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Max Kaufmann: Frisch pubertiert

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Die Generation, die sich nicht mehr ans Telefon getraut

Nachdem ich vergangene Woche die Bachelorprüfung überstanden habe, muss ich nun vor allem eines dringend angehen, das ich im Lernstress hinausgeschoben habe: meine Haare schneiden lassen. Bei der Suche nach dem passenden Coiffeur-Geschäft gibt es ein entscheidendes Kriterium. Der Termin muss online buchbar sein.

Beim Poetry Slam vor einem vollen Saal einen selbst geschriebenen Text mit persönlichem Inhalt vorzulesen, macht mich weit weniger nervös, als irgendwo anzurufen, um einen Termin zu vereinbaren. Nichts finde ich unangenehmer, als nicht zu wissen, wer auf der anderen Seite am Apparat ist, und dann in die Stille hinein das Anliegen formulieren zu müssen.

Diese Scheu vor Telefonanrufen ist in meiner Generation weit verbreitet. Manchmal kommt vor, selbst wenn Freund*innen anrufen: Ich lasse es klingeln, bis die Anrufenden aufhängen, und frage dann per Chat: "Was gibt’s?"

Meine Generation hat sich daran gewöhnt, Dienstleistungen über Plattformen zu beziehen.

Die Abneigung gegen Anrufe variiert meinem Eindruck nach mit Alter und Generation: Während ich mich selbst und Gleichaltrige ab und zu dabei ertappe, Anrufen auf diese Weise auszuweichen, haben Freund*innen, die gegen die Dreissig gehen und an der Grenze zur Millennial-Generation stehen, keinerlei Scheu, jederzeit das Handy zu zücken.

In meiner Generation haben wir uns jedoch daran gewöhnt, Dienstleistungen im Alltag zunehmend über Plattformen zu beziehen: Die Sommerferien werden auf der modern und intuitiv gestalteten Hostel-Seite geplant, die Pizza wird beim Lieferdienst per Klick in der App und die Heimfahrt nach dem Ausgang bei Uber bestellt. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals per Telefon ein Taxi gerufen zu haben.

Zugegeben: Dass eine Generation Angst vor Telefonaten bekommt, wirkt skurril. Die stattdessen konsumierten Plattform-Dienstleistungen – Pizza, Uber – haben auch einen faden Beigeschmack. Es lässt sich nicht verdrängen, dass die Plattformen migrantische Personen ausnutzen, die durch einen unsicheren Aufenthaltsstatus umso mehr auf ein Einkommen angewiesen sind und sich deshalb auf die ungenügend versicherte Arbeit unter schlechten Bedingungen einlassen.

Per App lagern wir Aufgaben an andere aus, um die eigene Tageszeit bestmöglich zu nutzen.

Die Kritik älterer Generationen am Konsumverhalten "der Jungen" setzt aber oft auf der falschen Ebene an. Man bedauert, dass der direkte Austausch und das Gegenüber verloren gegangen sind, seit Dienstleistungen "per Klick" bezogen werden. Ich finde es nicht zielführend, eine Zeit vor den Smartphones zu romantisieren, in der alles "viel echter" gewesen sein soll.

Der zunehmende Bezug von Dienstleistungen über Plattformen kann jedoch als Symptom dafür gesehen werden, dass alles immer schneller gehen muss. Per App lagern wir Aufgaben an andere aus, weil es gilt, die eigene begrenzte Tageszeit so effizient wie möglich zu nutzen. Dieser Druck macht auch nicht vor anderen Generationen halt – und bereitet mir mehr Sorgen, als dass wir uns nicht mehr ans Telefon getrauen.

27. Mai 2024
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Max Kaufmann, geboren 2001, wuchs in Allschwil BL auf. Inzwischen wohnt er in einer WG im Basler "Gundeli" und studiert Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Basel. Seit er vierzehn Jahre alt ist, tritt Max Kaufmann regelmässig an Poetry Slams auf. Im März 2018 wurde er in Winterthur Poetry-Slam-Schweizermeister in der Kategorie u20.

max.kaufmann@gmx.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Nichts geht über ein persönliches Gespräch"

Ich bin nun schon eine alte, oder sagen wir mal ältere Frau. Die Möglichkeit, via eine Plattform etwas abzuwickeln, finde ich lässig. Gerade gestern haben ich Tickets für eine Aufführung bestellt und diese ganz easy mit Twint bezahlen können. Die Tickets liegen nun bereits von mir ausgedruckt bei der Agenda.

