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"Teilweise so kurlig": Baselbieter Flurnamen-Metamorphose

Die "Verhochdeutschung" der Baselbieter Flurnamen

Aus "Chänel" wurde beispielsweise "Känel": Swisstopo tilgte viele Mundart-Bezeichnungen


Von Peter Knechtli


Flurnamen sind nicht beliebig. Vielmehr reicht ihre Bedeutung oft Jahrhunderte zurück, was sie insbesondere für die Forschung interessant macht. Doch auf den Karten von Swisstopo fand in den letzten dreissig Jahren eine eigentliche "Verhochdeutschung" statt. Der Anlass für Kontroversen ist gegeben.


Wer zu Hause in der warmen Stube sitzt, während draussen die Schneeflöcklein tanzen, und gerade keine Lust auf eine Wanderung verspürt, kann sich dennoch auf den Landeskarten von "Swisstopo" tummeln. Etwas vom Faszinierendsten sind die Flurnamen.

Sie reichen oft Jahrhunderte zurück und sind teilweise so kurlig, dass man schmunzeln muss, oder so rätselhaft, dass man ins Sinnieren kommt.

Zeitreise durch Siedlungsentwicklung

Der Oberbaselbieter Historiker Lorenz Degen (Bild) hat sich der von Swisstopo angebotenen faszinierenden Möglichkeit bedient, Karten im Massstab 1:25'000 digital übereinander zu legen und damit sozusagen eine Zeitreise durch die Siedlungsentwicklung zu unternehmen.

Er stellte einen Vergleich zwischen 1991 und 2021 aus der Region Waldenburg an – und dabei Überraschendes fest, wie er in einer Kolumne der "Oberbaselbieter Zeitung" schrieb: Innerhalb der dreissig Jahre wurden die Flurnamen systematisch "verhochdeutscht", wie er anhand einiger ausgewählter Beispiele belegt.

So wurde aus der "Tummeten" die "Thommeten", aus dem "Chänel" der "Känel", aus dem "Sidenhof" der "Seidenhof", aus dem "Sennhus" das "Sennhaus" (Bild). Lorenz Degen fand "ganz arge Beispiele", wo "Nünbrünnen" zu "Neunbrunn" mutierte oder der "Holznechhübel" zu "Holznachhübel".

Vom "Dubenloch" zum "Taubenloch"

Ich machte mich selbst auf die Suche in der mir vertrauten lokalen Umgebung. Schon nach Sekunden fand ich heraus, dass das "Dubenloch" zum "Taubenloch" geriet, während der "Sunnenhof" vor erst zehn Jahren in "Sonnenhof" umgetauft wurde. Der "Chuechliberg" (1981) missriet zum "Küchliberg" – eine Bezeichnung, die, wie einzugestehen ist, anderseits schon im Jahr 1880 kartenaktenkundig war.

Fairerweise stellte Lorenz Degen "minimale Dialektisierungen" fest: Der damalige "Schuflenberg" wurde in "Schufleberg" umfirmiert. Von der häufigeren "Verhochdeutschung" aber ist er alles andere als begeistert, wie seine Frage erkennen lässt: "Sass da ein deutscher Kartograf über dem Kartenblatt, der die Dialektworte ausmerzen wollte?"

Was meint die Flurnamen-Kennerin?

OnlineReports fragte bei der früheren Kolumnistin Gaby Burgermeister nach. Sie hatte Germanistik studiert und eine Lizentiatsarbeit über die Flurnamen in Bettingen verfasst. Sie vermutet, die "verhochdeutschten" Schreibweisen gingen "auf das Bestreben zurück, dass möglichst viele Leute sich im Gelände beziehungsweise auf der Landkarte orientieren können".

Die mundartlichen Schreibweisen gingen "häufig auf den örtlichen Dialekt zurück". So habe eine Baslerin mit einem Walliser oder Urner Flurnamen schon einmal Mühe, ihn richtig auszusprechen, ihn sich zu merken und ihn auf einer Landkarte zu finden – und umgekehrt vielleicht auch.

Hochdeutsche Namen schon 1883

Ihre kleine Recherche auf dem Ortsnamen-Portal am Beispiel "Holznechhübel" fördert Interessantes zutage. So sei der Name offenbar bereits auf der Siegfried-Karte von 1883 "verhochdeutscht" geschrieben, in neuer Zeit aber seit 2015 wieder in seiner mundartlicheren Form.

Generell hält es Gaby Burgermeister für "zweitrangig, ob man die mundartliche oder die standardsprachliche ('verhochdeutschte') Schreibweise verwendet". Aber die mundartliche sei "identitätsstiftender, weil die Leute, die in dieser Gegend leben, den Namen so aussprechen und sich damit identifizieren".

