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"Jetzt, wo der Schaden da ist": Knechtli am Eröffnungstag* in der "Grün 80"

Weshalb Eugen Keller und Paul Nyffeler auf Knechtli sauer waren

Damals während der "Grün 80": Peter Knechtli über den Sprachrohr-Anspruch an die Informations-Medien


Von Peter Knechtli


Journalisten als PR-Sprachrohre erwünscht: Eine kleine persönliche Betrachtung 40 Jahre nach Abschluss der Gartenbau-Ausstellung "Grün 80" in der Brüglinger Ebene. Der Jubel-Druck auf Medien wäre heute vermutlich stärker als damals.


Die jüngeren Semester werden möglicherweise noch nie von der "Grün 80" (Kurzform: G80) gehört haben. Im Oktober 1980 ging die "Schweizerische Ausstellung für Garten- und Landschaftsbau", die Leistungsschau des "Verbandes Schweizerischer Gärtnermeister" zu Ende.
 

Die "BZ" ging vor wenigen Tagen – 40 Jahre danach – auf den Grossanlass in der Brüglinger Ebene ein, weitgehend unter Berufung auf den damaligen G80-Direktor Hans-Peter Ryhiner und seinen Stellvertreter Kurt Aeschbacher, den späteren TV-Moderator.

Geteiltes Medien-Echo
 

Die 180 Tage dauernde Mammut-Veranstaltung hat mit ihrem thematischen Konzept und ihrem Meer an Blumen und Gärten vielen Menschen Freude bereitet. Der Dino und der künstliche See sind noch sichtbare Erinnerungen und Erben in einer bleibenden Erholungslandschaft, durch die damals ganz im Sinne der "Expo 64" ein Monorail die Besucher führte.

Die Veranstalter, unterstützt von den Regierungen beider Basel, hatten es darauf angelegt, im Volk eine Welle der Begeisterung und ein Bewusstsein für "die Einheit von Mensch und Natur" zu erzeugen, auch wenn in diesem Fall "Natur" im Sinne der Gärtnermeister gemeint war. Sicherlich aber war hier eine gewerblich Parforce-Leistung zu bestaunen.

Der beträchtlicher Teil der Medien war indes von der "unvergesslichsten Naturschau für lange" (so die Eigenwerbung) trotz Rosenduft und Blütenpracht aus einem Hauptgrund nicht sehr angetan: der Divergenz von ökologischem Sendungsbewusstsein und kommerziellen Ansprüchen.

11,3 Millionen Franken Defizit

Für mich als Freien Journalisten (Bild, am Eröffnungstag der "Grün 80"), der zahlreiche Printmedien zwischen Bern und Chur bediente, ergab sich der Glücksfall, dass mich mehrere erstklassige Insider über Jahre mit Originaldokumenten darüber versorgten, was eben auch "unvergesslich" war: Das Defizit von 11,3 Millionen Franken, über dessen Tilgung sich Veranstalter, Banken, Kantone und Verbände noch jahrelang stritten. Nur ein Teil davon war über eine Garantie gedeckt. Zeitweise drohte sogar der Konkurs des Gärtnermeisterverbandes.

So sehr die Protagonisten der "grünen Mustermesse" darauf bedacht waren, die Journalisten als rosige PR-Botschafter einzuspannen, so sensibel reagierten sie auf kritische Berichte. Im Rückblick lässt sich aus dem Grossanlass, der trotz miserablen Wetterbedingungen weit über drei Millionen Besucher anzog, auch eine kleine mediengeschichtliche Komponente ableiten.

"Offensichtliche Verkennung der Interessenlage"

Der damalige Basler Baudirektor Eugen Keller (CVP) hatte mich ganz besonders in der Nase, weil ich nicht so tickte wie die von ihm gelobte "regionale Presse", die eine "anzustrebende Übereinkunft" über die Defizitübernahme "zurückhaltend kommentiert" habe.

