© Foto by Christof Wamister, OnlineReports.ch
"Abbruch tut auch uns weh": Wertvernichtungs-Objekt Swisscom-Gebäude

Markanter Grosspeter-Akzent wird zum Wegwerf-Objekt

Das hoch gelobte Swisscom-Bürogebäude wird nur 32 Jahren nach seinem Bau wieder abgebrochen


Von Christof Wamister


Langfristige Planung und Werterhaltung sehen anders aus: Nach nur gerade gut dreissig Jahren wird das Swisscom-Bürogebäude an der Grosspeterstrasse in Basel abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Grund: Es wurde bei der Projektierung zu eng auf die damaligen Bedürfnisse zugeschnitten.


Das Swisscom-Gebäude auf dem Grosspeter-Areal hat es zu einer Eintragung im Basler Architekturführer (Birkhäuser) gebracht. Geplant wurde es im Auftrag des unter dem Namen PTT bekannten Staatsbetriebs von 1984-1989: "Dass für den Neubau hier ruhige Kubaturen mit teilweise eleganten Fensterbändern entstanden sind, ist der subtilen Planung von 'Bürgin & Nissen mit 'Zwimpfer Partner' zu danken. Die Architekten haben das Raumprogramm auf zwei Baukörper verteilt."

Der eine Baukörper enthält die für Basel weiterhin wichtige Fernmeldetechnik der Swisscom, im zweiten waren die Arbeitsplätze des Personals konzentriert. Nun soll diese letztere Hälfte mit ihrem elegant geschwungenen Flügel bereits abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden, wie einer Baupublikation zu entnehmen ist.

"Kein Alter für ein Gebäude"

Die Gründe sind zum Teil in einem Bebauungsplan von 2004 zu suchen, mit dem das Grosspeter-Areal in sieben Baufelder eingeteilt wurde. Bereits erstellt ist der Hotelkomplex an Stelle der früheren Grosspeter-Garage und am entgegengesetzten Ende der durch seine in die Fassaden integrierten Solarzellen dunkel wirkende Grosspeter-Tower.

Doch ist eine Lebensdauer von etwas mehr als dreissig Jahren für einen seinerzeit hochmodernen und architektonisch ausgezeichneten Bürobau nicht etwas kurz? Thomas Kraft von der Bauherrschaft "PSP Real Estate" räumt dies ein: "35 Jahre sind kein Alter für ein Gebäude und der Abbruch von so viel noch guter Bausubstanz tut auch uns weh."


Swisscom war nicht mehr zufrieden

Kraft äussert sich folgendermassen zu den Hauptgründen: Die PTT hätten das Gebäude sehr präzis auf ihre damaligen Bedürfnisse zugeschnitten. "Die Bedürfnisse der heutigen Hauptmieterin Swisscom sind ganz anders gelagert und eine Verlängerung der Mietverträge in diesem Gebäude kam für sie nicht in Frage." Eine Vermietung an Dritte sei "schwierig oder gar nicht möglich, unter anderem, weil das Bürogebäude auch sehr stark mit dem Technikgebäude verbunden ist". Die Swisscom hatte Gebäude und Boden 2001 an den privaten Investor verkauft.  

Der jetzt zur Disposition gestellte "Altbau" ist laut Kraft nur noch schlecht belegt. Die Swisscom will aber im Neubau eingemietet bleiben und "hier die Arbeitsplätze im Raum Basel vereinen," wie von Mediensprecherin Annina Merk zu erfahren war. Statt der bisherigen Kantine ist ein öffentlich zugängliches Restaurant vorgesehen, das von der neu gestalteten Grosspeter-Anlage her zugänglich sein soll.


Es bleibt die Frage der Nachhaltigkeit beziehungsweise der Ressourcen-Verschwendung. Thomas Kraft meint dazu: "Ein so junges Gebäude abzubrechen ist hinsichtlich grauer Energie schlecht, es aber ohne adäquate Nutzung mit viel Betriebsenergie weiterzubetreiben, ist noch viel schlechter und natürlich auch finanziell nicht tragbar." Unter grauer Energie versteht man in diesem Fall die Gesamtenergie, die aufgewendet wurde, um den Bau seinerzeit zu erstellen.

