© Screenshot by Telebasel
"Umgehend unwiderruflich löschen": FCB-Cupsieger-Feier 2017, Barfüsserplatz

Ein gewalttätiger FCB-Hooligan gerät in die Mühlen der Justiz

Er wehrte sich vor Appellationsgericht erfolglos gegen eine DNA-Analyse – und wusste, weshalb


Von Peter Knechtli


Ein gewalttätiger FCB-Anhänger griff einen Sicherheitsdiest-Mann an und wollte im Rahmen der folgenden Ermittlungen eine DNA-Analyse durch die Staatsanwaltschaft verhindern. Das Gericht wies seine Beschwerde jedoch ab. Er war zuvor schon wegen zwei Pyro-Delikten zu einer bedingten Strafe verurteilt worden.


Der Fall, den der Basler Appellationsgerichts-Präsident Marc Oser Ende September zu entscheiden hatte, zeigt auf, wie der unbelehrbare Fussball-Chaot Amadeus (Name redaktionell geändert) in die Mühlen der Justiz geriet, was ihm jahrelange Verfahren beschert.


"Kroo"-Mann mit Fäusten angegriffen
 

Ausgangspunkt ist die Pokalfeier des FC Basel vom 3. Juni 2017 auf dem Barfüsserplatz, wo ein Deliktsvorwurf das Strafverfahren auslöste: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Amadeus wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Der Beschuldigte habe zusammen mit einem Mittäter einen Angestellten des "Kroo"-Sicherheitsdienstes mit Fäusten angegriffen und verletzt und dessen Mobiltelefon beschädigt.

Fast vier Jahre später, am 23. April dieses Jahres, verfügte die Staatsanwaltschaft einen Wangenschleimhautabstrich (WSA) zur Durchführung einer DNA-Analyse. Eine solche Massnahme kann laut Strafprozess-Ordnung angeordnet werden, wenn ein hinreichender Tatverdacht besteht, dass die damit angestrebten Ziele nicht durch mildere Massnahmen erreicht werden können und die Bedeutung der Straftat die Zwangsmassnahme rechtfertigt.


Widerstand gegen DNA-Profil
 

Dagegen wehrte sich Amadeus mit einer Beschwerde ans Appellationsgericht. Die Verfügung einer DNA-Analyse sei aufzuheben "und alles gewonnene Material sei zu vernichten". Sollte bereits ein DNA-Profil erstellt worden sein, sei dieses "umgehend unwiderruflich zu löschen", wie aus dem Urteil des Appellationsgerichts hervorgeht.

 

Zwar ist es für das Gericht unbestritten, dass zur Aufklärung der Delikte am "Kroo"-Angestellten kein DNA-Profil nötig sei. Gerechtfertigt und verhältnismässig sei es aber, wenn erhebliche und konkrete Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die beschuldigte Person in andere – auch künftige – Delikte verwickelt sein könnte. Es müsse sich dabei um Delikte von einer gewissen Schwere handeln.


Als Pyro-Aktivist im St. Jakob-Park
 

Hier kommen zwei weitere Vorfälle ins Spiel, die Amadeus im Jahr 2019 mit der Strafverfolgung in Kontakt brachten. Am 25. Mai und 19. September hatte er im St. Jakob-Park vermummt inmitten von Zuschauern eine Notsignalfackel gezündet – nach seiner Meinung ein "Bagatelldelikt". Eine Meinung, die das Bundesgericht gar nicht teilt, sondern es sogar für vertretbar hält, "die Verwendung pyrotechnischer Gegenstände in einer Sportstätte als gewalttätiges Verhalten zu bezeichnen".

Dafür verurteilte ihn das Strafgericht wegen Verstosses gegen das Bundesgesetz über explosionsgefährliche Stoffe und das baselstädtische Übertretungsstrafgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu 30 Franken und einer Busse von 300 Franken.

Dieses bedingte Urteil erging am 20. April 2021. Das Datum ist deshalb wichtig, weil die Staatsanwaltschaft genau drei Tage später die DNA-Analyse anordnete. Im Falle einer Verurteilung wegen des Übergriffs auf den "Kroo"-Wachmann droht somit Freiheitsentzug.

"Kein einmaliger Ausrutscher"

Mit seiner Beschwerde stiess Amadeus beim Gericht aber auf taube Ohren. In seiner Begründung schreibt es, mit der "anhaltenden Verharmlosung seines Tuns" sei vermehrt damit zu rechnen, dass er auch in Zukunft "Taten gleicher Art begehen wird oder solche bereits in der Vergangenheit begangen hat". Der kurze Abstand zwischen den beiden Pyro-Delikten deute darauf hin, "dass es sich nicht um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt hat".

Und weiter: "Diese Hinweise auf weitere mögliche schwere Delinquenz des Beschwerdeführers reichen aus, um die im öffentlichen Interesse liegenden und vergleichsweise leichten Zwangsmassnahmen wie die Abnahme eines WSA und die Erstellung des DNA-Profils zu rechtfertigen."

