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"Aufgrund der Komplexität des Verfahrens ausserstande": Anlagebetrüger Behring

Betrugsfall Dieter Behring: Alles von vorn für die Gläubiger

Das fachlich und personell überforderte Aargauer Konkursamt erhebt schwere Vorwürfe an Bundesanwaltschaft


Von Peter Knechtli


Die Aufarbeitung des Falls um den Anlagebetrüger Dieter Behring nimmt kein Ende: Das Aargauer Konkursamt erhebt schwere Vorwürfe gegenüber der Bundesanwaltschaft. Den betrogenen Anlegern nützt das wenig: Für sie beginnt der Kampf um Geld von vorn.


Eine Schadenssumme von 800 Millionen Franken (so die Wikipedia-Angabe) hat der am 5. März 2019 verstorbene Basler Anlagebetrüger Dieter Behring im Zeitraum zwischen September 1998 bis Oktober 2004 bei Investoren aus aller Welt hinterlassen. Doch obschon die Betrogenen seit Jahren darum kämpfen, zu holen, was noch zu holen ist, hat bisher noch keiner von ihnen Geld gesehen.

Vorwürfe eines überforderten Konkursamtes

"Es ist ein Elend, alles beginnt von vorn." Solche Sätze der Verzweiflung sind derzeit aus Anwaltskreisen zu hören, die für ihre Klienten vor über 15 Jahren erste Geldforderungs-Formulare an die Bundesanwaltschaft geschickt hatten. Aufgeschreckt sind sie durch einen Brief der Amtsstelle Brugg des Aargauer Konkursamtes, das mit der konkursamtlichen Erbschafts-Liquidation von Dieter Behring beglückt worden war.

Das an die Gläubiger dieser Liquidation gerichtete Schreiben eines Konkursbeamten zeigt nicht nur auf, dass die Konkursamts-Zweigstelle Brugg mit dem Verfahren personell überfordert war, so dass sich die Mandatierung der Spezialfirma "Lansliq AG" aufdrängte: Die Zweigstelle sehe sich "aufgrund der Komplexität des Verfahrens wie auch aus Kapazitätsgründen ausserstande, das weitere konkursamtliche Verfahren speditiv abzuwickeln".

Das "Versehen" der Bundesanwaltschaft

Aus dem Brief geht insbesondere hervor, mit welcher Kompetenz die Bundesanwaltschaft den Fall Behring abgewickelt hat. So heisst es in schwer verständlichem Amtsdeutsch, die "Transliq AG" habe sich gegenüber dem Bundesstrafgericht dafür eingesetzt, "dass von der Einziehung derjenigen Vermögenswerte von Dieter Behring abgesehen wird, die im Rahmen des Strafverfahrens gegen ihn zwar beschlagnahmt, aus Versehen von der Bundesanwaltschaft dem Bundesstrafgericht jedoch nicht vorgelegt worden waren und deshalb im Strafurteil nicht berücksichtigt werden konnten".

Überdies habe die "Transliq AG" beim Studium des Urteils des Bundesstrafgerichts vom 30. September 2016 festgestellt, dass "diverse Dieter Behring zugeordnete beschlagnahmte Vermögenswerte im Wert mehrerer Millionen Franken eingezogen wurden, ohne dass deren Herkunft überprüft worden ist".

Dies, so fährt das Schreiben fort, "obwohl die einziehungsbegründeten Umstände vom Staat zu beweisen und die Strafbehörden aufgrund des Untersuchungs-Grundsatzes zu entsprechenden Abklärungen verpflichtet sind".

Gläubiger aller Welt auf Zirkularweg

Wegen des Covid-Risikos, teilt das Konkursamt den betrogenen Anlegern mit, werde keine physische erste Gläubigerversammlung durchgeführt, nicht zuletzt auch wegen Reisebeschränkungen ausländischer Gläubiger. Vielmehr erfolge die Abwicklung "auf dem Zirkularweg".