"Nachhaltiger Neubau"

Da die Bauherrschaft für den bestehenden Bürobau keine Verwendung sah, wurden keine Vergleichsrechnungen zwischen den Varianten Erneuerung/Umbau und Abbruch/Neubau angestellt. Der deutsche Autor und Baukritiker Daniel Furhop weist nach, dass die Sanierungsvariante unter Berücksichtigung sämtlicher Energiekosten sich immer als wesentlich kostengünstiger erweist. Allerdings stammen seine Beispiel aus dem Wohnungsbau. Bei der Nachfrage nach Büroflächen drohen Leerstände und Fehlinvestitionen. Es kam schon vor, dass Bauten erstellt, nie bezogen und wieder abgebrochen wurden.

"Nachhaltigkeits-Überlegungen" prägen immerhin den Neubau von "Diener & Diener", der als Hybridbau in Holz- und Betonbauweise konzipiert ist. Als weitere Argumente führt Thomas Kraft den Erhalt der Tiefgarage und die bessere Ausnutzung der Parzelle im Sinne der Verdichtung an und nennt weitere ökologische Verzüge: Fotovoltaik zur Stromgewinnung für den Eigenbedarf, Dämmung und modernste Energietechnik, mehr Flächeneffizienz im Innern.

Kraft: "Wir ersetzen einen guten durch einen unserer Ansicht nach noch besseren Bau mit flexibel nutzbaren Flächen."

"Ersatzneubau" als  Reizwort

Wer an diesem Abbruch/Neubau-Konzept zweifelt, der sei auf ein Interview* mit der Basler Baufachfrau Barbara Buser verwiesen: "Ersatzneubau ist für mich ein Reizwort. Ich glaube den Rechnungen beziehungsweise den ihnen zu Grunde liegenden Annahmen nicht. Ich beweise jeden Tag das Gegenteil. Mit dem Weiterbauen und dem Erhalten stehen wir finanziell besser da, als wenn alles abgerissen würde. Wenn man zudem die graue Energie einrechnete, dann sähe es nochmals ganz anders aus."

Unbeantwortet blieb eine OnlineReports-Bitte um eine Stellungnahme vom Architekturbüro "Nissen Wentzlaff", das unter dem Namen "Bürgin & Nissen" in den späten achtziger Jahren das PTT/Swisscom-Gebäude plante und entwarf.


* www.architekturbasel.ch

20. Mai 2020

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Weitere aktuelle News

Basel FCB und Kebekus müssen auf 1'000 Plätze zurückrudern
Liestal Corona: Verschärfter Schutz für Baselbieter Volkssschulen
Basel Stille an der Dufourstrasse 40/50: Corona in der BVD-Zentrale
Liestal Falschgeld-Fall: Polizei und Kathrin Schweizer entlastet
Pratteln Frauenloser BMW stürzte auf einen Sitzplatz
Muttenz Rangierbahnhof: Bei Salzsäure-Havarie verletzt
Allschwil Langgartenweg: 79-jährige Frau überfallen und verletzt

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Petitionsstellenden sind der festen Überzeugung, dass der Gemeinderat von Muttenz in Kenntnis aller Fakten wohl kaum (...) die vorgesehene Zonenplanänderung bejahren (...) kann."

Verein Windstill
in einer Medienmitteilung
vom 30. September 2020
zum Windkraft-Projekt
in Muttenz
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht kann sie sogar betagt werden.

RückSpiegel

 

Das SRF-Regionaljournal, die BZ, fasnacht.ch sowie LDP-Grossrat Michael Hug (Interpellation) nahmen die OnlineReports-Recherche über Lärmprobleme durch Trommler, Peiffer und Gugge in Kleinhüningen auf.

Bajour schreibt, die Berichte von OnlineReports zur Baselbieter Velobahn-Affäre gefielen ihr "am besten".

In ihrem Kommentar über staatliche Medienförderung geht Prime News auf das über zwanzigjährige Bestehen von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung und die BZ zitierten in ihren Berichten über das Velobahn-Amigo-Geschäft von Klaus Kirchmayr und Isaac Reber ausführlich aus OnlineReports.

