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© Foto by Ingo Hoehn
"Superlative unvermeidlich": Starsopranistin Nicole Chevalier

Endlich wieder grosse Oper – und Standing Ovations

Die fulminante Premiere von "La Traviata" am Theater Basel vermochte das Publikum zu begeistern


Von Sigfried Schibli


Am Sonntagabend spielte das Theater Basel, Abteilung Oper, unbestritten in der Champions League. Als die Lichter auf der Bühne nach fast zweieinhalb pausenlosen Premierenstunden ausgingen, konnte man gar nicht anders, als sich erheben und der Hauptdarstellerin, der amerikanischen Sopranistin Nicole Chevalier, eine Standing Ovation bereiten. Sie hatte die Titelpartie von Verdis Oper "La Traviata" mit einer derartigen Hingabe gesungen und gespielt, dass Superlative schlechterdings unvermeidlich sind.

 

Äusserlich ähnelt Nicole Chevalier nicht unbedingt einer schwindsüchtigen, todkranken Frau. Sie wirkt sportlich und gut durchtrainiert, klingt stimmlich niemals dünn und verzichtet auf hysterisches Geschrei. Diese Sängerin bewahrt einen stabilen, gesunden stimmlichen Kern, von dem aus sie mühelos die vom Komponisten erforderten Höhen erreicht, ohne jemals zu übersteuern. Diese Violetta Valéry singt im Liegen so klar verständlich wie im Stehen, tänzelt ballettreif auf Spitze, wenn sie an ihre Kurtisanen-Vergangenheit zurückdenkt, fegt wie ein Wirbelwind über die Bühne, klettert auch mal über die Stuhlreihen des Theaters und verschiebt öfter das karge Mobiliar, als wolle sie die Bühnenarbeiter arbeitslos machen. 

 

Dies alles natürlich nur, weil der Regisseur, Theaterdirektor Benedikt von Peter, diese totale Performance von ihr verlangt. Er hat dieses Musikdrama, gewiss die rührendste aller Opern von Giuseppe Verdi, schon 2011 als junger Theaterrevoluzzer am Opernhaus Hannover inszeniert. Schon damals im Bühnenbild von Katrin Wittig und schon damals mit Nicole Chevalier in der Titelpartie. Von Peter hat das Ganze dann in Luzern, wo er formell noch als Direktor amtiert, wiederholt. Und jetzt eben in Basel, wo ihm ein exzellentes Sängerensemble und ein hervorragendes Orchester zur Verfügung stehen.

Wenn herausragende Produktionen von einer Stadt in die andere wandern – wer könnte etwas dagegen einzuwenden haben?

 

Benedikt von Peter und Nicole Chevalier – man kann sie nur im Doppel nennen – machen aus einer Todgeweihten, die sich wie an einen Strohhalm an ihre letzte (und vielleicht auch erste) Liebe klammert, eine Widerstandskämpferin gegen das Unausweichliche. Eine Schusswaffe braucht sie dazu nicht, ihre einzige und wirksamste Waffe ist ihre unbedingte Liebe. Ihr Liebhaber Alfredo Germont glaubt sich ihrer sicher zu sein und reist frohgemut ins Ausland, bis sein Vater Giorgio aufkreuzt, aus zweifelhaften Gründen von Violetta den Verzicht auf seinen Sohn verlangt und sie in einen abgrundtiefen moralischen Zwiespalt stürzt. Denn Violetta ist verarmt und sieht nur in einer Rückkehr zu ihrem früheren Kurtisanenleben Aussicht auf materielle Besserung.

 

Wie Verdi diesen Vater Germont vom Zuchtmeister zum liebenden Schwiegervater werden lässt, ist berührend. Und wie der texanische Bariton Noel Bouley diese Partie verkörpert, trotz seines starken Vibratos jede Silbe verständlich artikulierend, ist es ebenso. Man hört ihn, aber zu sehen ist er nicht. Vater Germont erscheint wie sein Sohn Alfredo und alle anderen Personen ausser Violetta nie auf der Bühne. Er singt immer vom ersten oder zweiten Rang hinunter, fürs Publikum im Parkett unsichtbar. Eine Stimme aus der Dunkelheit. Das ist nun einmal Konzept der Inszenierung. 

 

Es gibt nur eine Hauptfigur im Licht, und das ist ausgerechnet die der ewigen Dunkelheit geweihte Violetta Valéry, die Traviata, die "vom Weg Abgekommene". Die uns mehrmals versichert: "This is for you", für uns Voyeure, und uns unverblümt fragt, ob wir ihren Körper mögen. Soweit ist sie eben Prostituierte geblieben, Dienerin unserer sinnlichen Begierden. Ein wenig vielleicht auch Selbstparodie der Gattung Oper, denn wer würde nicht zugeben, dass wir Opernliebhaber im Publikum uns wie Freier durch den Kauf eines Tickets in den Genuss ästhetischer Spitzenleistungen bringen?!

 

Unsichtbar bleibt auch Alfredo, Violettas Geliebter. Der philippinisch-amerikanische Tenor Arthur Espiritu fasziniert mit seiner klar fokussierten, gestählten, sauber intonierenden Stimme. Hätte ihm der Dirigent Tito Ceccherini an der Spitze des ungemein fein und farbig und niemals zu laut spielenden Sinfonieorchesters Basel gelegentlich ein wenig mehr Zeit zum Atmen gelassen – das Opernglück wäre vollkommen gewesen. Spannend bis zur letzten Sekunde bleibt diese Produktion allemal.

15. November 2021


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"Nicole Chevalier leistet Unwahrscheinliches"

Ich unterstütze alles, was Siegfried Schibli geschrieben hat. Diese Inszenierung geht so direkt ins Herz. Nicole Chevalier leistet Unwahrscheinliches auf der Bühne und die Verteilung von Chor und Solisten im Zuschauerraum wirkt sensationell – ein absolutes

Raumtheater. Am letzten Samstag wieder Standing Ovation – man kann einfach nicht anders. Wahrhaftig Champions League.


Paul Burkhalter, Winterthur



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https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Er soll mehrere Gedichtbänder veröffentlicht haben."

bz
am 16. Mai 2024
über den Attentäter
in der Slowakei
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das kann man auch nicht mit Schweizer-Hochdeutsch erklären.

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel








In einem Satz


Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

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Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.