"Ganz im Gegensatz dazu", führte er im Mai 1982 in der Beantwortung einer grossrätlichen Interpellation aus, "scheint ein einzelner Journalist in offensichtlicher Verkennung der Interessenlage bemüht, den finanziellen Abschluss der 'Grün 80' immer wieder zu einer pikanten Story auf- und umzubauen, die dann vorwiegend von Blättern ausserhalb unserer Region abgedruckt wird".

Kein Wort und keine Passage meiner zahlreichen Berichte über den mühsamen Streit über die Defizitdeckung hatte Keller als falsch bezeichnet. Ihn störte einzig, dass sich ein Journalist nicht als regionales PR-Sprachrohr verstand und erst noch in "Blättern ausserhalb unserer Region" publizierte.

Lieber Schweigen über Defizite

Auch Kellers Baselbieter Amtskollege Paul Nyffeler (FDP) war meine Defizit-Chronik ein Dorn im Auge. Im Landrat sprach er von "Pressepolemiken" und führte aus, was seinem Medienverständnis entsprach: "Knechtli hat sich nie gross positiv um die 'G80' gekümmert, aber jetzt, wo der Schaden da ist, will er noch Medienprofit daraus schlagen." Auch Nyffeler bemängelte kein Wort an meinen Recherchen. Alles war belegbar. Ihn störte, dass ich mich mit dem Finanzloch akribisch beschäftigte.

Die Versuche der mentalen Vereinnahmung durch Veranstalter und die fehlgeleitete Grundmeinung von Managern in Politik und Wirtschaft, die Medienschaffenden hätten regionale Interessen zu vertreten, wären heute wohl nicht moderater, sondern eher stärker: Zahlenmässig sind die bezahlten Steuermänner der öffentlichen Meinung ausserhalb des Mediengeschäfts den Journalisten weit überlegen.

Doch die Zeit heilt Wunden (und Defizite). Heute verstehe ich mich mit Eugen und Paul blendend.


* am 12. April 1980


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15. Oktober 2020


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"Karl Schnyder wurde fuchsteufelswild"

Ja, Regierungsräte hassen es, wenn der Journalist seine Aufgabe ernst nimmt, sich ich um Fakten zu kümmern und nicht die Fake News der Regierenden in die Welt hinaus zu posaunen.

Zehn Jahre später machte ich genau diese Erfahrung ebenfalls: Für das Basler Stadtbuch 1991 schrieb ich einen Artikel über die politischen Irrungen und Wirkungen in Basel (Stadt und Land) als Folge der Fichenaffäre auf Bundesebene. Es war mir schon fast unerträglich, wie trocken und pingelig genau der Artikel heute, 30 Jahre später wirkt, als ich ihn heute las. Ich habe mich fast bis zur Peinlichkeit bemüht, selber nicht die geringste Kritik zu üben, sondern nur das dargestellt, was in den Parlamenten in Basel und Liestal öffentlich verhandelt wurde.

Dabei hätte ich allen Grund gehabt, Karl Schnyder, den verantwortlichen Polizeidirektor, an den Pranger zu stellen: 1989 hatte der Basler Staatsschutz mich fichiert und bei den Staatsschützern beim Bund und in Liestal denunziert, nur weil ich als Journalist beim "Regionaljournal" meiner Arbeit nachging, um über die Versammlung der Besetzer des Kinos "Union" nach der Räumung durch die Polizei zu berichten.

Karl Schnyder sei über den Artikel fuchsteufelwütend geworden, habe ich aus nach Erscheinen des Jahrbuches aus berufenem Mund erfahren, und habe verlangt, dass er in der nächsten Ausgabe seine Sicht der Dinge darstellen dürfe. Der Artikel erschien nie. Den Begriff "alternative Fakten" gab es damals noch nicht und so blieben der Öffentlichkeit die schnyderschen Fake News erspart.


