaselbiet und verrichtet seinen Job stundenlang und so gut es geht, in seinem Eigenheim.

Besonders für Männer ist eine über Wochen andauernde Haus-Zeit eine erstmalige Erfahrung. Sie mag für den Einen schwierig zu ertragen sein – Andere wie Francesco Meier bringt sie auf die Idee, längst Verdrängtes jetzt in Angriff zu nehmen: Estrich und Keller endlich räumen.

Hochkonjunktur für Mulden-Service

Derweil fühlt sich Marc Grieder derzeit "sehr beansprucht". Er ist seit anderthalb Jahren Inhaber und Geschäftsführer des von seinem Vater und Grossvater 1971 gegründeten Tecknauer Familienbetriebs "Hans Grieder AG". Eben war Zügeltermin, es ist Frühling – und es wütet Corona. "Das ist immer unsere strengste Zeit. Aber jetzt ist mehr los als üblich. Die Leute sind zu Hause und haben Zeit, zu räumen und Gartenarbeiten zu verrichten, bei denen Abfälle anfallen."

Im Oberbaselbiet ist es ein stehender Spruch: "Wenn Mulden, dann Grieder." Das Kleinunternehmen betreibt zwar zu 70 Prozent Tiefbau, aber wirklich sichtbar und eine Art Firmenbotschafter sind die blauen Mulden mit der gelben Firmenbezeichnung, die derzeit überall und in auffälliger Menge in den Wohnquartieren anzutreffen sind. Das Geschäft mit Altstoffen trägt die übrigen 30 Prozent zum Firmenumsatz bei.

Als wir mit Marc Grieder einen Termin vereinbarten, erfuhren wir schon am Telefon, dass in der Region derzeit viel mehr als üblich geräumt wird: "Es ist der Wahnsinn, es kommt ein Telefon nach dem andern rein. Wir haben Hochkonjunktur", sagt die freundliche Empfangsdame.

Noch nie so viele Mulden unterwegs

Im Gespräch mit OnlineReports bestätigt dann auch Marc Grieder, dass derzeit nahezu alle 350 Mulden, die sich im Firmenbesitz befinden, "draussen bei den Kunden sind". Wenn der Räumungs-Boom anhält, sind in den nächsten Wochen unter Umständen Wartezeiten nicht auszuschliessen.

Das Material-Depot auf dem Firmengelände etwas ausserhalb des Dorfs einen Steinwurf von Hauenstein-Tunnelportal entfernt, ist verwaist: "So viele Mulden gleichzeitig hatten wir noch nie draussen", sagt der gelernte Strassenbauer. "Letzte Woche war es gerade etwas eng."

Das traditionelle Räumungsgeschäft mit rund einem Dutzend Gebinde-Grössen läuft einfach ab: Der Kunde bestellt auf einen bestimmten Tag eine Mulde mit der Grösse seines Bedarfs. Grieder bietet unterschiedliche Volumina von einem bis zu 40 Kubikmeter an. Diese Grossgebinde werden eher selten nachgefragt, am ehesten noch zum Zweck einer totalen Hausräumung. Am stärksten gefragt sind Vier- und Siebenkubik-Wannen. Grieder platziert sie nach den Wünschen des Kunden und holt sie auf einen Anruf hin wieder ab.

265 Franken die Tonne

In der Regel bleiben die schweren Wannen zwei bis drei Wochen beim Kunden. "Aber es gibt auch Fälle, in denen sie monatelang stehen bleiben. Ab drei Monaten verlangen wir eine Muldenmiete." Die Deponie pro Tonne gemischten kostet 265 Franken. Dazu kommt der distanzabhängige Aufwand für den Mulden-Transport.

Drei Mitarbeitende der insgesamt 15-köpfigen Belegschaft betreiben das Muldengeschäft. "Das ist kein Lehrberuf, aber wir betreiben Weiterbildung", sagt Marc Grieder. In der Abladehalle (Bild links) erfolgt die Triage: Stoffe wie Altholz, Elektronik und Metalle jeder Art gehen ins Recycling oder in die Spanplatten-Fabrikation nach Italien; der Rest landet in der Verbrennungsanlage.

Der Arbeitstag beginnt um 5.30 Uhr

"Es ist jetzt schon sehr streng", sagt Marc Grieder. "Das ganze Jahr über könnte ich diese Intensität nicht aushalten." Abends um neun oder zehn "gehe ich liegen", meint er weiter. Denn frühmorgens um 5.30 Uhr sitzt er bereits wieder im Büro und erledigt Administratives, bis um 7 Uhr die Arbeiter eintreffen und das Tagesgeschäft beginnt. Zwischendurch arbeitet er auch auf einer Baustelle oder nimmt Offerten-Termine wahr. "Das Znüni und das Mittagessen sind mir wichtig", hebt der Firmenchef hervor. Um 18 Uhr ist in der Regel Feierabend.

Marc Grieder meint, dass die intensive Räumungsphase "noch eine Zeitlang anhält". Doch wenn Regen einsetzen sollte, dürfte sich die Lage beruhigen.

Francesco Meier gehörte zu den Kunden, die ihre Mulde nicht wochenlang vor dem Haus stehen haben. In zwei Tagen war sie randvoll gefüllt und abtransportiert.

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21. April 2020


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Viren- und Wahlkampf
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"Claraplatz als neues Gastromagnet"

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vom 24. Juli 2020
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Das Maskulin.

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