© Foto by Wikipedia
"Ich möchte keinen Stellvertreter-Konflikt": Gedenkstein auf Basler Friedhof

Sowjetische Soldaten-Zeremonie mobilisiert Bundes-Diplomatie

Russland gedenkt am 9. Mai auf dem Basler Friedhof "Hörnli" gefallenen Soldaten – dieses Jahr politisch brisant


Von Peter Knechtli


Die patriotische Gedenkfeier am 9. Mai durch Russen am Grab gefallener Sowjet-Soldaten auf dem Basler Friedhof "Hörnli" hat eine ruhige Tradition. Dieses Jahr erlangt der Anlass durch Putins Ukraine-Invasion unerwartet politische Brisanz. Die Basler Regierung, mit der Ukraine solidarisch, schaltete die Bundes-Diplomatie ein.


Oben auf dem massiven Steinquader ein Sowjetstern, darunter die Namen von 21 bekannten und zwei unbekannten sowjetischen Soldaten. "Gefallen im Kampf gegen den Faschismus." So nüchtern steht der Grabstein im Abteil 11 zuoberst auf der Hauptachse des Basler Friedhofs "Hörnli".

Praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit nutzt das offizielle Russland auch in der Schweiz jeweils den 9. Mai, dem Sieg der Sowjet-Armee über Nazi-Deutschland und der Kapitulation der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und seiner gefallenen Soldaten zu gedenken. An diesem offiziellen russischen Feiertag pilgern diplomatisches Personal, begleitet von bis zu 200 in der Schweiz lebenden russischen Staatsbürgern, zur Grabesstätte. Meist soll auch der Botschafter zugegen sein.

Wessels: "Leicht absurd"

Vor einigen Jahren war auch der damalige Basler Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels einmal Gast des Anlasses. Wie er sich gegenüber OnlineReports erinnert, war eine "besondere Zeremonie" abgehalten worden. Dem Grab wurde im Beisein von Uniformierten und Botschafts-Angehörigen symbolisch ein Stück Erde entnommen und nach Moskau in ein Mausoleum überführt, das Präsident Putin hatte errichten lassen.

Dem Basler Regierungsmitglied – schweizerisches Understatement gewohnt – kam die Ernsthaftigkeit des Geschehens "wie surreales Theater" und "leicht absurd" vor. Die Friedhofverwaltung nimmt am "Russengrab" (Umgangssprache) jeweils "gegen Kostenfolge" Bestellungen für Trauerflor und Lautsprecheranlage entgegen.

Getrennte Gedenkfeiern

Auch für den bevorstehenden 9. Mai meldete sich eine russische Delegation zum Besuch auf dem "Hörnli". Doch vor dem Hintergrund der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine erhält das Zeremoniell unerwartet eine politisch brisante Note, wie "Prime News" vor gut zwei Wochen berichtete. Seit Kriegsausbruch ist Basel-Stadt offiziell Sympathisant der Ukraine, wie die spontane Hissung der blau-gelben Flagge am Rathaus belegt.

Begingen früher Russen und Ukrainer das Gedenken auf dem Friedhof gemeinsam, so kommt es seit einigen Jahren – womöglich seit dem Einmarsch der Russen in die Krim – zu getrennten Anlässen: Die Ukrainer sammelten sich am 8. Mai zum Zeremoniell. Denn unter den 21 Namen befinden sich, was nicht zuverlässig identifiziert werden kann, möglicherweise auch solche ukrainischer Soldaten.

Grabschmuck vereint – nach den Feiern

Um den Russen tags darauf ein jungfräuliches Grab präsentieren zu können, räumten Friedhofgärtner jeweils am Abend zuvor Blumenschmuck, Kränze und Arrangements der Ukrainer beiseite, um die Gaben beider Länder am 10. Mai nebeneinander vereint zu gruppieren. "Beide Seiten akzeptierten das", war aus der Friedhofverwaltung zu erfahren.

Ob das heute, da sich beide Kriegsparteien als "Feinde" bezeichnen, noch so wäre, ist nicht sicher. Emanuel Trueb, als Chef der Basler Stadtgärtnerei für den Friedhof "Hörnli" zuständig, möchte "unter allen Umständen verhindern", dass der Konflikt zwischen prorussischen und -ukrainischen Kräften an den Friedhof herangetragen würde, wie er zu OnlineReports sagte: "Eine Stellvertreter-Auseinandersetzung am Grab von sowjetischen Soldaten möchte ich nicht haben."

Bisher keine ukrainische Anmeldung

Bisher liegt somit nur eine Anmeldung der russischen Botschaft vor – nicht aber von der ukrainischen. Bisher habe sie "noch keine Meldung" erhalten, sagte Tetyana Polt als Präsidentin der Vereinigung "Ukrainer in Basel" zu OnlineReports. Dies könnte darauf hindeuten, dass der ukrainische Gedenktag dieses Jahr ausfällt.

Sicher zu sein scheint, dass dieses Jahr kein Basler Regierungsmitglied der russischen Zeremonie beiwohnen wird. Regierungsrätin Esther Keller, in deren Kompetenzbereich der Friedhof fällt, "hat keine entsprechende Einladung erhalten – weder offiziell noch inoffiziell", wie eine Departementssprecherin auf Anfrage erklärte.

Das dürfte der Regierungsrätin nicht ungelegen kommen, zumal hinter den Kulissen schon nach Lösungen gesucht wird, um zu verhindern, dass der russische Feiertag zu einem Trauertag wird.

