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"Schaun mer mal, dann sehn mer scho": Transport-Ziel Freiburger Stadion

Mit dem ÖV zum Freiburg SC: Blindflug mit der Deutschen Bahn

Die umweltfreundliche Fahrt ins neue Fussball-Stadion steht der Unberechenbarkeit auf dem Rasen in nichts nach


Von Roland Stark


Der Trend zu immer waghalsigeren und gefährlicheren Unternehmungen ist ungebrochen. Die Angebote reichen von Climbing, Wingsuit Flying, Höhlentauchen, Eisklettern, Base Jumping über Volcano Boarding, Big Wave Surfing bis zu Highlining und Cliff Diving. Besonders reiche Leute lassen sich unterdessen sogar ins All schiessen.

 

All diesen reizvollen Versuchungen konnte ich bisher widerstehen. Meine Abenteuerlust und Risikobereitschaft beschränkt sich darauf, mit der Deutschen Bahn ein Fussballspiel zu besuchen. Zuletzt wieder den Matsch des SC Freiburg gegen die SpVgg Greuther Fürth im neu eröffneten Europa-Park-Stadion.

 

Das Spiel gegen Fürth bot sich aus mehreren Gründen an. Der Klub ist, trotz seines Schweizer Nationalspieler Cédric Itten (FCB, FC St.Gallen) ein zuverlässiger Punktelieferant. In Fürth geboren ist zudem Henry Kissinger, der frühere US-Aussenminister und Friedensnobelpreisträger. Der Mann hatte allerdings, der Schlenker sei erlaubt, mit Friedenspolitik ungefähr gleich viel zu tun wie ein Abstinenzler mit der Schnapsbrennerei.

 

Die Stadt hat aber vor allem Eisenbahngeschichte geschrieben. Die erste deutsche Eisenbahn, "Adler" genannt, dampfte am 7. Dezember 1835 auf der sechs Kilometer langen Strecke zwischen Nürnberg und Fürth. Der englische Lokomotivführer William Wilson steuerte das Dampfross mit 40 PS und 23 km/h über die Geleise. Der legendäre Adler wurde in der Lokomotivfabrik Robert Stephenson in Newcastle gebaut, in Einzelteile zerlegt, nach Deutschland geliefert und zusammengesetzt.

"Der Zug fuhr auf die Minute pünktlich ab,
blieb aber mitten auf der Strecke stehen."

186 Jahre später löste ich online bei der DB ein Sparticket für den ICE ab Basel SBB nach Freiburg Hbf. Wegen den Covid-Zertifikat-Kontrollen vor dem Stadion plante ich selbstverständlich ausreichend Zeit ein. Noch zu Hause erreichte mich per Mail die Nachricht der DB Reisebegleitung, dass der Zug  sich voraussichtlich um 25 Minuten verspäte.

Nach der nächsten Meldung, die Verspätung war auf 37 Minuten angewachsen, beschloss ich, einen früheren Zug zu nehmen. Nach meinen früheren Erfahrungen war nicht auszuschliessen, dass die Verspätung sich noch vergrössern oder dass der Zug schliesslich ganz ausfallen würde.

 

Blieb noch das Problem mit dem zuggebundenen Ticket. Am SBB Infoschalter schüttelte der Mitarbeiter nur mitleidig den Kopf. Angesichts der Unzuverlässigkeit der DB würde er nie im Leben ein derartiges Billet kaufen. Ich müsse auf die Hilfsbereitschaft des Zugbegleiters vor Ort hoffen. Das Problem löste sich dann von selbst; bis Freiburg fand keine Kontrolle statt.

 

Auf der Rückreise, nach einem verdienten 3:1 Sieg, war der Erwartungsdruck auf die DB dann geringer. Der Zug fuhr auf die Minute pünktlich ab, blieb aber mitten auf der Strecke stehen und erreichte das Ziel mit einer Verspätung von einer halben Stunde.

Wer einen Anschlusszug erreichen musste, hatte wieder einmal Pech gehabt.

 

Meine Erfahrungen mit der Deutschen Bahn auf der Strecke Basel-Freiburg reichen bis in die 1980-Jahre zurück. In dieser langen Zeit kann ich mich kaum an eine pünktliche, reibungslose Hin- oder Rückfahrt erinnern. Verspätungen und Ausfälle waren an der Tagesordnung.

"Die verführerische Alternative: Ausreichend
Parkplätze direkt vor den Stadion-Eingängen."

Einen speziellen Nervenkitzel boten jeweils die Abendspiele des SC mit Spielbeginn 20.30 Uhr. Der letzte direkte ICE fährt kurz nach 23 Uhr. Häufig erreichten die zahlreichen Schweizer Schlachtenbummler ihr Ziel erst weit nach Mitternacht. Immer wieder war dann der Badische Bahnhof ausserplanmässig die Endstation, was eine  teure Taxifahrt zur Folge hatte, für Reisende Richtung Zürich, Luzern oder Genf eine zusätzliche Übernachtung.

 

Der Lokomotivführer vergass einmal sogar den Halt im Badischen Bahnhof und fuhr einfach ein paar hundert Meter weiter. Die "Rückreise" gestaltete sich in mitternächtlicher Dunkelheit zu einem spannenden und vor allem zeitraubenden Erlebnis.

 

Mit meinen Erfahrungen stehe ich nicht allein. Ausländische Gäste loben hingegen die viel geschmähte SBB in den höchsten Tönen. Auf der Rückfahrt vom Kolumnisten-Treffen auf dem Säntis pries Nikolaus Piper den Service und die Pünktlichkeit unserer Öffentlichen Verkehrsmittel überschwänglich. Der Wirtschaftsredaktor der "Süddeutschen Zeitung" reiste aus Frauenfeld an. Mit der SBB, der Appenzeller Bahn und schliesslich noch mit dem Postauto. Ankunft auf der Schwägalp: Fast auf die Minute pünktlich.

 

Das neue Stadion bei der Messe Freiburg bietet nun eine verführerische Alternative. Ausreichend Parkplätze unmittelbar vor den Eingängen. Mit einem bequemen Anschluss an die Autobahn A5. Ausfahrt Freiburg Mitte. Die Nachteile liegen auf der Hand: Die Umwelt leidet und auf die zwei Rothaus-Biere werde ich dann wohl verzichten müssen.

 

"Schaun mer mal, dann sehn mer scho", würde Franz Beckenbauer raten. Am 21. November 2021 wissen wir mehr. SC Freiburg – Eintracht Frankfurt. 15.30 Uhr.

1. November 2021


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