Das Dicke, das in Anwaltskanzleien für rote Köpfe und Kopfschütteln sorgen dürfte, kommt am Schluss: Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Forderungen und Beweismittel bis 29. November der "Transliq AG" vorzulegen. Es handelt sich dabei um Papierberge, die schon einmal eingereicht wurden und in Kopie nun in Archiven der Kanzleien schlummern.

"Trauerspiel" auf Kosten der Gläubiger

Dies habe "zur Folge, dass die Gläubiger, die seit Jahren auf ihr Geld warten, erneut aufgefordert werden, die bereits vor zahlreichen Jahren im Strafverfahren gegen Dieter Behring eingegebene Forderung nochmals einzugeben und im Detail zu belegen", wie OnlineReports aus einer Anwaltskanzlei erfuhr. Es handle sich um eine "Never ending story" und ein "Trauerspiel unserer Justiz" auf Kosten von Gläubigern.

OnlineReports weiss von einem Fall, in dem Gläubiger angesichts des schleppenden Verlaufs ihre Rechtsvertretung schon zweifelnd fragten, ob sie eigentlich "mit der Gegenseite" zusammenarbeite. Kommt dazu: Die "Transliq AG" arbeitete nicht gratis. Ihre Honorare dürften die bescheidene Barsumme belasten, bevor die Anleger am Sankt Nimmerleinstag vielleicht einen Rappen davon zu sehen bekommen.

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4. November 2021

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"Justizorgane sollten nicht versagen"

Zum Zug kommen Menschen wie Dieter Behring, weil sie auf die Gier vieler und auf die Nachlässigkeit anderer zählen dürfen. Dann war Dieter Beehring wahrscheinlich auch mit Charisma und rhetorischen Fähigkeiten begabt. Dass sich die Beamtinnen und Beamten der Bundesanwaltschaft im Behringschen Spiegellabyrinth verirren, kann ich sogar nachvollziehen. Für ein postitives Staatsverständnis von uns Bürgerinnen und Bürger ist es aber wichtig, dass wir sehen, dass die Justizorgane nicht versagen. Das wäre doch eines der Themen, mit dem sich Politiker und Politikerinnen profilieren könnten, statt mit Kuhglocken-Umzügen.


Stephan Kalt, Basel



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Telebasel
Wahlberichterstattung
über Kilchberg BL
vom 27. November 2022
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Der Basler Lokalsender glänzt jetzt auch mit Hintergrundbild von Kilchberg am Zürichsee.

RückSpiegel


20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

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Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Recherche über Lärm-Überschreitungen im Osten des Gundeldinger-Quartiers auf.

Auf die OnlineReports-News über den Rücktritt der Laufener Finanzkommission reagierte die BZ Basel mit einem Nachzug.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Analyse der Basler FDP auf einen OnlineReports-Artikel aus dem Jahr 2005 Bezug.

Die BZ Basel nahm in ihrem Bericht über den Protest gegen entwässerte Basler Brunnen auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-News über stehengelassene BVB-Buspassagiere wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Aufnahme von Frauen in die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über Login-Probleme bei der Basler Kantonalbank (BKB) nach. Ebenso das Regionaljournal, das aber keine Quelle nannte.

Die BZ Basel und das SRF-Regionaljournal nahmen die OnlineReports-Meldung vom Tod des ehemaligen Baselbieter LdU-Nationalrats Claudius Alder auf.

In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Heiko Vogel (47), der frühere Cheftrainer, kehrt am 1. Januar 2023 als Sportdirektor zum FC Basel zurück, um den "gesamten operativen Fussball-Alltag des FCB" zu verantworten.

Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

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Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

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Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

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Der Verein "Treffpunkt Arlesheim" (ehemals "Verkehrsverein Arlesheim") beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, sich aufzulösen.

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Der Liestaler Stadtrat hat beschlossen, den "Engel-Saal" unter dem Namen "Stadtsaal" in eigener Regie zu betreiben, womit er den Liestaler Vereinen zukünftig zu vergünstigten Konditionen angeboten werden kann.

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