10. Dezember 2022


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"Frändleten oder Fründleten"

Frändleten oder Fründleten die Umgebung beim Schiessplatz Gelterkinden bringt einem schon zum Nachdenken. Schön wäre eine kleine Erklärung. Wie bei den Basler Strassennamen. Wasgen kommt von den Vogesen (F). Ist ja auch nicht weit.


Michael Przewrocki, Basel




"Koexistenz von Orts- und Flurnamen"

Im Artikel "Die 'Verhochdeutschung' der Baselbieter Flurnamen" wird bemängelt, dass swisstopo anscheinend Flurnamen "verhochdeutscht". Gemäss meinen Untersuchungen trifft dies nicht zu, sondern es wird bei den im Artikel erwähnten Beispielen die mundartliche Schreibweise der Flurnamen grundsätzlich belassen. Bei der nötigen Auswahl zur Kartierung auf der Landeskarte werden Ortsnamen (Namen von besiedelten Gebieten) gegenüber Flurnamen (Namen von nicht besiedelten Gebieten) je nach Massstab bevorzugt und begründe diese unterstützenswerte Praxis im Folgenden.
 

Vor ca. 1950 wurden Lokalnamen als Oberbegriff für Orts- und Flurnamen generell in der herkömmlichen, standardsprachlich ausgerichtet Schreibweise verfasst. Im Übergang von der Siegfried- auf die Landeskarte, wurde die Schreibweise von Lokalnamen mit lokaler Bedeutung in eine mundartliche Form verändert. Bei verschiedenen Örtlichkeiten dehnen sich Lokalnamen über besiedeltes und unbesiedeltes Gebiet aus und es stellt sich die Frage, ob solche Namen als Ortsnamen in der herkömmlichen Form belassen werden oder mundartlich geändert werden sollen. Vielfach haben sich beide Schreibweisen parallel nebeneinander etabliert. Wegen der Beharrlichkeit und der identitätsstiftenden Bedeutung bleibt die herkömmliche Schreibweise von Ortsnamen vielfach bestehen, insbesondere wenn diese (wie dies in den Beispielen der Fall ist), eng mit Gebäudeadressen korrespondieren. Für eine bestimmte Örtlichkeit können auf einer Landeskarte je nach Platzverhältnissen Orts- und Flurnamen nicht parallel kartiert werden. Da eine Landeskarte in erster Linie der Orientierung und Verständigung dient, ist es m.E. sinnvoll, in solchen Fällen Orts- gegenüber Flurnamen zu bevorzugen.
 

Ich bin den im Artikel erwähnten Beispiel nachgegangen und habe festgestellt, dass es sich bei Thommeten, Känel, Seidenhof, Sennhaus, Neunbrunn, Holznacht, Taubenloch und Küchliberg um Ortsnamen handelt. Diese sind nicht nur auf geo.admin.ch im publizierten Thema swissNAMES3D als Ortsnamen deklariert, sondern sind sogar auch im von der Schweizerischen Post- und Telegraphenverwaltung herausgegeben berühmten Ortsbuch der Schweiz aus dem Jahre 1928 enthalten. In der aktuellen Landeskarte findet sich auf geo.admin.ch immer noch der Flurname Holznechhübel und die Flurnamen Tummete, Chänel, Sennhus, Dubenloch erscheinen zumindest in der Zoomstufe der Landeskarte 1:10'000. Es geht daher nicht um die "Verhochdeutschung" von Flurnamen, sondern um die Koexistenz von Orts- und Flurnamen.


Martin Schlatter, ehem. Leiter des Geografischen Informationssystems des Kantons Zürich, Au ZH




"So, wie der Schnabel gewachsen war"

Es ist schlicht und einfach eine Anmassung, wenn irgendwelche Kartographen oder Kartenredaktoren Flurnamen verhunz… äh verhochdeutschen. Diese Flurnamen wurden nicht von der Natur bzw. von der Landschaft den Menschen mitgeteilt. Sie wurden von den Menschen, die dort lebten, an die Objekte in der Landschaft herangetragen. Und das geschah ganz sicher nicht in Hochdeutsch, sondern in der Art und Weise, wie diesen Menschen der Schnabel gewachsen war.