Aber nichts desto trotz geht bei mir nichts über ein persönliches Gespräch. Ich gehe ja immer zur selben Coiffeuse und machen den nächsten Termin jeweils vor Ort ab. Aber statt sich per Whatsapp zu "streiten" oder mit jemandem etwas zu vereinbaren und x-mal hin- und herzuschreiben, bevorzuge ich einen Telefonanruf. Ich höre dann die Stimme, die Modulation (geht es der Person gut oder schlecht), ich höre die Freude, den Ärger und kann allfällige Kommunikationspannen (man kann sich ja auch vertippen ...) ausräumen. Man kann auch gemeinsam nach einem Termin suchen und vieles mehr.

Für Dienstleistungen wie Taxi oder Pizza mag eine Online-Plattform gut sein. Das Gespräch mit Freundinnen und Freunden oder der Familie ist mir aber heilig.

Dazu kommt: Immer mehr Menschen klagen, sie seien einsam. Es gibt schon echt viele Programme gegen Einsamkeit. Kunststück, wenn alle nur noch hinter ihren Handys, Tablets oder Computer hocken, alles online bestellen und menschliche Kontakte – und sei es nur mit der freundlichen Verkäuferin im Laden – scheuen.

Seien wir ehrlich: Das mit der Argumentation, möglichst effizient zu sein, "verhebt" irgendwie nicht. Oder ist es effizient, wenn ich Kleider bestelle, die ich dann zurückschicken muss, weil sie mir doch nicht gefallen?


Beatrice Isler, Basel



"Ganz modern geworden"

Die Scheu beziehungsweise Abneigung vor Telefonanrufen – ich nenne es pseudowissenschaftlich die "Einbildung unter Telefonophobie zu leiden" – ist nicht neu. Bereits 1970 an meinem 20. Geburtstag trug ein guter Freund ein Spottgedicht über mich vor: "Lieber 100 Briefe schreiben, statt ein Telefon …"

Damals gab es noch nicht A- und B-Post, die Briefkästen wurden noch abends spät geleert und die Post am nächsten Morgen früh ausgetragen. Da kurzfristige Abmachungen heute per Brief nicht mehr möglich sind, erledige ich fast alles über E-Mail, WhatsApp oder Plattform und bin somit ganz modern geworden. 


Rolf Stürm, Basel


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Andrea Strahm

Poster auf Social Media
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"Bodensee-Hochwasser fliesst Richtung Basel"

bazonline
am 13. Juni 2024
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Wohin soll es denn sonst fliessen? 

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel

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In einem Satz


Karoline Sutter und Urs Berger treten nach über zehn Jahren per 31. März 2025 aus dem Bankrat der Basler Kantonalbank zurück, die Vakanzen werden demnächst ausgeschrieben.

Jacqueline Herrmann und Alexander Bieger lösen Brigitte Jäggi ab, die als Rektorin des Gymnasiums Muttenz in Pension geht.

Bettina Zeugin folgt als Präsidentin von insieme Baselland auf Röbi Ziegler.

Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Peter Schmid gibt das Präsidium des Freundevereins Zoo Basel an seine Parteikollegin und Landrätin Miriam Locher ab.

Eine Findungskommission sucht eine Nachfolge für Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen Basel, die 2025 in Pension geht.

Grünen-Politikerin Flavia Müller aus Allschwil rückt für Biljana Grasarevic in den Baselbieter Landrat nach.

Doppel-Pensionierung am Euro-Airport: Direktor Matthias Suhr geht Ende März 2025, sein Stellvertreter Marc Steuer Ende Dezember 2025 in den Ruhestand.

Jo Krebs
übergibt nach über 23 Jahren seine Stelle als Leiter Unternehmenskommunikation von Primeo Energie an Nachfolger Fabian Hildbrand.

Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.