Werbung

Max Kaufmann: Frisch pubertiert

[ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 63 ] >>

Wenn man Stress rechtfertigen muss

Langsam aber sicher steuern ich und alle anderen Bachelor-Studis, die diesen Sommer in einer Gesellschafts- oder Geisteswissenschaft abschliessen, auf die Prüfungen zu. Bis in drei Wochen muss ich knapp zweitausend Seiten vorbereiten, um dann in zwei vierstündigen Essayprüfungen schriftlich aufzuzeigen, dass ich die Texte erstens überhaupt gelesen habe und zweitens miteinander in Beziehung setzen kann.

In meinem Umfeld legen einige die Prüfungen ab, und wir merken einander den Stress an: Wer ist wie früh am Institut und wer macht wie lange Pause? Wie viele Bücher bleiben den anderen noch übrig bis zur Prüfung, und kann ich es mir leisten, als erster Feierabend zu machen? Deswegen mussten wir uns darauf einigen, in den Mittagspausen nicht über die nahenden Prüfungen zu sprechen.

Dass ein Studium wie jede andere Ausbildung manchmal mit Stress verbunden ist, ist nichts Neues. Trotzdem scheint es nötig, sich zu rechtfertigen, wenn man in einem anderen Studium als Jus, Wirtschaft oder Medizin Stress hat. Spätestens seit einem Interview in der NZZ vor zwei Jahren, in dem eine Wirtschaftshistorikerin und Uni-Dozentin den Studis in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern vorwarf, sie würden nur bekifft ihr Studium absitzen und – die viel steilere These – später nichts zur Gesellschaft beitragen, empfinde ich einen Rechtfertigungsdruck.

Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn jemand neben mir Kleider auf Zalando bestellt.

Solche Vorwürfe sind absolut unsinnig, sie lösen aber trotzdem etwas aus. Ich zucke jedes Mal zusammen, wenn ich auf dem Bildschirm der Person neben mir sehe, wie sie während eines Seminars Rezepte fürs WG-Znacht googelt oder – noch schlimmer – Kleider auf Zalando bestellt. 

Nur um dann anschliessend ab mir selbst zu erschrecken, wie sehr ich die NZZ-Kampagnen gegen Studienfächer wie meine eigenen verinnerlicht habe. Man mag zwar zurecht Einwände gegen das Bestellen von Fast Fashion haben. Ich bezweifle aber, dass eine kurzzeitige Unaufmerksamkeit auch in einer Jus- oder Wirtschaftsvorlesung dazu führt, gleich grundsätzlich die Einsatzbereitschaft der Studierenden infrage zu stellen. Dort schreiben sie "richtige" Prüfungen.

Leider ist es tatsächlich so, dass in jedem Seminar auch Studierende sitzen, die mit möglichst wenig Aufwand Kreditpunkte sammeln. Das ist aber kein Vorwurf, sondern liegt daran, dass ein Seminar, die häufigste Lehrveranstaltungsform in den Geistes- und Sozialwissenschaften, an der Uni Basel nur drei Punkte Wert ist. 

Die Uni sollte diesen Missstand angehen.

Um die empfohlenen 30 Kreditpunkte im Semester auch nur annähernd zu erreichen, müssten pro Woche sieben bis acht Seminare besucht werden. Allein die Sitzungen: machbar. Wöchentlich für jedes der Seminare jeweils 30 Seiten Literatur seriös vorzubereiten, ist aber nahezu unmöglich. So kommt es, dass statt mitzudiskutieren manchmal bereits das Abendessen geplant wird.

Die Uni sollte diesen Missstand angehen, indem sie beispielsweise die Anzahl Punkte pro Seminar erhöht. So bleibt mehr Zeit, um Themen gründlicher zu behandeln, statt von einem zum nächsten Seminar zu hetzen. 

Das ist aber ein längerfristiges Anliegen. Erst einmal müssen wir die Prüfungen überstehen, und dazu gehört, sich nicht allzu sehr in den Stress hineinzusteigern. Das gilt nicht nur in Jus-, Wirtschaft und Medizin, sondern auch für Studis einer Gesellschaftswissenschaft. Selbst wenn das einige nicht glauben möchten.

29. April 2024
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Max Kaufmann, geboren 2001, wuchs in Allschwil BL auf. Inzwischen wohnt er in einer WG im Basler "Gundeli" und studiert Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Basel. Seit er vierzehn Jahre alt ist, tritt Max Kaufmann regelmässig an Poetry Slams auf. Im März 2018 wurde er in Winterthur Poetry-Slam-Schweizermeister in der Kategorie u20.

max.kaufmann@gmx.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Er soll mehrere Gedichtbänder veröffentlicht haben."

bz
am 16. Mai 2024
über den Attentäter
in der Slowakei
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das kann man auch nicht mit Schweizer-Hochdeutsch erklären.

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel








In einem Satz


Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.