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"Inakzeptables Vorgehen": "Starke Schule"-Mail an Mitglieder

Fremdsprachen-Streit: "Starke Schule" sorgt für Zunder

Vorstandsmitglied wirft Fachgruppen-Mitglied "Herausmobben" und "Unprofessionalität" vor


Von Peter Knechtli


Ein Fremdsprachen-Disput unter Baselbieter Lehrpersonen entlarvt die "Starke Schule" als Pädagogen-Lobby, die von ihren Mitgliedern autoritär Gehorsam verlangt. Sie müssen als Fachpersonen Meinungen vertreten, die auch nicht ihre eigenen sind.


Ausgangslage sind vier von der Baselbieter Bildungs-, Kultur und Sportdirektion (BKSD) eingesetzte Arbeitsgruppen, die seit letztem Dezember Vorschläge erarbeiten, welche Lehrmittel für den Französisch- und Englisch-Unterricht an den kantonalen Schulen, von der Primarschule bis zum Gymnasium, ab Schuljahr 2020/2021 eingesetzt werden sollen.

Die Arbeitsgruppen werden gebildet durch 24 Lehrpersonen, die von der Amtlichen Kantonalkonferenz des Lehrpersonals (AKK), vom Lehrerinnen- und Lehrerverein Baselland (LVB), von den Schulleitungskonferenzen der Primar- und Sekundarschulen (SLK) und der "Starken Schule Baselland" vorgeschlagen wurden.

"Mille feuilles" – ein Streit

Die Evaluation ist weit fortgeschritten. Bis Juni soll sie abgeschlossen sein, bis August soll der Bildungsrat über die Lehrmittel beziehungsweise die Lehrmittel-Freiheit entscheiden. Die Ergebnisberichte liegen intern bereits vor.

In dieser Phase kam es in der Arbeitsgruppe "Französisch Sekundarschule" zu einem Streit zwischen einem Lehrer und einer Lehrerin der "Starken Schule", die das Passepartout-Französisch-Lehrmittel "Mille feuilles" – auch mit dem Mittel einer Volksinitiative – aus den kantonalen Schulzimmern verbannen will. Im Zentrum stehen Interpretation und Gewichtung der Ergebnisse – ein Streit zwischen "Mille feuilles"-Befürwortern und -Gegnern.

Zum Auslöser des Streits sind unterschiedliche Versionen erhältlich. Laut BKSD-Sprecherin Monique Juillerat sei die Frage umstritten, wer den Bericht vor der Lehrmittelkommission präsentieren dürfe. Für den Bereich Sekundarschule seien drei Personen bestimmt worden, von der "Starken Schule" sei niemand dabei.

"Passepartout" als "Dorn im Auge"

Alina Isler, Vorstandsmitglied der "Starken Schule beider Basel", meinte dagegen zu OnlineReports, die Ergebnisse im Bericht seien "derart eindeutig" gewesen, dass diese "einigen der involvierten Befürworter/-innen der Passepartout-Lehrmittel offensichtlich ein Dorn im Auge sind. Sie versuchen, diese Ergebnisse unter Verschluss zu halten." Weil die "Starke Schule"-Lehrerin den Bericht "Französisch Sekundarschule" den Mitgliedern der Task Force als Auftraggeberin und Bestellerin zukommen liess, sei sie von einem Kollegen der Arbeitsgruppe "verbal rüde angegriffen" worden.

In einem Mail vom 7. Mai wurde Alina Isler deutlicher: Das "Hinausmobben" der Lehrerin als Gruppensprecherin sei ein "inakzeptables Vorgehen". Direktions-Sprecherin Monique Juillerat dagegen widersprach gegenüber OnlineReports: "Von einem Herausmobben durch den Lehrer kann nicht die Rede sein."

Die Absicht war Breitenwirkung

Pikant: Das Mail der "Starken Schule", das OnlineReports vorliegt, war ausdrücklich nur an drei "Starke Schule"-Mitglieder in drei Arbeitsgruppen gerichtet und hatte damit rein internen Charakter. Aber die Absicht war strategische Breitenwirkung: Das "Cc" ging an 22 weitere Empfänger, darunter auch Bildungsdirektorin Regierungsrätin Monica Gschwind, der die "Starke Schule" immer wieder schmeichelt.

Dieses Dokument entlarvt den radikalen Anspruch, den die Führung der "Starke Schule" an ihre "Delegierte und Vertreter" in den Arbeitsgruppen erhebt. Dies bedeutet – heisst es im Mail –, "dass ihr die Position der Starken Schule einbringen müsst und dies selbst dann, wenn diese Position nicht mit der eurigen übereinstimmt".

Und weiter: "Dies bedingt, dass ihr euch regelmässig mit dem Vorstand der Starken Schule absprechen und diesen über wichtige Entscheide in euren Arbeitsgruppen informieren musstet und dies auch weiterhin tun müsst."

"Kadavergehorsam" verlangt?

Im Umfeld der Arbeitsgruppen fiel der Begriff "Kadavergehorsam". Was hier wie eine Forderung nach kompromissloser Vertretung einer instruierten Parteimeinung erscheint, war laut Monique Juillerat nicht so gemeint. Bei den Arbeitsgruppen handle es sich um "Fachgremien", deren Mitglieder keine Verbandsmeinungen vertreten, sondern ihre ganz persönliche Erfahrung und Fachkompetenz einbringen sollen.

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11. Mai 2019


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