In ihrem Bericht über die Umgestaltung der Basler Meriangärten nimmt die BZ auf eine zuvor erschienene OnlineReports-Recherche Bezug.

Die Badische Zeitung zitierte in ihrer Vorwahl-Analyse der Basler Regierungs-Wahlen aus einem OnlineReports-Kommentar.

In der BZ-Kolumne nahm Daniel Wiener Bezug auf den OnlineReports-Kommentar über den Macht-Poker um die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Stadt Liestal hat die Einführung eines Ortsbusses namentlich in den Quartieren Sichtern und Langhag/Hanro mit 2'246 Ja-Stimmen gegen 2'717 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.

Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

Münchenstein hat der Quartierplanung "Spenglerpark" mit dem 100 Meter hohen Hochhaus mit einem Ja- Anteil von 58 Prozent zugestimmt.

Der Deutsche Florian Röthlingshöfer wird neuer Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen und Nachfolger von Hans-Peter Hadorn, der Ende Jahr abtreten wird.

Patricia von Falkenstein, die Präsidentin der Liberalen LDP, wird als Nachfolgerin von Helmut Hersberger neue Präsidentin des Hauseigentümer-Verbandes Basel-Stadt.

Roman Brunner (Muttenz) wird per 1. November 2020 neuer Präsident der Baselbieter SP-Landratsfraktion als Nachfolger von Miriam Locher, die sich für das Amt der Parteipräsidentin bewirbt.

Dem Enkeltrickgewerbe fielen in Basel kürzlich Beträge von 15'000 und 4'000 Franken in die Hände, während ein happiger Beutezug von 80'000 Franken misslang.

Der FC Basel und sein Captain Valentin Stocker verlängern den Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis im Sommer 2023 – mit einer Option auf ein weiteres Jahr.

Im vergangenen Sommer lagen die Ozon-Konzentrationen in der Region Basel zwar tiefer als im Vorjahr, aber immer noch deutlich über den Grenzwerten der Luftreinhalte-Verordnung.

Mit zusätzlichen Städtepartnerschaften mit Abidjan (Elfenbeinküste) und einer Stadt in einem Erstfluchtland im Nahen Osten will die Basler Regierung "ein Zeichen der Solidarität setzen".

Teilerwerbstätigen Beziehenden von Ergänzungsleistungen und Beziehenden von Ergänzungsleistungen, die zu einer medizinischen Behandlung fahren, werden im Baselbiet die Kosten für Schutzmasken mit pauschal 30 Franken vergütet.

Ralph Lewin und Andreas Sturm stellen sich nach über zehnjähriger Amtszeit nicht mehr für eine Wiederwahl für die nächste Amtsperiode im Bankrat der Basler Kantonalbank zur Verfügung.

Die auslaufenden Verträge von Cheftrainer Marcel Koller und den Assistenztrainern Thomas Janeschitz und Carlos Bernegger mit dem FC Basel werden "im gemeinsamen Einvernehmen" nicht verlängert.

Die auf Gebäudetechnik und Energiekonzepte spezialisierte Rapp Gebäudetechnik AG plant die Konzentration ihrer Geschäftstätigkeit am Standort Münchenstein und erwägt die Schliessung ihrer beiden Filialen in Lausanne und Genf.

Der Baselbieter Landrat wird vorläufig – mindestens bis zu den Herbstferien – weiterhin im Basler Kongresszentrum tagen, wie die Geschäftsleitung beschlossen hat.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt über den Pendlerfonds das Veloverleihsystem Basel mit 2,15 Millionen Franken.

Wegen der Corona-Situation haben der Gewerbeverband und das Erziehungsdepartement entschieden, die 8. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse  vom 15. bis 17. Oktober nicht durchzuführen.

Auf der A2 bei Birsfelden wurde in der Nacht des 3. August ein in der Region wohnhafter Italiener als Raser erwischt, der bei erlaubten 80 mit 140 Stundenkilometern in Richtung Bern/Luzern unterwegs war.