Mehr über den Autor erfahren

10. Oktober 2021


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Diese Frage geht mir nicht aus dem Kopf"

Es gehört sich meines Wissens eigentlich nicht, die Arbeit der Staatsanwaltschaft und der Gerichte zu kommentieren, aber ich kann die Frage nicht aus dem Kopf bringen, wie zügig und fleissig die Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft arbeiten, wenn sie vier (4!) Jahre nach einem Vorfall eine DNA-Analyse verlangen.


Heinrich Heusser, Basel



Weitere aktuelle News

News

Möhlin Polizei-Sprecher zu Einsatz: "Es fielen keine Schüsse"
Liestal Zwei Neubauten: Neues Gesicht für Psychiatrie Baselland
Sissach Fritz Graf: Ein markanter alt-SVP-Landrat ist tot
Medien Daniel Wahl: Der falsche Plural und "Fall Adeline"-Vergleich
Basel Syngenta-Protest: SVP-Angriff auf Grossrätin Tonja Zürcher
Basel Erneut wurde Fussgängerin durch Radfahrer verletzt
Basel Eva Herzog kündigt Rücktritt auf Ende Januar 2020 an

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Die Aufdrängung"
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"In der Nacht auf Dienstag kam am Totentanz in Basel zu einem Totenfall."

nau.ch
vom 3. Januar 2023
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Ein anschauliches Fall-Beispiel.

RückSpiegel


Telebasel nahm im "Wahltalk" auf ein Zitat in einem OnlineReports-Artikel Bezug.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-Erstmeldung über die Verhaftung eines Gewerbetreibenden nach.

Zum aktuellen Thema "Krise des Kulturjournalismus" bezeichnet die Basler Zeitung die Theater- und Opernkritiken in OnlineReports als "löbliche Ausnahme".

In ihrem Text über die Bundesratswahlen zitierte die Luzerner Zeitung aus dem OnlineReports-Leitartikel über die Basler Kandidatin Eva Herzog.

In seiner Bestandesaufnahme über Basler Online-Medien startet das Wirtschafts-Magazin Trend von Radio SRF1 mit OnlineReports.

Die Basler Zeitung ging in ihrem Bericht über den Telebasel-Weggang von Claude Bühler auf dessen Rolle als Theaterkritiker bei OnlineReports ein.

Telebasel zog den OnlineReports-Bericht über Fassaden-Probleme am Markthalle-Hochhaus nach. Die BZ Basel zog auch nach, unterschlug aber eine Quellennennung.

In ihren Presseschauen zu den Bundessratswahlen zitierten bajour.ch und primenews.ch aus dem OnlineReports-Leitartikel über Eva Herzog.

matthiaszehnder.ch nimmt die beiden News-Artikel aus OnlineReports zum Anlass, sich über die schrumpfende Kulturberichterstattung in den Schweizer Medien Gedanken zu machen.

Bajour zitierte OnlineReports in seinem Bericht über die Verwicklung von Bundesratskandidatin Eva Herzog in umstrittene Basler Geschäfte.

In ihrer Recherche über die sterbende Kulturberichterstattung in Basler Medien bezieht sich Bajour auf OnlineReports.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

Die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Rückkehr von Christine Keller in den Basler Grossen Rat auf.

In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Melanie Thönen übernimmt am 1. Mai die Leitung des Pädagogischen Zentrums PZ.BS. Sie folgt auf Susanne Rüegg, die Ende August 2022 pensioniert worden ist.

Sarah Baschung leitet ab 1. April den Swisslosfonds Basel-Landschaft in der Sicherheitsdirektion und folgt auf Heidi Scholer, die in Pension geht.

Basel-Stadt und Baselland wollen zusammen die psychiatrische Versorgung in der Gemeinsamen Gesundheitsregion weiterentwickeln.

Nicola Goepfert, seit Juni Mitglied des Basler Grossen Ratse, wurde als neuer Co-Präsident der Links-Partei "Basta" gewählt.

Heiko Vogel (47), der frühere Cheftrainer, kehrt am 1. Januar 2023 als Sportdirektor zum FC Basel zurück, um den "gesamten operativen Fussball-Alltag des FCB" zu verantworten.

Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

Ab 1. November müssen sämtliche Personen, die den Kanton in strategischen Führungsorganen der Beteiligungen des Kantons Basel-Landschaft vertreten, ihre Vergütungen offenlegen.

Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

Am 29. Oktober, ab 10.15 Uhr, findet an der Oristalstrasse 100 A in Liestal die öffentliche Fahrzeug-Versteigerung von rund 140 Velos diverser Marken, 4 Autos (BMW X6 xDrive30d, Honda Civic 2.0i Typ R, VW T5 Kombi D 4M BMT, VW Polo Blue GT) und ein Arbeitsanhänger (BZS MA MA MA) statt.

Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

Die Evangelische Volkspartei Baselland (EVP) feierte am vergangenen 9. Oktober mit Partei- und ihren 100. Geburtstag.

Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.