Werbung

Max Kaufmann: Frisch pubertiert

<< [ 1 | (...) | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | (...) | 64 ] >>

Die Kontroverse am Weihnachtstisch

Zum Beginn des Jahres möchte ich euch gratulieren: Glückwunsch, ihr habt die Festtage überstanden.

Insbesondere freue ich mich für alle in meinem Alter, die die Feiertage mit ihrer Familie verbracht haben – und trotzdem wohlauf ins neue Jahr gelangt sind. Dies, weil die Tischgespräche mit Familienmitgliedern unserer Eltern- und Grosselterngeneration einem manchmal einiges abverlangen. Das Heikle an den Feiertagen: Sie sind der reinste Tischgespräch-Marathon.

 

Die Konstellationen von anwesenden Personen wechseln zwar von Abend zu Abend, das Muster bleibt aber gleich: Menschen, die weit im letzten Jahrhundert geboren worden sind, machen Aussagen, die meiner Meinung nach im letzten Jahrhundert hätten bleiben können.

 

Eine Haltung, die ich über diese Feiertage miterlebt habe, war zum Beispiel, dass angesichts stark geschminkter, teils gar schönheitsoperierter und auf Social Media posierender Frauen die Emanzipation – zugespitzt ausgedrückt – eh im Arsch sei. Ich war überzeugt, unsere heutige Vorstellung von Emanzipation sei breiter als das, könne allerlei Ausdrucksformen haben und argumentierte dagegen."

"Trotz allem war es spannend, wieder einmal
aus meiner Blase hinauszukommen."

"Zugleich merkte ich aber auch, dass es sicher nicht an mir ist, zu urteilen, wer emanzipiert ist und wer nicht. Und schon gar nicht zwischen Vorspeise und Hauptgang mit einem Glas Wein in der Hand.

 

Am Tag zuvor in einer anderen Konstellation ging es darum, dass sich Studierende und Dozierende an der Universität teilweise mit den Pronomen vorstellen, mit denen sie gerne angesprochen werden. Was denn der Nutzen davon sei, wurde ich gefragt.

 

Bis geklärt war, dass man Personen nicht einfach ansieht, welches Geschlecht sie haben, brauchte es eine Weile. Und für jene, die das nicht verstehen wollen: Das erinnert mich sehr an das Unverständnis dafür, dass "Leser*innen" und "Leserinnen und Leser" nicht dasselbe sind. (Die zweite Formulierung erfasst nur weibliche und männliche Personen.)

 

Die Tischgespräche haben manchmal auch amüsante Seiten: Wie wir in die schräge Situation kamen, dass ich meiner Grossmutter zu erklären versuchte, wie "Germany’s Next Topmodel" funktioniert, weiss ich nicht mehr. Wahrscheinlich ging es auch um Schönheitsideale. Schönerweise vertrat aber niemand eine Position, die Kontroversen auslöste. Sogar während der Feiertage ist man irgendwann diskussionsmüde.

 

Trotz allem war es spannend, wieder einmal aus meiner Blase hinauszukommen und zu sehen, wie in der "Grossfamilie" gewisse Haltungen weniger selbstverständlich sind und manche Konzepte unbekannt.

 

Dass das Ganze lehrreich war, lässt sich aber auch nur aus einer gewissen Position leicht sagen. Als weisser, heterosexueller cis-Mann* haben mich Aussagen am Tisch genervt und aufgeregt, doch bin ich nicht direkt und persönlich von ihnen betroffen wie andere junge Erwachsene.

 

Abgesehen davon bleibt: Meine Grossmutter weiss jetzt, wie "Germany’s Next Topmodel" funktioniert. Das nächste Mal erklärt sie mir wahrscheinlich, was sie daran problematisch und was sie empowering findet. Wenn auch generationen-bedingt vermutlich mit einem anderen Vokabular.


* Google-Definition: cisgeschlechtlich ist eine Bezeichnung für Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei ihrer Geburt anhand der Genitalien zugeschrieben wurde.

3. Januar 2022
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Max Kaufmann, geboren 2001, wuchs in Allschwil BL auf. Inzwischen wohnt er in einer WG im Basler "Gundeli" und studiert Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Basel. Seit er vierzehn Jahre alt ist, tritt Max Kaufmann regelmässig an Poetry Slams auf. Im März 2018 wurde er in Winterthur Poetry-Slam-Schweizermeister in der Kategorie u20.

max.kaufmann@gmx.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Hätten Sie, im Nachhinein betrachtet, mehr machen müssen, um die Menschen (insbesondere auch im Unterbaselbiet) zu überzeugen?"

BaZ
am 11. Juni 2024
in einer Interview-Frage
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wie hat der Journalist die Klammer wohl ausgesprochen?

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel

Werbung







In einem Satz


Jacqueline Herrmann und Alexander Bieger lösen Brigitte Jäggi ab, die als Rektorin des Gymnasiums Muttenz in Pension geht.

Bettina Zeugin folgt als Präsidentin von insieme Baselland auf Röbi Ziegler.

Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Peter Schmid gibt das Präsidium des Freundevereins Zoo Basel an seine Parteikollegin und Landrätin Miriam Locher ab.

Eine Findungskommission sucht eine Nachfolge für Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen Basel, die 2025 in Pension geht.

Grünen-Politikerin Flavia Müller aus Allschwil rückt für Biljana Grasarevic in den Baselbieter Landrat nach.

Doppel-Pensionierung am Euro-Airport: Direktor Matthias Suhr geht Ende März 2025, sein Stellvertreter Marc Steuer Ende Dezember 2025 in den Ruhestand.

Jo Krebs
übergibt nach über 23 Jahren seine Stelle als Leiter Unternehmenskommunikation von Primeo Energie an Nachfolger Fabian Hildbrand.

Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.