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"Kein Wort Deutsch": Justiz-Schauplatz Basler Strafgericht

"Erzwungene Abtreibung": Streit um ein kosovarisches "Martyrium"

Eine dramatische Familiengeschichte vor dem Basler Strafgericht: Ehemann und Schwiegermutter angeklagt


Von Peter Knechtli


Mit Hilfe seiner Mutter soll ein in Basel aufgewachsener Kosovare eine Abtreibung organisiert und so seiner schwangeren Ehefrau gegen ihren Willen das Kind genommen haben. Heute Dienstag fand am Basler Strafgericht der Prozess statt, der einen Einblick in die Gesellschafts-Realität des Balkans bot. Am Mittwoch ist Urteilsverkündung.


Angeklagt sind ein 26-jähriger Albion E. (Name von der Redaktion geändert), der als Fünfjähriger in die Schweiz kam, und seine Mutter, die so mässig Deutsch spricht, dass im Gerichtssaal die Dolmetscherin behilflich sein musste. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor allem strafbaren Schwangerschaftsabbruch, Freiheitsberaubung, Nötigung und (nur gegenüber Albion E.) Körperverletzung gegenüber der Ehefrau sowie kleinere Drogenvergehen vor.

Heiratsantrag am Tag des Kennenlernens

Sie war 19 Jahre alt, als der ungefähr gleichaltrige Albion E. sie im Sommer 2012 an einem Fest im Kosovo kennenlernte. Dann ging alles sehr schnell. Noch am selben Tage fragte er sie, ob sie ihn heiraten wolle, worauf sie zustimmte. Schon im Juli jenes Jahres folgte – bei getrenntem Wohnort – die Verlobung, anderthalb Jahre später wurde im Kosovo geheiratet.

Doch nur zwei Monate nach der Wohnsitzverlegung in die Wohnung der Familie des Ehemannes nach Basel im Rahmen des Familiennachzugs verdüsterte sich die Lage rasant. Ein halbes Jahr später reichte die damals 21-jährige Ehefrau Strafanzeige ein.

Nebenbeziehung und oft im Ausgang

Grund: Ihr Ehemann war nachts auffällig oft im Ausgang – er pflegte seit Jahren auch eine Beziehung mit einer Frau im Baselbiet –, die Schwiegermutter machte ihr laut Anklageschrift das Leben zur Hölle. Albion E.s Ehefrau sei ständig kritisiert und überwacht, ja in der Wohnung an der Güterstrasse eingeschlossen worden. Sie habe über keinen eigenen Schlüssel verfügt und sei mehrmals in der Wohnung eingeschlossen worden. Der Kontakt mit ihren Familienangehörigen sei ihr verboten worden. Wollte sie einmal ausser Haus, erhielt sie Schläge mit der flachen Hand ins Gesicht.

Die Beziehungskrise eskalierte, als die junge Ehefrau im November 2014 – gegen den Willen von Ehemann und Schwiegermutter – nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr schwanger wurde. Das Ergebnis eines Schwangerschaftstests sollen ihr der Ehemann und die Schwiegermutter verheimlicht haben.

Auch beim Besuch einer Gynäkologin, wo eine Ultraschall-Untersuchung den Befund bestätigte, soll die Klägerin, die "kein Wort Deutsch" sprach, durch ihren Ehemann getäuscht worden sein: Sie unterschrieb eine Einverständnis-Erklärung zum Abbruch der Schwangerschaft, obschon sie deren Inhalt "nicht ansatzweise" verstand (so die Staatsanwaltschaft) und nahm zu diesem Zweck eine erste Tablette ein. Sie habe gemeint, es gehe um die Verschreibung einer Anti-Baby-Pille, sagte die Ehefrau heute im Gerichtssaal.

Hilferuf nach der Polizei

Kurze Zeit nach der von der Schwiegermutter strikte kontrollierten Einnahme eines weiteren Medikaments verlor die Ehefrau das Kind, das sie gern ausgetragen hätte. Irgendeinmal im Dezember 2014 habe sie aus ihrem "Martyrium" keinen anderen Ausweg mehr gesehen als das Fenster aufzureissen und nach der Polizei zu rufen, die sie aus der Wohnung befreite.

Das Basler Strafgericht unter dem Vorsitz von René Ernst hatte heute Dienstagmorgen keine einfache Aufgabe: Eine etwas konversationsfreudige Dolmetscherin, ausufernde Erklärungen der Angeschuldigten, hustendes Publikum und eine Akustik, die nicht gerade geeignet ist, die Arbeit der Medienschaffenden zu erleichtern. Zuweilen musste er, sichtlich enerviert, hart durchgreifen, damit der Prozess nicht aus der Spur geriet.

