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"Die Wirtschaft braucht Regeln": Peter Hartmann.

Der neue Landratspräsident: Peter Hartmann ist grün, aber nicht links

Das Baselbieter Parlament hat den Politiker aus Muttenz zum Präsidenten gewählt. Wer ist der Mann, den die Öffentlichkeit kaum kennt?


Von Alessandra Paone


Es mag an seiner unaufgeregten Art liegen, dass man nicht sofort merkt, welche Bedeutung Peter Hartmanns Aussagen haben. Was er sagt, wirkt aber nach.

Etwa wenn er sich dezidiert als Grüner und nicht als Linker bezeichnet (Volksstimme). Oder erklärt, warum eine Fusion der Grünen mit den Grünliberalen irgendwann eine Option sein könnte. Und dass man beim Sparen auch Entscheidungen hinterfragen muss, die man selbst einmal aus Überzeugung mitgetragen hat – wie den Viertelstundentakt der Waldenburgerbahn.

Natürlich vertrete er eine soziale Politik und stehe zu 100 Prozent hinter dem Grundsatz, dass die Gesellschaft so stark ist wie ihr schwächstes Glied, sagt Hartmann. Der 54-Jährige sitzt an einem Tisch im Restaurant Mooi am Wasserturmplatz in Liestal. Es ist der Tag vor seiner Wahl zum Landratspräsidenten.

Am Donnerstag ist der Politiker aus Muttenz mit 78 Stimmen zum höchsten Baselbieter gewählt worden. Hartmann folgt auf Pascal Ryf von der Mitte.

"Für mich steht die Umwelt im Zentrum, nicht der Mensch."

Was unterscheidet ihn also von einem Linken? Hartmann nimmt einen Schluck Cola: "Für mich steht die Umwelt im Zentrum, nicht der Mensch." Weil die Menschen in der Politik ohnehin eine starke Lobby hätten, die von der SP bis zur SVP reiche; die Umwelt habe hingegen keine.

Und Hartmann steht der Wirtschaft freundlich gegenüber, setzt sich dafür ein, dass sie dank guter Rahmenbedingungen wachsen kann. Mit "freundlich" meint er aber nicht liberal. Denn der Landrat aus Muttenz ist überzeugt: "Die Wirtschaft braucht Regeln." Das sagt er auch in Abgrenzung zu den Grünliberalen, die primär auf Anreize setzen.

 

Fusion zwischen Grünen und GLP? "Offen für Denkprozess" 

 

Der GLP beizutreten, war für Hartmann nie ein Thema. Aus inhaltlichen Gründen. Aber auch, weil die Partei in Muttenz und als Kantonalsektion im Baselbiet nur am Rande eine Rolle spielte, als er vor gut zehn Jahren als Mitglied der kommunalen Bau- und Planungskommission erstmals politisch in Erscheinung trat.

Dennoch erkennt Hartmann Schnittstellen zwischen den Grünen und den Grünliberalen. Und er fragt sich, wie lange die beiden Parteien nebeneinander existieren können, sollte der Wähleranteil der Grünen nach dem Einbruch bei den Wahlen 2023 weiter schwinden. "Ich hoffe, dass wir uns halten können", sagt er. Falls nicht, wäre zumindest auf nationaler Ebene eine Fusion zu prüfen. "Ich wäre offen für einen solchen Denkprozess."

Diese Beweglichkeit im Denken hat wohl auch mit Hartmanns Biografie zu tun. Er stammt aus einer FDP-nahen Familie aus dem Aargau. Die ersten zwei Lebensjahre verbringt er in den USA, bis seine Eltern beschliessen, wieder in die Schweiz zurückzukehren. Die Familie lässt sich in der Nähe von Brugg nieder. Dort wächst Hartmann auf.

Nach seinem Studium als Kulturingenieur an der ETH Zürich und Lausanne lebt er während zwei Jahren in St. Gallen und reist danach für drei Jahre nach Benin in Westafrika, um in einem Entwicklungsprojekt für die ländliche Trinkwasser-Versorgung zu arbeiten.

Zurück in der Schweiz führt der Beruf Hartmann ins Baselbiet; er nimmt eine Stelle in einem Ingenieurbüro an. Seither sind über 20 Jahre vergangen. Sein Arbeitgeber ist noch derselbe, sein Lebensmittelpunkt auch. In der Agglo-Gemeinde Muttenz hat er mit seiner Frau und den beiden inzwischen erwachsenen Söhnen ein Zuhause gefunden.

 

Stiller, besonnener Schaffer

 

Hartmann macht im Militär Karriere bis zum Offizier. Das ist eher ungewöhnlich für einen Grünen, zeigt aber, dass er sich nicht in einem eng gesteckten Rahmen bewegt. Diese Offenheit lebt er auch in der Politik. "Es ist gut, dass wir im Parlament die Fühler bis hin zu den Bürgerlichen ausstrecken müssen, um ein Anliegen durchbringen zu können", sagt Hartmann. Ein breit abgestützter Kompromiss diene letztlich der Sache. Das habe auch das Energiegesetz gezeigt, dem die Baselbieter Stimmberechtigten am 9. Juni zugestimmt haben. 

Der Grüne sitzt seit 2019 im Landrat und ist dort Mitglied der Umweltschutz- und Energiekommission. Er gehört nicht zu den Lauten, sondern gilt als stiller, besonnener Schaffer, der die Antworten auf seine Fragen in Gesprächen oder in der Fragestunde sucht und eher selten einen Vorstoss einreicht.

Vielleicht ist auch das der Grund, wieso man sich vor allem an einen von Hartmanns Vorstössen erinnert: 2021 verlangt er ein Gratis-U-Abo fürs Baselbiet, kommt damit aber nicht durch. Eine radikale Forderung, von der er nach wie vor überzeugt ist.

Hartmann rennt aber nicht verbissen seinen Ideen hinterher. Um die finanzielle Lage des Kantons zu verbessern, ist er bereit, Entscheide zu reflektieren, die er aus Überzeugung mitgetragen hat. Der Grüne nennt als Beispiel die Waldenburgerbahn. Der Landrat hat 2022 beschlossen, dass der Viertelstundentakt eingeführt werden soll. "Wir müssen uns schon fragen, ob das noch Sinn macht", sagt Hartmann. Denn man wisse, dass die Bahn zu gewissen Zeiten nicht ausgelastet sei.

 

Nur eine Frage bleibt

 

Offenheit ist auch das Schlagwort für das bevorstehende Jahr als Landratspräsident. Hartmann nennt es "Neugier", mit der er dem Amt, seiner Aufgabe und der Bevölkerung gegenübertreten möchte. Es wird ein intensives Jahr, und bestimmt kämen auch hektische Zeiten auf ihn zu. "Aber ich freue mich darauf", betont er gewohnt sachlich.

In Hartmanns Agenda sind bereits einige Anlässe eingetragen, etwa das 750-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Grellingen im August. Doch zuerst steigt am Donnerstag das Landratspräsidenten-Fest in seiner Wohngemeinde. Alles ist aufgegleist – nur das Wetter muss mitmachen.

Es bleibt nur eine Frage zu klären: Soll Hartmann einen Instagram-Account einrichten, damit die Öffentlichkeit an den wichtigsten Ereignissen seines Präsidialjahrs teilhaben kann? Bisher ist der Politiker in den sozialen Medien nicht präsent. Er sei sich nicht sicher. "Vermutlich werde ich es tun." Grün, nicht links – offen.

27. Juni 2024

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Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

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