Bundes-Diplomatie eingeschaltet

Die Kantonsregierung hat inzwischen das eidgenössische Aussendepartement und seine diplomatischen Spezialisten eingeschaltet. Im Moment laufen Gespräche auf Bundesebene mit dem russischen Botschafter, sagte der Basler Regierungssprecher Marco Greiner zu OnlineReports. "Wir sind darum noch nicht am Punkt angelangt, da wir etwas sagen können."

Auch bei der Kantonspolizei ist derzeit keine proaktive Kommunikation geplant, wie Sprecher Adrian Plachesi gegenüber OnlineReports sagte. Die Polizei sei sich aber "der speziellen Situation in diesem Jahr bezüglich der erwähnten Gedenkfeiern bewusst". Sie werde auf der Basis einer laufenden Lagebeurteilung "adäquate Sicherheitsvorkehrungen treffen".

Mehr über den Autor erfahren

27. April 2022


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Weitere aktuelle News

News

Basel Breisacherstrasse: Angriff mit Messer und Baseball-Schläger
Kasse BS: Hervorragende Rechnung – Ruf nach Steuersenkungen
Medien Basler Medienförderung: Nein, aber vielleicht doch
Basel Überdeckung der Osttangente nimmt langsam Form an
Hilfe Gemeinden drücken sich um Plätze für Ukraine-Flüchtlinge
Medien "Nebelspalter"-Somm und "Prime News"-Keller: Annäherung
Basel Vor dem Hauseingang: Raubangriff an der Schanzenstrasse

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gehort.gif
"Basel SBB, c’est Endbahnhof."

SBB
Zugsdurchsage
vom 3. November 2022
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gehort.gif

Basel, bilingue.

RückSpiegel


matthiaszehnder.ch nimmt die beiden News-Artikel aus OnlineReports zum Anlass, sich über die schrumpfende Kulturberichterstattung in den Schweizer Medien Gedanken zu machen.

Bajour zitierte OnlineReports in seinem Bericht über die Verwicklung von Bundesratskandidatin Eva Herzog in umstrittene Basler Geschäfte.

In ihrer Recherche über die sterbende Kulturberichterstattung in Basler Medien bezieht sich Bajour auf OnlineReports.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

Die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Rückkehr von Christine Keller in den Basler Grossen Rat auf.

In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Recherche über Lärm-Überschreitungen im Osten des Gundeldinger-Quartiers auf.

Auf die OnlineReports-News über den Rücktritt der Laufener Finanzkommission reagierte die BZ Basel mit einem Nachzug.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Analyse der Basler FDP auf einen OnlineReports-Artikel aus dem Jahr 2005 Bezug.

Die BZ Basel nahm in ihrem Bericht über den Protest gegen entwässerte Basler Brunnen auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-News über stehengelassene BVB-Buspassagiere wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Aufnahme von Frauen in die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über Login-Probleme bei der Basler Kantonalbank (BKB) nach. Ebenso das Regionaljournal, das aber keine Quelle nannte.

Die BZ Basel und das SRF-Regionaljournal nahmen die OnlineReports-Meldung vom Tod des ehemaligen Baselbieter LdU-Nationalrats Claudius Alder auf.

In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Heiko Vogel (47), der frühere Cheftrainer, kehrt am 1. Januar 2023 als Sportdirektor zum FC Basel zurück, um den "gesamten operativen Fussball-Alltag des FCB" zu verantworten.

Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

Ab 1. November müssen sämtliche Personen, die den Kanton in strategischen Führungsorganen der Beteiligungen des Kantons Basel-Landschaft vertreten, ihre Vergütungen offenlegen.

Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

Am 29. Oktober, ab 10.15 Uhr, findet an der Oristalstrasse 100 A in Liestal die öffentliche Fahrzeug-Versteigerung von rund 140 Velos diverser Marken, 4 Autos (BMW X6 xDrive30d, Honda Civic 2.0i Typ R, VW T5 Kombi D 4M BMT, VW Polo Blue GT) und ein Arbeitsanhänger (BZS MA MA MA) statt.

Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

Die Evangelische Volkspartei Baselland (EVP) feierte am vergangenen 9. Oktober mit Partei- und ihren 100. Geburtstag.

Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.

Der Verein "Treffpunkt Arlesheim" (ehemals "Verkehrsverein Arlesheim") beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, sich aufzulösen.

Gleichzeitig mit dem Start der Bundeskampagne zum Energiesparen senkt die Basler Regierung die Heiztemperatur in seinen Verwaltungsgebäuden auf 19 Grad Celsius.

Der Liestaler Stadtrat hat beschlossen, den "Engel-Saal" unter dem Namen "Stadtsaal" in eigener Regie zu betreiben, womit er den Liestaler Vereinen zukünftig zu vergünstigten Konditionen angeboten werden kann.

Die Baumann & Cie übernimmt rückwirkend per 30. Juni 100 Prozent der Aktien der Vögeli Vermögensverwaltung AG.

In Basel-Stadt ist am 19. August die aus Lehrerkreisen angeregte Initiative zur Erweiterung der Integrativen Schule durch heilpädagogisch geführte Förderklassen eingereicht worden.

Die beiden Ludotheken Bläsi und St. Johann der Robi-Spiel-Aktionen werden nach 2022 nicht weiter betrieben.

Anouk Feurer, die Co-Präsidentin des "Jungen grünen Bündnisses Nordwest", ist Nachrückende für die zurücktretende grüne Basler Grossrätin Michelle Lachenmeier.