Die albanische Gesellschaftskultur

Klar war vor allem der Einblick in die kosovarische Gesellschaftskultur, ihre patriarchalen Strukturen und ihr konservativ-familiäres Clanverhalten. Macho-Verständnis wurde beim jungen Angeklagten deutlich, der offensichtlich gern ungeschützt mit Frauen verkehrt, was bei unterschiedlichen Partnerinnen zu insgesamt drei Schwangerschafts-Abbrüchen führte. Recht klar wurde, dass sie ihr Kind gern ausgetragen hätte und der Abort vor allem dem Bedürfnis ihres Ehemannes und ihrer Schwiegermutter entsprach.

Davon abgesehen blieb für den aussenstehenden Beobachter vieles unklar. Die betroffene junge Ehefrau wollte zunächst die Medien während der Dauer ihrer Aussagen vom Prozess ausschliessen lassen, was das Gericht ablehnte. Sodann blieben ihre leisen Aussagen vage, manchmal gar widersprüchlich. Oft dachte sie vor der Antwort lange nach oder sie konnte sich "nicht mehr erinnern". So blieb beispielsweise unerklärt, weshalb das Scheidungsverfahren nicht längst eingeleitet sei, oder weshalb sie ihren schlagenden Mann immer noch liebe, obschon sie gegen ihn eine Strafanzeige einreicht hatte.

Er wollte ungeschützten Sex, aber kein Kind

Sehr überzeugend wirkte das Opfer nicht. Aber wir kennen die Hintergründe nicht: Stand sie unter Druck der Familie, in die sie hereingeheiratet wurde? Befürchtet sie, durch eine Scheidung ihren Aufenthalts-Status B zu verlieren, in den Kosovo zurückkehren zu müssen und als Geschiedene stigmatisiert zu werden?

Demgegenüber beteuerte Albion E., er habe – obwohl er ungeschützten Sex in Anspruch nahm – das Kind zu jenem Zeitpunkt nicht gewollt, sondern erst dann, "wenn beide auf einen Beinen stehen". Nach seiner Version, war es sein Schwiegervater, der seine Tochter unter Druck setzte, "um mir Schaden zuzufügen und mich zu kontrollieren".

Opferanwältin: "Das tut man nicht"

Für Staatsanwältin Simone Lustenberger war klar, dass sich das junge Ehepaar "nicht abgesprochen hatte, wie man nach Eintritt der Schwangerschaft vorgehen will". Die Abtreibung sei durch die Familie des Ehemannes "auffällig rasch entschieden" worden. Albion E. und seine Mutter hätten die Abtreibung "intensiv überwacht". So sei die Unterwäsche der Schwangeren nach Blutspuren abgesucht worden.

Für die Anklägerin ist das "egoistische Vorgehen" ein "schweres Verschulden". Für Albion E. forderte sie eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 50 Franken bedingt auf zwei Jahre. Für seine Mutter scheint ihr eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten bedingt angemessen.

Opfer-Anwältin Béatrice Müller schloss sich den Argumenten der Staatsanwältin vollumfänglich an. Sie schrieb dem albanischen Angeklagten, der fast lupenrein Dialekt spricht, mehrere Merksätze darüber ins Stammbuch, wie sich hierzulande Männer zu verhalten haben: "Seine Frau mit Schlägen zur Abtreibung zu zwingen, das tut man nicht." Sie verlangte für Albion E. die Zahlung einer Genugtuungssumme von 9'000 Franken (Sohn) und 6'000 Franken (Schwiergermutter) sowie einen Schadenersatz von über 1'500 Franken.

Kritik an der Strafverfolgung

Ganz anders der Tenor von Christoph Dumartheray, dem Pflichtverteidiger des Angeklagten. Die Darlegung der Staatsanwältin bezeichnete er als "hilflos" und kritisierte verschiedene Ungereimtheiten in der Strafverfolgung. Beispielsweise hätten es die Ermittler unterlassen, die Telefondaten des Opfers rechtzeitig zu sichern, um zu belegen, dass ihm das iPhone zur Kontakt-Behinderung tatsächlich weggenommen und durch ein altes "Nokia" ersetzt worden sei. Zu den Haupttatbeständen verlangte er einen kostenlosen Freispruch.

Sämtliche Vorwürfe an die Schwiegermutter bestritt ihr Pflichtverteidiger Markus Husmann. Er kritisierte die "einseitige Beweiserhebung" und die "Verletzung des Beschleunigungsgebots" durch die Staatsanwaltschaft. Seine Mandantin sei durch die Medien "vorverurteilt" worden. Deren Schwiegertochter sei "zu nichts gezwungen worden". Ebenso sei sie nie in der Wohnung eingeschlossen worden und von einer "vorgegaukelten Übersetzung" des Gesprächs mit der Gynäkologin könne keine Rede sein. Auch Husmann beantragte einen kostenlosen Freispruch und die Abweisung der Zivilkalge.

In seinem Schlusswort bekannte sich der Angeklagte zu seinen körperlichen Übergriffen auf seine Ehefrau. "Dazu stehe ich", zeigte er sich mannhaft, entschuldigte sich dafür und wünschte dem Opfer "alles Gute".

Das Urteil wird am frühen Mittwochabend erwartet.