Anton Kohler, Basel



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Theater Basel

"Die Aufdrängung"
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"In der Nacht auf Dienstag kam am Totentanz in Basel zu einem Totenfall."

nau.ch
vom 3. Januar 2023
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Ein anschauliches Fall-Beispiel.

RückSpiegel


Telebasel nahm im "Wahltalk" auf ein Zitat in einem OnlineReports-Artikel Bezug.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-Erstmeldung über die Verhaftung eines Gewerbetreibenden nach.

Zum aktuellen Thema "Krise des Kulturjournalismus" bezeichnet die Basler Zeitung die Theater- und Opernkritiken in OnlineReports als "löbliche Ausnahme".

In ihrem Text über die Bundesratswahlen zitierte die Luzerner Zeitung aus dem OnlineReports-Leitartikel über die Basler Kandidatin Eva Herzog.

In seiner Bestandesaufnahme über Basler Online-Medien startet das Wirtschafts-Magazin Trend von Radio SRF1 mit OnlineReports.

Die Basler Zeitung ging in ihrem Bericht über den Telebasel-Weggang von Claude Bühler auf dessen Rolle als Theaterkritiker bei OnlineReports ein.

Telebasel zog den OnlineReports-Bericht über Fassaden-Probleme am Markthalle-Hochhaus nach. Die BZ Basel zog auch nach, unterschlug aber eine Quellennennung.

In ihren Presseschauen zu den Bundessratswahlen zitierten bajour.ch und primenews.ch aus dem OnlineReports-Leitartikel über Eva Herzog.

matthiaszehnder.ch nimmt die beiden News-Artikel aus OnlineReports zum Anlass, sich über die schrumpfende Kulturberichterstattung in den Schweizer Medien Gedanken zu machen.

Bajour zitierte OnlineReports in seinem Bericht über die Verwicklung von Bundesratskandidatin Eva Herzog in umstrittene Basler Geschäfte.

In ihrer Recherche über die sterbende Kulturberichterstattung in Basler Medien bezieht sich Bajour auf OnlineReports.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

Die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Rückkehr von Christine Keller in den Basler Grossen Rat auf.

In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Melanie Thönen übernimmt am 1. Mai die Leitung des Pädagogischen Zentrums PZ.BS. Sie folgt auf Susanne Rüegg, die Ende August 2022 pensioniert worden ist.

Sarah Baschung leitet ab 1. April den Swisslosfonds Basel-Landschaft in der Sicherheitsdirektion und folgt auf Heidi Scholer, die in Pension geht.

Basel-Stadt und Baselland wollen zusammen die psychiatrische Versorgung in der Gemeinsamen Gesundheitsregion weiterentwickeln.

Nicola Goepfert, seit Juni Mitglied des Basler Grossen Ratse, wurde als neuer Co-Präsident der Links-Partei "Basta" gewählt.

Heiko Vogel (47), der frühere Cheftrainer, kehrt am 1. Januar 2023 als Sportdirektor zum FC Basel zurück, um den "gesamten operativen Fussball-Alltag des FCB" zu verantworten.

Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

Ab 1. November müssen sämtliche Personen, die den Kanton in strategischen Führungsorganen der Beteiligungen des Kantons Basel-Landschaft vertreten, ihre Vergütungen offenlegen.

Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

Am 29. Oktober, ab 10.15 Uhr, findet an der Oristalstrasse 100 A in Liestal die öffentliche Fahrzeug-Versteigerung von rund 140 Velos diverser Marken, 4 Autos (BMW X6 xDrive30d, Honda Civic 2.0i Typ R, VW T5 Kombi D 4M BMT, VW Polo Blue GT) und ein Arbeitsanhänger (BZS MA MA MA) statt.

Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

Die Evangelische Volkspartei Baselland (EVP) feierte am vergangenen 9. Oktober mit Partei- und ihren 100. Geburtstag.

Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.