Übrigens gibt es oft auch eine Geschichte oder einen Personenbezug zu mundartlichen Flurnamen. Wenn "eine Baslerin mit einem Walliser oder Urner Flurnamen schon einmal Mühe" hat, gehört das eher ins Kapitel von Städterarroganz als zur Notwendigkeit, Flurnamen städtertauglich zu machen. Und sollte "das Bestreben …, dass möglichst viele Leute sich im Gelände beziehungsweise auf der Landkarte orientieren können" tatsächlich so wichtig sein, dann sollte man die Landschaftsobjekte numerieren, dann können es auch unsere fremdsprachigen Tourismusgäste nutzen; fürs Mobiltelefon kann man dann gleich noch eine mehrsprachige Tabelle hinterlegen …


Rudolf Mohler, Oberwil




"Flurname ändert sich mit Zoom-Faktor"

Angeregt durch Lorenz Degens Feststellungen zu den verschiedenen Schreibweisen der Flurname auf der Schweizerkarte und Peter Knechtlis weiteren Nachforschungen, wollte ich mal im Bölchengebiet nachschauen, ob dort "Bölchen" oder "Belchen" geschrieben wird. Zu meinem Erstaunen fand ich beides auf der gleichen Karte: "Belchenflue" und "Ober Bölchen". Zoome ich etwas weiter heran, so stosse ich auf "Belchenweid". Bei noch weiterem Heranzoomen lese ich hingegen "Bölchenweid" am gleichen Ort. Auch die "Belchenflue" wird beim näheren Anschauen zur "Bölchenflue".
 

Je genauer desto "Bölchen", je weiter weg desto "Belchen"! Auch dies trifft nicht für alle Flur- und Hofnamen im Bölchengebiet/Belchengebiet zu. Es kommt da offenbar auf den Massstab an. Was da wohl die Überlegung ist?
 

Eher belustigt als verärgert stelle ich all dies fest. Was ich sehr schätze ist, dass ich mit der digitalen Schweizerkarte auf Mausklick, resp. mit Scrollen, jeden Fleck der Schweiz in allen Massstäben anschauen und auch ausdrucken kann und dies alles ohne etwas zu bezahlen. Dass ich mit der Schweizerischen Landeskarte sehr detaillierte und stets aktuelle Informationen habe, ist einzigartig und sehr lobenswert.


Ueli Bieder, Gelterkinden



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"Bais steht vor Gewissens-Entscheid"

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Auch Nomen sind Glückssache.

RückSpiegel

 

Das Regionaljournal Basel veweistin einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.

Im Bericht über "Unruhe am Regioport" bezieht sich Bajour auf die OnlineReports-Ursprungsrecherche aus dem Jahr 2018.

Die Basler Zeitung bezieht sich in einem Artikel über die Kantonsfinanzen im Baselbiet auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Neuausrichtung der Vorfasnachts-Veranstaltung Drummeli auf einen Artikel aus dem OnlineReports-Archiv.

Die Basler Zeitung zitiert in einem Leitartikel über die SVP aus OnlineReports.

Baseljetzt bezieht sich in einer Meldung über den Rücktritt von Ralph Lewin als SGI-Präsident auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt die OnlineReports-Recherche über den blockierten Neubau der BVB-Tramstrecke über das Bruderholz auf.

Die Basler Zeitung und Infosperber übernehmen die OnlineReports-Meldung über den Tod von Linda Stibler.

Die bz zitiert den OnlineReports-Artikel über die Wiedereröffnung des Gefängnisses in Sissach.

Baseljetzt erzählt den OnlineReports-Artikel über die Räppli-Krise nach.

Das Regionaljournal Basel, Baseljetzt, BaZ und 20 Minuten vermelden mit Verweis auf OnlineReports den Baufehler bei der Tramhaltestelle Feldbergstrasse.
 

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In einem Satz


Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.

 

Mitte-Landrat Simon Oberbeck folgt am 1. August 2024 als Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrtund Hafenwirtschaft auf André Auderset.

Die Junge SVP Basel-Stadt hat Demi Hablützel (25) einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsidentin wiedergewählt.

Dominic Stöcklin wird neuer Leiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung von Basel Tourismus.

 

Samir Stroh, aktuell Gemeindeverwalter in Brislach, übernimmt Anfang Mai 2024 die Leitung von Human Resources Basel-Stadt.

Das Sperber-Kollegium hat Sterneköchin Tanja Grandits zur "Ehrespalebärglemere 2023" ernannt.

Der mit 50'000 Franken dotierte Walder-Preis geht dieses Jahr an Konrad Knüsel, den Präsidenten des Vernetzungsprojekts Rodersdorf und des Naturschutzvereins Therwil.

Götz Arlt tritt am 1. Januar 2024 die Nachfolge von Christian Griss an und übernimmt die Stufenleitung der Sekundarschulen I im Bereich Volksschulen des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.

Michael Gengenbacher tritt am 1. Februar 2024 seine neue Stelle als Chief Medical Officer (CMO) und Mitglied der Spitalleitung beim Bethesda Spital an.

Markus Zuber übernimmt am 1. Oktober die Leitung der St. Clara Forschung AG (St. Claraspital).

Das Präsidium der Juso Baselland besteht neu aus Clara Bonk, Angel Yakoub (Vize) und Toja Brenner (Vize).