© by Sammlung Peter Suter, Basel
"Besonderes Kuriosum": Projekt-Idee für die Umleitung des Rheins

Visionen von damals: Der umgeleitete Rhein und andere Verrücktheiten

Basels Stadtplanung als Traum und Alptraum: Eine spannende Ausstellung im Museum "Kleines Klingental"


Von Christof Wamister


Die geträumte Stadt – nicht realisierte Planungsprojekte: Eine Ausstellung im Basler Museum "Kleines Klingental" ist der alternativen Stadtplanung und nie umgesetzten Visionen gewidmet. Aber auch die gebaute Realität und die aktuelle Zukunftsplanung werden thematisiert.


Ein verschiedenen Politikern zugeschriebenes Bonmot lautet: "Wer Visionen hat, muss zum Arzt." Oder er wird selbsternannter Stadtplaner. Die früheren Visionen der amtlichen Stadtplaner und privater Fachleute waren aus heutiger Sicht nicht minder verrückt. Eine Auswahl davon ist ab Wochenende in der Ausstellung "Die geträumte Stadt" im Museum Kleines Klingental zu sehen.

Marc Keller, früherer Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, der die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege kuratiert hat, konnte anlässlich der Medienpräsentation mit einem besonderen Kuriosum aufwarten: Ein präzise ausgearbeiter Plan aus der Krisenzeit 1932 zur Umleitung des Rheins. Entdeckt hat ihn der Sammler Peter Suter. Die Projektverfasser Franz und Paul Wilde waren Künstler, von denen noch verschiedene Plastiken auf Basler Strassen und Plätzen zu  sehen sind. Darauf hat uns Christiane Widmer von der Zeitschrift "B wie Basel" aufmerksam gemacht.

Platz für das Kunstmuseum

Gross- und Kleinbasel wären bei der Realisierung der Vision nur noch von der Birs (samt Zubringer Birsig) durchflossen worden. Dafür hätten auf den frei werdenden Flächen das Kunstmuseum und eine neue Universität gebaut werden können. Das waren in der Tat Standortprobleme, welche die Öffentlichkeit und die Verwaltung damals seit langem beschäftigten.

In der Ausstellung sind deshalb einige schöne Visualisierungen von Kunstmuseums-Projekten an neuen Standorten zu sehen: auf der Schützenmatte oder an der Rheinfront beim Kleinen Münsterplatz, wo heute immer noch das neugotische Haus der Allgemeinen Lesegesellschaft steht. 

Der Rhein wie die Autobahn

Vielleicht war die Idee, den Rhein umzuleiten, gar nicht so abnorm. Seine Linienführung erinnert an eine der Varianten für die Führung der Nationalstrasse in Richtung Deutschland, die in den sechziger Jahren die Basler Gemüter erhitzte.


Aus heutiger und zukünftiger Sicht gehören die Verkehrsplanung und der Bau von Verkehrs-Infrastrukturen zu den grössten Verrücktheiten der Nachkriegs-Hochkonjunktur. In der Ausstellung kommen sie mit der "Talentlastungsstrasse" mitten durch die Altstadt und dem Abbruch der alten Aeschenvorstadt zur Darstellung. Die Schneise durch die Altstadt blieb zum Glück beim Spiegelhof stecken, und die verbreiterte Aeschenvortadt erwies sich als verkehrstechnisch unbrauchbar.

Die Altstadt ausräumen?

Zur Durchlüftung der Altstadt setzte man damals nicht nur auf breite Strassen, sondern auch auf Ausräumung ganzer Altstadtwinkel, wie es im Modellbld des massiv vergrösserten Andreasplatzes (Bild links) zu sehen ist. Noch rechtzeitig fiel dann der Entscheid für die Renovation der Altstadtbauten zwischen Schneidergasse, Nadelberg und Spalenberg.

Zurück zum Rhein: Machmal braucht es doch Visionäre, wie zum Beispiel Rudolf Gelpke (1873-1940), den Wiederentdecker und Promotor der Rheinschifffahrt. Der Plan, den Rhein umzuleiten, tönt wie eine verrückte Variante von Gelpkes Gedanke, dass das Rheinwasser ja aus der Schweiz kommt und dass man das politisch als Druckmittel einsetzen könnte.

Statt dessen dominiert heute in der Rheinhafen-Gegend die planerische Zusammenarbeit über die Grenze, was im Kleinen Klingental auch dokumentiert ist.


Bereichert wird die Ausstellung durch Modelle aus dem Fundus des Bau- und Verkehrsdepartements und privaten Quellen sowie durch ein neu produziertes Einstiegsvideo und historische Dokumentarfilme.


Info
"Die Geträumte Stadt. Nicht realisierte Planungsprojekte für Basel". Museums Kleines Klingental 22. Mai 2021 bis 13. März 2022. Mit Veranstaltungsprogramm. www.mkk@bs.ch

 

Dieser Beitrag war dank des OnlineReports-Recherchierfonds möglich.

19. Mai 2021


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