5. Februar 2019

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"9 x 40 (...) wir reden hier von 320 Millionen."

Kaspar Sutter
Ökonom und Basler
SP-Regierungsrats-Kandidat
im Telebasel-Wahltalk
vom 1. September 2020
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Neunerprobe!

RückSpiegel

 

Das SRF-Regionaljournal, die BZ, fasnacht.ch sowie LDP-Grossrat Michael Hug (Interpellation) nahmen die OnlineReports-Recherche über Lärmprobleme durch Trommler, Peiffer und Gugge in Kleinhüningen auf.

Bajour schreibt, die Berichte von OnlineReports zur Baselbieter Velobahn-Affäre gefielen ihr "am besten".

In ihrem Kommentar über staatliche Medienförderung geht Prime News auf das über zwanzigjährige Bestehen von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung und die BZ zitierten in ihren Berichten über das Velobahn-Amigo-Geschäft von Klaus Kirchmayr und Isaac Reber ausführlich aus OnlineReports.

In ihrem Bericht über die Umgestaltung der Basler Meriangärten nimmt die BZ auf eine zuvor erschienene OnlineReports-Recherche Bezug.

Die Badische Zeitung zitierte in ihrer Vorwahl-Analyse der Basler Regierungs-Wahlen aus einem OnlineReports-Kommentar.

In der BZ-Kolumne nahm Daniel Wiener Bezug auf den OnlineReports-Kommentar über den Macht-Poker um die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Stadt Liestal hat die Einführung eines Ortsbusses namentlich in den Quartieren Sichtern und Langhag/Hanro mit 2'246 Ja-Stimmen gegen 2'717 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.

Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

Münchenstein hat der Quartierplanung "Spenglerpark" mit dem 100 Meter hohen Hochhaus mit einem Ja- Anteil von 58 Prozent zugestimmt.

Der Deutsche Florian Röthlingshöfer wird neuer Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen und Nachfolger von Hans-Peter Hadorn, der Ende Jahr abtreten wird.

Patricia von Falkenstein, die Präsidentin der Liberalen LDP, wird als Nachfolgerin von Helmut Hersberger neue Präsidentin des Hauseigentümer-Verbandes Basel-Stadt.

Roman Brunner (Muttenz) wird per 1. November 2020 neuer Präsident der Baselbieter SP-Landratsfraktion als Nachfolger von Miriam Locher, die sich für das Amt der Parteipräsidentin bewirbt.

Dem Enkeltrickgewerbe fielen in Basel kürzlich Beträge von 15'000 und 4'000 Franken in die Hände, während ein happiger Beutezug von 80'000 Franken misslang.

Der FC Basel und sein Captain Valentin Stocker verlängern den Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis im Sommer 2023 – mit einer Option auf ein weiteres Jahr.

Im vergangenen Sommer lagen die Ozon-Konzentrationen in der Region Basel zwar tiefer als im Vorjahr, aber immer noch deutlich über den Grenzwerten der Luftreinhalte-Verordnung.

Mit zusätzlichen Städtepartnerschaften mit Abidjan (Elfenbeinküste) und einer Stadt in einem Erstfluchtland im Nahen Osten will die Basler Regierung "ein Zeichen der Solidarität setzen".

Teilerwerbstätigen Beziehenden von Ergänzungsleistungen und Beziehenden von Ergänzungsleistungen, die zu einer medizinischen Behandlung fahren, werden im Baselbiet die Kosten für Schutzmasken mit pauschal 30 Franken vergütet.

Ralph Lewin und Andreas Sturm stellen sich nach über zehnjähriger Amtszeit nicht mehr für eine Wiederwahl für die nächste Amtsperiode im Bankrat der Basler Kantonalbank zur Verfügung.

Die auslaufenden Verträge von Cheftrainer Marcel Koller und den Assistenztrainern Thomas Janeschitz und Carlos Bernegger mit dem FC Basel werden "im gemeinsamen Einvernehmen" nicht verlängert.

Die auf Gebäudetechnik und Energiekonzepte spezialisierte Rapp Gebäudetechnik AG plant die Konzentration ihrer Geschäftstätigkeit am Standort Münchenstein und erwägt die Schliessung ihrer beiden Filialen in Lausanne und Genf.

Der Baselbieter Landrat wird vorläufig – mindestens bis zu den Herbstferien – weiterhin im Basler Kongresszentrum tagen, wie die Geschäftsleitung beschlossen hat.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt über den Pendlerfonds das Veloverleihsystem Basel mit 2,15 Millionen Franken.

Wegen der Corona-Situation haben der Gewerbeverband und das Erziehungsdepartement entschieden, die 8. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse  vom 15. bis 17. Oktober nicht durchzuführen.

Auf der A2 bei Birsfelden wurde in der Nacht des 3. August ein in der Region wohnhafter Italiener als Raser erwischt, der bei erlaubten 80 mit 140 Stundenkilometern in Richtung Bern/Luzern unterwegs war.