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"Zeitraffer vorgegeben": Regisseur Armin Petras in Basel

Ein Opern-Neuling zum Basler Saisonauftakt

Der Schauspielregisseur Armin Petras wagt den Opern-Einstand mit der sperrigen "Katja Kabanowa" von Leos Janacek


Von Jürg Erni


Der 47-jährige Schauspiel-Regisseur Armin Petras ist auf den Bühnen des Ostens wie des Westens zuhause. Am Theater Basel führt er erstmals Opern-Regie: Er wagt sich an die sperrige "Katja Kabanowa" des tschechischen Komponisten Leos Janacek. Am Donnerstag ist Premiere.


Schön kühn eröffnet das Theater Basel die erste Spielzeit unter dem Intendanten und Operndirektor in Personalunion, Georges Delnon, mit der sperrigen Oper "Katja Kabanowa" von Leos Janacek nach dem Schauspiel "Das Gewitter" des russischen Autors Aleksander Ostrowskji. Das starke Musikdrama des Begründers einer namhaften Orgelschule in Brünn wurde im Oktober 1921 am Nationaltheater Brno uraufgeführt.

Die Hintergründigkeit der Musik wie die scharf geschnittene Zeichnung der Figuren faszinierten den ostdeutschen Schauspiel-Regisseur Armin Petras seit langem. Es bedurfte denn auch einiger Anläufe und Anfragen von Theaterintendanten, bis der frühere Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters und der künftige Leiter des Schauspiels am Staatstheater Stuttgart den Sprung auf die Opernbühne wagte. "Ich habe mir das lange Jahre nicht zugetraut; über Janacek bin ich eigentlich zur Oper gekommen", bekennt der gradlinige Regisseur im schlichten T-Shirt und der schrägen Dächlikappe.

Handlung in Kürze

Auf die Frage, ob er in ein paar Sätzen die Handlung der "Katja" erzählen könne, legt er gleich los: "Sie spielt im 19. Jahrhundert im alten Russland im Provinzstädtchen Kalinov an der Wolga. Katjas Schwiegermutter, die Kabanicha, schickt ihren seit 16 Jahren mit Katja verheirateten Sohn Tichon ausser Haus, damit er sie aus den Augen verliert. Dieweil hat sich Katja in Boris verliebt. Bei der Heimkehr ihres Gatten gesteht sie ihm freimütig die Untreue. Sie sieht keinen Ausweg, als sich in die Wolga zu stürzen."

Was ist an dieser Titelheldin so berührend? "Sie hat einen natürlichen Instinkt, den sie sehr nahe an die Natur rückt. Das ist die Basis unserer Regie." Petras verweist auch auf die Bedeutung der Nebenfiguren, den Freunden und Dienstboten bis zum stummen "Vorübergehenden". Diese Figuren sind auch ohne Gesang auf der Bühne "zu 80 Prozent" präsent. Mit ihnen gestaltet Petras parallele Handlungen zum Hauptgeschehen, lässt ihre eigenen Geschichten erzählen.

Die Musik gibt das Tempo an

Und wie kommt Petras bei seiner ersten Begegnung mit der Sparte Oper auf der Bühne klar? "Überraschend ist bei der Musik, dass ihr der Zeitraffer vorgegeben ist. Ich bin zeitlich und in der Reihenfolge der Auftritte eingeschränkt. Andererseits ist es das Fantastische, dass man ein so starkes Gerüst hat. Bei Janacek habe ich ein grosses Vertrauen in seine Musik und ihre fragmentartigen Motive."

"Atemlosigkeit", wie seinem Regiestil auf Wikipedia attestiert wird, dürfte in der Oper also kaum greifen. Und psychologische Deutungen, wie sie heute im Schwange sind, scheint der Künstler aus der ehemaligen DDR, der nach der Wende in Frankfurt an der Oder wie in Chemnitz arbeitete, eher zu scheuen.
Einen guten Draht hat Petras auch zum Dirigenten der Basler "Katja", zum Flamen Enrico Delamboye. Regisseur und musikalischer Leiter haben sich schon früh auf ein gemeinsames Konzept geeinigt, was bei Schauspiel-Regisseuren kein Selbstverständnis ist.

Neue Sängernamen

Neuen Namen begegnet man auch bei der Sängerbesetzung mit der amerikanischen Sopranistin Mary Mills in der Titelpartie, dem slowakischen Tenor Ludovir Ludha als Boris, dem amerikanischen Tenor Norman Reinhardt als Kudrajasch oder dem tschechischen Heldentenor Tomas Cerny als Tichon.

Eine Saisoneröffnung, die wohl nicht auf Anhieb Scharen ins Theater lockt, die aber immerhin die schöne Tradition der Pflege von Janaceks Opernschaffen wieder aufnimmt, wie sie Werner Düggelin und Armin Jordan noch im alten Stadttheater begonnen haben.

 

Info
"Katja Kabanowa": Premiere am 13.9.; weitere Vorstellungen am 15./21./24./30.9. auf der Grossen Bühne des Theaters Basel. Neue Anfangszeiten: werktags: 19.30 Uhr / sonntags: 18.30 Uhr

10. September 2012


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